Es ist höchste Eisenbahn!

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«…dann ist Polen offen!», pflegten wir als Kinder zu hören. Jedenfalls, wenn wir in einem gelegentlich recht strikten preussischen Haushalt aufgewachsen sind. Ich bau das mal für Sie, meine Damen und Herren und schweizerischen Kompatrioten, in einen Beispielsatz ein: «Von eins bis drei ist Mittagsruhe, sag deinen Freunden, wenn in dieser Zeit hier jemand anruft, ist Polen offen!» Sowohl die hier implizierte Existenz eines beantworterlosen Festnetztelefonapparats (mit Wählscheibe, übrigens) wie auch jener Hauch Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts deuten darauf hin, dass dieses Bild vom offenen Polen – wenngleich immer noch eindrücklich – nicht mehr so ganz frisch ist.

Irgendwie hat die deutsche Sprache seit Dekaden keine eindrücklichen Redewendungen mehr hervorgebracht. Vielleicht weil der Grossteil ihrer Sprecher mit Katzenbildern im Internet beschäftigt ist? Jedenfalls sind die besten deutschen Redewendungen alle schon was älter. Wenn Sie mich fragen. Hier sind fünf von meinen liebsten:

  1. «Es ist höchste Eisenbahn!»

    Surreal, ein bisschen Dada, und trotzdem auch im Zeitalter postindustriellen Massenflugverkehrs noch aussagekräftig. Es gibt auch ’ne Band, die so heisst. Deren bestes Stück heisst: «Was machst du dann»

  2. «ein Leben in Saus und Braus»

    Sagt alles. Und wer wollte das nicht. Schön auch die Variante «Saus und Luder».

  3. «nicht mehr alle Tassen im Schrank»

    Sehr anschaulich, ohne gleich übertrieben dramatisch zu werden. Man kann ja noch sehr gut leben, auch wenn man nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.

  4. «Und wenn der ganze Schnee verbrennt!»

    Meint: Komme, was da wolle. Bekannt aus Hauptmanns «Die Weber». Ach, was waren das für goldene Zeiten, in denen Dramatiker noch geflügelte Worte inspirierten!

  5. «Jetzt schlägt’s 13!»

    Ein wundervoller Ausdruck der Überraschung und Übersättigung. Fast so schön ist: «Da brat mir einer ’nen Storch!»

Im Bild oben: «Bitte zurücktreten»: Ein Mann versucht im Bahnhof Solothurn einen Zug zu erwischen. (Keystone/Gaetan Bally)

26 Kommentare zu «Es ist höchste Eisenbahn!»

  • Pedro sagt:

    Meine Mutter sagte jeweils, wenn man etwas unangebrachtes geboten hatte, oder zB von Leuten hörte, die versuchten, ohne genügend Geld ein Haus zu bauen etc…

    „das isch aber o usem Tierbuech!“ (=“das ist aber auch aus’m Tierbuch!“)

  • Onkel Arnold sagt:

    1. nicht das Gelbe vom Ei
    2. die Leviten lesen
    3. mit allen Wassern gewaschen
    4. Paroli bieten
    5. in der Höhle des Löwen

  • oliver brunner sagt:

    potzholzöpfelundzipfelchape (vom chasperli). mal in einem trendlokal sagen hat circa 14x die kraft von f*** oder holy shit oder hey alder.

  • Lichtblau sagt:

    Schräg ist auch „Man hat schon Pferde vor Apotheken kotzen sehen“ (im Sinn von „es gibt nichts, was es nicht gibt“, offenbar sind Pferde körperlich nicht in der Lage, sich zu übergeben). Liest man in letzter Zeit öfter, hört sich aber auch nicht wirklich neu an.

    Dann haben wir auch Walter Kempowski die Überlieferung einiger norddeutscher Bonmots vom Feinsten zu verdanken. Bei uns hat eine Zeit lang das rustikale „Fiss biste patzt!“ das vornehmere „Guten Appetit“ ersetzt. Mein Lieblings-Kempi-Spruch ist „Jede Menge Barcelona!“. Passt in jeder Lebenslage und bedeutet alles – und nichts.

  • René Edward Knupfer sagt:

    Das walte Hugo!
    Heinrich mir graut vor dir!
    Mein Gott Walter!
    Anton zieh die Bremse an!
    Martha! Martha! Du entschwandest.
    Dümmer als die Polizei erlaubt.
    Grosses ungarisches Ehrenwort.
    Heiliger Strohsack!
    Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

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