Ungebetene Helferlein

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Soll man Gäste bei einer Party ermutigen oder besser davon abhalten, sich nützlich zu machen? Einerseits ist es super, wenn einige Leute mit anpacken, andererseits fühlt man sich als schlechter Gastgeber . . . und manchmal ist es ja wirklich unnötig, und gewisse Gäste drängen sich regelrecht auf. C. S.

Liebe Frau S., also als schlechte Gastgeberin müssen Sie sich nicht fühlen. Eben gerade nicht. Denn eine gute Gastgeberin ist in erster Linie: entspannt. Es ist ja immer ganz grauslich, irgendwo zu Besuch zu sein, und die, die einladen, sind so permanent angestrengt, wollen alles richtig machen und merken vor lauter Perfektionsanspruch gar nicht, dass die ganze Sache einfach nur eines ist: steif. Da möchte ich jeweils am liebsten grad wieder heimgehen.

Dennoch: Gäste zum Helfen aufzufordern, finde ich jetzt doch einigermassen befremdend. Ich mag nicht in eine Küche beordert werden und dort an irgendeinem Salat rumrüsten müssen, nein, wirklich nicht (es käme auch gar nicht gut mit dem Salat). Natürlich ist es eine nette Geste, wenn ein Gast seine Hilfe anbietet. Und die kann man auch problemlos annehmen, wenn es einem gerade dient. Zum Beispiel geht das Abtragen der Teller nach dem Essen schneller, wenn man das nicht allein machen muss. Ist Ihnen indes selbst dies unangenehm, dann erklären Sie sanft, aber deutlich, dass es Ihnen wohler sei, allein agieren zu können. Das Problem dabei ist natürlich, dass sich vor allem Frauen gern darin gefallen, sich nachgerade einen Wettbewerb dahin gehend zu liefern, wer jetzt noch aufopfernder und tatkräftiger mit in der Küche steht.

Überhaupt kommen in diesem Moment die klassischen Geschlechterrollen voll zum Tragen: Es verhält sich nämlich so, dass sich Männer fast nie bemüssigt fühlen, irgendwas zu helfen. Das anerbieten in der Regel nur die Frauen. Das verstimmt mich jeweils sehr, dieses Weiblich-Servile macht mich ganz verrückt, und gleichzeitig überkommt mich eine immense Hoffnungslosigkeit, was die Beseitigung dieser Mann-Frau-Klischees anbelangt. Deshalb könnten Sie dem Ganzen eine gleichstellungspraktische Komponente abgewinnen und sozusagen edukativ tätig werden: Wenn Sie Hilfe wünschen, dann lassen Sie die Männer anpacken.

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13 Kommentare zu «Ungebetene Helferlein»

  • oliver sagt:

    „Es verhält sich nämlich so, dass sich Männer fast nie bemüssigt fühlen, irgendwas zu helfen.“ Da würde ich aber schleunigst meinen Freundinnen- und Freundeskreis ändern, werte Frau Weber!

  • Therese sagt:

    Eine andere Frage zum Thema Gäste: meine Schwiegermutter bringt immer mal wieder unangekündigt eine Torte mit, wenn sie und ihr Partner bei uns zum Essen eingeladen sind. Wie kann ich ihr das „abstellen“, ohne sie zu beleidigen? Oft ist es dann so, dass entweder die Torte oder das von mir zubereitete Dessert übrigbleibt. Abgesehen von den kaum zu bewältigenden Mengen ziehe ich ein selbstgemachtes Dessert einer gekauften Torte in der Regel vor – und wenn unsere kleine Tochter beim Dessert machen hilft, gibt es natürlich Tränen, wenn wir ihre Kreation nicht servieren. Was tun?

    • marie sagt:

      es der schwiegermutter genau so erklären! und evt. erwähnen, dass sie – sozisagen als ersatz – sich auch über einen blumenstrauss freuen würden!

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