Eine Tussi wegen herzigem Röckli?

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Ich bin Mutter von zwei Töchtern. Es ist mir wichtig, dass sie moderne Frauen werden, also keine Tussis. Jetzt geht die Ältere in den Kindergarten – und dort tragen alle Mädchen Röckli, weil deren Mütter das so herzig finden. Das Problem: Meine Tochter, der ich bis jetzt aus den erwähnten Tussi-Vermeidungs-Überlegungen heraus Jeans anzog, will auch nur noch Röckli tragen. Meine ganzen Erziehungsanstrengungen werden quasi textil zunichtegemacht. Was sagen Sie dazu? C. R.

Liebe Frau R., Ich bin ja nicht bewandert in Sachen Pädagogik, aber so vom Schiff aus würde ich jetzt spontan sagen, dass Sie sich nicht zu grämen brauchen beziehungsweise dass nicht automatisch Röckli-bedingt eine Tussi-Determination Ihrer Tochter zu befürchten ist. Der Protest dagegen wird sich auch nicht lohnen, sie würde dann wohl erst recht zur Röckli-Fetischistin.

Ihre Bemühungen finde ich natürlich grossartig. Weil Sie sich was überlegen und weil Sie nicht in diese Klischeefalle tappen wollen. Das mag ich. Was ich weniger mag, sind diese anderen Mütter, die ihre Töchter allesamt in Röckli stecken. Was sind das für Frauen? Die immer noch finden, Mädchen müssten in erster Linie ungefährlich daherkommen, sprich herzig sein und gefallen? Da nützen alle Gleichstellungskampagnen nichts, wenn die das schon von Kindesbeinen an eingeredet bekommen. Obschon es mich ja nicht wundert: Wenn man sieht, wie wenige Bräute ihren eigenen Namen behalten, also wie wenige Frauen mal einen emanzipatorischen Pflock einschlagen, ist es kein Wunder, wenn die ihre Töchter derart reaktionär erziehen und eben auch: anziehen. Mir wird grad sehr schwer ums Herz.

Was Sie konkret tun können? Seien Sie subversiv. Wenn unten Röckli, dann oben rum Rock ’n’ Roll. Setzen Sie einen Kontrapunkt, mit Heavy-Metal-Shirts Ihrer Wahl zum Beispiel. Und wenn eine dieser rückständigen Mütter pikiert guckt, sagen Sie, dass es sich hierbei um einen sogenannten Stilbruch handle. Das wird die nicht verstehen; grundsätzlich nicht und weil das ein fortgeschrittenes Modeverständnis bedingt, aber das macht nichts. Sie, liebe Frau R., wissen dafür: Töchtern wie den Ihren gehört die Zukunft.

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