Weihnachtsgeschenk für eine Muslimin?

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Wir beschäftigen über eine Agentur eine Putzfrau, mit der wir sehr zufrieden sind. Gerne würden wir ihr deshalb zu Weihnachten ein kleines Geschenk machen. Nun spricht die Dame nur gebrochen Deutsch und könnte auch muslimischen Glaubens sein. Darf man ihr trotzdem ein Weihnachtsgeschenk machen – oder würde sie es vielleicht sogar als religiösen Affront auffassen? A.S.

Liebe Frau S., der erste Gedanke beim Lesen Ihrer Frage war: Oje, delikat. Dann dachte ich etwas länger darüber nach und fragte mich, was zum Teufel daran delikat sein soll. Es machte sich in der Folge in mir eine mittelgrosse Bestürzung darüber breit, wie sehr einen diese elende politische Korrektheit schon im Griff hat, wie die einen letztlich verdirbt, dahin gehend, dass alle total verklemmt werden, weil jeder zwischenmenschliche Umgang zum Minenfeld stilisiert wird. Wir brauchen dringend mehr Unerschrockenheit, mehr gesunden Menschenverstand und weniger von dieser Verkrampftheit, die das Miteinander pathologisiert. Womit ich Ihnen überhaupt keinen Vorwurf machen will, liebe Frau S., ich bin mehr generell grad so etwas in Rage geraten.

Wenn wir einmal die Diskussion über Sinn und Unsinn dieser jahreszeitbedingten Schenkerei weglassen, dann stellen wir zunächst fest: Sie wollen Ihrer Putzfrau ein Geschenk machen. Also eine Freude. Sie wollen Danke sagen und damit Ihre Wertschätzung zeigen. Es handelt sich demnach um eine liebevolle Geste, um ein Drandenken, weil Sie ein netter Mensch sind. Es ist darin unmöglich, einen Affront zu erkennen.

Es dünkt mich ja sowieso, es gäbe im zwischenmenschlichen Umgang nichts, das so willkommen ist wie eben diese Aufmerksamkeit, nichts, das so guttut, so sehr das Herz erwärmt. Vorgesetzten sei deshalb an dieser Stelle gratis und franko mitgeteilt: Ein einfaches Danke oder zwei, drei nette Zeilen per E-Mail haben eine enorme Wirkung, was die Motivation der Mitarbeitenden angeht – und das Beste: Es kostet nicht mal was! Eine winzige Geste zum Nulltarif (es braucht dafür nicht einmal einen Posten im Budget und auch kein Kürsli für Führungskräfte!), aber mit enormer Wirkung! Wenn das nicht Win-win ist!

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14 Kommentare zu «Weihnachtsgeschenk für eine Muslimin?»

  • Dani Gerber sagt:

    Ich denke da ist nichts schlimmes dabei – man muss ja nicht explizit erwähnen, dass es ein Weihnachtsgeschenk ist. Ich hab ebenfalls eine Muslimin beschenkt (mit einer einfachen, dekorierten Kerze) und sie war positiv überrascht.

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