Herbstlaub auf Kautschuk

  • Wind- und Wetterkleidung hat ihren Platz, etwa am Meer: Voller Friesennerz. (Foto: Flickr/Deichheld)

  • Bei Kindern ist die gelbe Signalfarbe völlig in Ordnung.

  • Nur wenige können Gelb so überzeugend tragen. (Foto: Flickr/Ed Yourdan)

  • Bei Menschen in der Stadt tun gelbe Gummistiefel einfach nur in den Augen weh. (Foto: Flickr/Ed Yourdan)

  • Junge mit Schirm und Gummistiefel. Foto: Flickr/eyeliam

Der Herbst ist in vollem Schwange, meine Damen und Herren: Blätter und Depressionen fallen von den Bäumen, und dies ist die Saison für jene Abteilung der Garderobe, die wir Wind- und Wetterkleidung nennen. Spätestens seit der Jugendbewegung der sogenannten Casuals in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist auch der Anorak zu einer Modefrage geworden. Denken Sie nur an die in den frühen neunziger Jahren hoch im Kurs stehenden Barbour-Jacken; damals von Werbekaufleuten aus Düsseldorf ebenso missbräuchlich verwendet wie von Studenten der Hochschule St. Gallen; heute wieder pretty cool (die Barbour-Jacken; nicht die St. Galler Studenten). Doch selbstverständlich gibt es, obschon Mode Bewegung bedeutet, auch beim Wetterschutz gewisse Konstanten: Der Football Manager Style (FMS), beispielsweise, ist so ein Klassiker: Jahrzehntelang trugen besonders englische Trainer und Club-Chefs am Rande des Fussballfeldes eine unabänderliche Kombination aus kamelfarbenen Sheepskin Coats and Fedora-Hüten (der frühere Crystal-Palace-Manager Malcolm Allison war die Ikone dieses Stils).

Ein anderer Klassiker der Schutzkleidung ist die Farbe: Gelb. Ich weiss nicht, ob es Ihnen ähnlich ging, aber mich haben meine Eltern als Kind bei widriger Witterung gern in einen sogenannten Friesennerz gesteckt, jenes wetterfeste Ölzeug, das eigentlich PVC-beschichtetes Polyester war, im Einheitsschnitt und mit grosser Kapuze ursprünglich für Berufsfischer gedacht und daher in der Farbgebung auf Sichtbarkeit ausgerichtet: dieses Alarm-Gelb sah man noch durch den tiefsten Nordseenebel. Unzerstörbar, statusfrei und überhaupt nicht atmungsaktiv, so dass man im Friesennerz langsam rot gekocht wurde wie ein Hummer. Durchdringend gelb waren auch die Gummistiefel, und so gehört es sich. Jedenfalls haben Gummistiefel einfarbig zu sein (die Variante von Tretorn mit aufgedrucktem Herbstlaub zum Beispiel lässt sich füglich als «gay» bezeichnen), und fernerhin gilt: solange Sie nicht zum Wattenmeerschutz in Ostfriesland sind oder auf der Jagd in Hampshire, brauchen Sie keine Gummistiefel. Gummistiefel gehören nicht in die Stadt. Punkt. Überhaupt: Nichts wirkt deplazierter als Wetterschutz, wo gar kein Schutz am Platze ist. Ich war vor ein paar Jahren mit einer Ralph-Lauren-Antarktis-Jacke schon in Gstaad im wahrsten Sinne des Wortes overdressed (und das ist in Gstaad gar nicht so einfach) – wie sehr wäre man es erst auf der Zürcher Bahnhofstrasse! Abenteurer-Garderobe in Zivilisations-Hochburgen ist ganz schlecht, und zwar schlecht nicht auf eine faszinierende Ich-kann-da-nicht-wegsehen-Art, wie die Pailletten von Thomas Gottschalk, und auch nicht auf eine monströse Auffahrunfall-Art, wie die MC-Hammer-Hosen von Kim Kardashian, sondern ganz einfach schlecht im Sinne von: Regretable Wardrobe Mistake (RWM). Oder, um den Renaissance-Komponisten John Bennet zu paraphrasieren: Oh, mine eyes, mine eyes!

Spiegelbildlich dazu verhält es sich leider so, dass ein Grossteil der vorzüglich modischen Wind- und Wetterkledage den Zweck nicht erfüllt: Die wunderhübschen Anoraks von Penguin sind nicht wasserdicht und die sogenannten Wind Cheaters von Pal Zileris Lab-Label widerstehen höchstens den Vagheiten eines englischen Sommers. Um die Wettertauglichkeit irgendeines Kleidungsstücks jedoch wirklich zu testen, müssen Sie entweder für drei Tage darinnen ans Glastonbury-Festival gehen (und dort im Schlamm schlafen) oder es beispielsweise auf einer Safari in der afrikanischen Wildnis ausprobieren, wie ich das neulich mit meinen Timberland Boots gemacht habe und dabei feststellte, dass man mit diesen tatsächlich durch die Wüste laufen kann. Ausserdem habe ich in Afrika gemerkt, dass die Cargo Pants von Carhartt wirklich reissfest sind. Und ich habe festgestellt, dass nachts in der Buschsavanne für die Fahrt im offenen Land Rover das Anlegen eines Ponchos wirklich wahnsinnig praktisch ist – ohne dass ich dies nun in Zürich praktizieren würde oder möchte. Und dies, geschätzte Leserschaft, bringt mich abschliessend auf einen der zeitlosen, saison- und geschlechterübergreifenden Ratschläge meines Idols Jack Donaghy: «Try not to dress like a small-town lesbian.»

Please.