Diskretversand

Nuts refuse to cover-up

Der wundervolle englische Ausdruck «Modesty Bag», meine Damen und Herren, bezeichnet eine neutrale, intransparente Verpackung für Inhalte, die möglicherweise für anrüchig gelten können. Das Wort kehrte kürzlich zurück in die öffentliche Debatte im Vereinigten Königreich, weil dort diskutiert wurde, ob sogenannte Lads’ Mags in Supermärkten in Modesty Bags verpackt werden sollen, zum Schutze der Jugend und so weiter. (Es handelt sich hier übrigens mutmasslich um dieselbe Jugend, die per Smartphone problemlosen Zugriff auf die weltweit stossendsten Abscheulichkeiten hat, aber dies nur am Rande). Und was sind Lads’ Mags? Nun, quasi die Nachfolger dessen, was man früher als «Herrenmagazine» bezeichnete. Heute heisst sowas nicht mehr «Playboy» (den gibt es in der Tat auch noch), sondern «Front», «Nuts» oder «Loaded» (das Wort «Playboy» an sich scheint ja, wie etwa auch das Wort «Manager», überhaupt aus der Mode gekommen) und ist auch vom Inhalt etwas verschoben, indem zum Beispiel nicht Joan Collins oder Katarina Witt auf dem Cover sind, sondern vorzugsweise sogenannte Glamour Models (also: weder Glamour noch Model). Ausserdem haben Lads’ Mags ihren Zenit möglicherweise schon überschritten, aber darum geht es hier gar nicht, sondern vielmehr darum, dass die von mir gern gelesene Autorin Hadley Freeman nun kürzlich diese Debatte um die Verhüllung im «Guardian» zum Anlass genommen hat, ein paar Phänomene aufzuführen, die sie ihrerseits gerne in Modesty Bags verpackt sehen würde, zum Schutze von öffentlichem Anstand und allgemeiner Sittsamkeit. Und eben im Dienste dieser Werte würde ich jene Liste hier gerne fortführen. Hier kommen also fünf Sachen, die zur Wahrung des allgemeinen Dezenzniveaus am besten blickdicht zu verpacken sind:

  1. Alles, was irgendwie mit Sonya Kraus zu tun hat.

  2. Jedes Buch von Rolf Dobelli. (Und am besten gleich Rolf Dobelli selbst.)

  3. Die Schweizerische Bundesverfassung, falls die obszöne CVP-Initiative durchkommen sollte, welche darinnen die Ehe diskriminierend als Verbindung zwischen Mann und Frau festschreiben will.

  4. Alle Produkte von Michel Jordi.

  5. Crocs, natürlich. Darauf haben Sie doch schon gewartet, oder?

Zum Schutz der Jugend sollen im Königreich Lads‘ Mags züchtig verhüllt, sprich neutral verpackt daherkommen. (Bild: PA/The Huffington Post)

14 Kommentare zu «Diskretversand»

  • Rolf Frech sagt:

    Ich würde ja gern mithelfen beim Verbieten, habe aber keine Ahnung: Wer ist Sonya Kraus,
    wer ist Rolf Dobelli (also gut, da war doch was, hat wahrscheinlich einen Penalty verschossen
    gegen Island), wer ist Michel Jordi, wer ist/sind Crocs ? Und die CVP ? Gibt`s die noch, muss man die noch extra verbieten ?

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Ob jemand homosexuell ist, geht micht nichts an. Was mir einfach auf die Nerven geht, ist die penetrante Forderung, dass jederman Homosexualität mindestens gleichberechtigt, oder am besten noch als besser akzeptieren soll. Die Ehe wurde entworfen, um Ehepaaren mit Kindern einen rechtlichen Rahmen zu geben, Ehepaare ohne Kinder waren eigentlich auch nicht vorgesehen. Für Homosexuelle wurde die eingetragene Partnerschaft geschaffen, kaum ist sie realisiert, geht das Theater von vorne los. Gebt doch einer Erwachsenen Person einfach die völlige Vertragsfreiheit und das Thema ist erledigt.

    • maya sagt:

      Sagen Sie das mal einem Ehepaar, dass keine Kinder bekommen kann.

    • J. Berlinger sagt:

      Was genau ist in einem demokratischen Rechtsstaat an der Forderung nach Gleichheit vor dem Gesetz penetrant? Es ist natürlich Ihnen überlassen, Homos als Minderwertige zu sehen, denen es nicht zusteht, gleiches Recht zu fordern. Für uns wollen Sie und Ihre düsteren Kameraden ja soger ganz gerne spezielle Gesetze erlassen. Nachdem speziell für uns die „eingetragene Partnerschaft“ geschaffen wurde: was hätten Sie noch gerne ganz speziell für uns geschaffen? Spezielle Homelands? Oder sollen wir uns einen „Rosa Winkel“ an den Ärmel heften?

    • Joerg Hanspeter sagt:

      Sehr geehrter Herr Berlinger genau das geht mir auf die Nerven. Nachdem vermutlich heute allen klar ist, dass alle Menschen von Grund auf gleichwertig sind, beharren gewisse Kreise penetrant darauf, dass alle gleich sind. Menschen sind nicht gleich, Frauen und Männer sind nicht gleich (glücklicherweise), Kleine und Grosse sind nicht gleich usw. Auch Homosexuelle und Heterosexuelle sind nicht gleich, aber das ist keine Grund gleich wieder mit der Nazikeule drauf zu hauen. Selbst Homosexuelle sind nicht einfach gleich!

  • Holderegger, Michele sagt:

    Michel Jordi… in der Tat, seine Produkte machen blind.

  • Jürg Wüthrich sagt:

    Also ich, sehr verehrter Herr Doktor Tingler, käme nicht umhin, folgende „Utensilien“ ebenfalls blickdicht zu verpacken:
    – Leggings
    – die sich in den letzten Jahren exponentiionell vermehrenden LV- Taschen
    – alles, was auch nur im entferntesten mit Hello Kitty zu tun hat
    – Eltern „ich-darf-mein-Kind-ÜBERALL-aber-auch-WIRKLICH-ÜBERALL-mit-hinnehmen-auch-an-Szene-Vernissagen-und-ü30-Parties-und-es-daselbst-auch-noch-stillen
    Die Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzten, aber der geschätzte „Tages-wir-bleiben-dran-Anzeiger“ lässt hier nur eine beschränkte Anzahl Zeichen zu

  • tststs sagt:

    Als toleranter Mensch bleibt mir hier wohl nichts anderes übrig, als mir den Sack selber über den Kopf zu streifen, ein Atemloch reinzuscheiden und so diese grausame Realität durch ein Sackerl von meiner sensiblen Wahrnehmung zu trennen…

    Mhmmmm, ausser natürlich…: gibt es diese auch im 110l-Format? Dann plädiere ich für den Bodesty-Bag (Modest Body-Bag)…

    • Katharina I sagt:

      Äh, ich glaube den Bodesty-Bag gibt es schon. Aber wenn ich mehr darüber schreibe, wird der Kommentar vielleicht wegen eventueller Intoleranz gegenüber meinem speziellen Humor nicht veröffentlicht…

    • Lord Henry sagt:

      Die grosse Zarin hat gerade noch die Abzweigung in politisch korrekte Schweigen geschafft…..

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