Sind Sie ein Hypochonder?

bm

Die Grippe-Saison steht vor der Tür, meine Damen und Herren. Das Bundesamt für Gesundheit ruft deshalb insbesondere Risikogruppen dazu auf, sich impfen zu lassen, und bietet einen Online-Test an, anhand dessen interessierte Personen prüfen können, ob eine Grippeimpfung für sie empfehlenswert ist. Das ist gut. Aber erstmal sollten Sie vielleicht unseren kleinen Test machen, anhand dessen Sie eruieren können, ob Sie möglicherweise zu einer anderen, mutmasslich zahlenstarken Risikogruppe gehören, nämlich jener der eingebildeten Kranken. Hier kommt für Sie die Liste der Anzeichen für akute Hypochondrie. Ein paar davon reichen. Mehrmals täglich.

  1. Prophylaxe

    • Sie suchen alle drei Wochen Ihren Körper nach Auffälligkeiten ab, wobei Sie Verrenkungen zustande bringen, mit denen Sie am Zirkus-Festival in Monte Carlo auftreten könnten.
    • Sie sind gegen Paratyphus, Fleckfieber und Pest geimpft.
    • Sie haben Ihren Blutgruppenausweis immer dabei.
    • Sie besitzen ein Puls- und Blutdruckmessgerät sowie eine Waage, die Ihr Stoffwechselalter bestimmen kann.

  2. Medikamentation

    • Ihr Medikamentenschrank würde Judy Garland beeindrucken.
    • Sie haben eine Treuekundenkarte in Ihrer Stammapotheke.
    • Sie lesen die Packungsbeilage jedes Arzneimittels vollständig (in sämtlichen Sprachen) und diagnostizieren nach Einnahme des Präparats immer mindestens eine diffuse Nebenwirkung an sich selbst.
    • Sie haben schon mal einer Apothekenbedienung den Unterschied zwischen Codein und Ephedrin erklärt.

  3. Soziales

    • Sie verkehren mit der Sprechstundenhilfe Ihres Hausarztes auf Vornamenbasis.
    • Wenn im Tram jemand vor oder hinter Ihnen hustet, setzen Sie sich um.
    • Menschen aus Ihrem Bekanntenkreis fragen Sie in medizinischen Belangen um Rat, obschon Sie keinerlei medizinische Ausbildung besitzen.
    • Sie fragen Menschen aus Ihrem Bekanntenkreis in medizinischen Belangen um Rat, obschon diese keinerlei medizinische Ausbildung besitzen.

  4. Freizeitgestaltung

    • Über 25 Prozent Ihrer Internet-Recherchen betreffen Gesundheitsthemen.
    • Sie bereiten Ihre Besuche beim Arzt mit Excel-Tabellen vor.
    • Der Pschyrembel liegt auf Ihrem Nachttisch. (Oder: Sie haben ein Bookmark für Pschyrembel Online.)
    • Sie haben mindestens drei Ärzte als Kurzwahl gespeichert. Bzw. unter Ihren Favoriten.
    • Sie lesen Apothekenzeitschriften.
    • Sie betreiben Nordic Walking.

  5. Sonstiges

    • Bei mehr als einem Drittel Ihrer Arztbesuche hören Sie vom Doktor die Worte: «Das kann alles mögliche sein.»
    • Vor Ihre letzten Asien-Reise haben Sie mit dem Apotheker über die Risikogruppen für Japanische Enzephalitis oder die relative Vorkommenswahrscheinlichkeit von tollwütigen Malaria-Moskitos mit Dengue-Fieber diskutiert und endlich die Nummer von dem Telefon bekommt, das der Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts auf seinem Nachtisch stehen hat.
    • Ihre Krankenversicherungspolice hat Telefonbuchumfang.
    • Sie waren schon mal Gegenstand eines Urologenkongresses.
    • Sie ernähren sich vegan.
    • Sie halten Moritz Leuenberger nicht für wehleidig.

Im Bild oben: Ein Radfahrer in Peking ist für fast alle Gefahren gewappnet.