Die geheimen Wünsche von Herr und Frau Schweizer

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Wenn Sie am Wochenende unterwegs waren, sind Ihnen bestimmt auch die die APG-Plakate aufgefallen. «Das wünscht sich die Schweiz» steht da und dann folgt der Wunschzettel, auf dem Dinge zu lesen sind wie:

• Eine hübschere Freundin
• Einen Kuss von der Nachbarin
• Ballerina-Verbot für Frauen
• Richtige Männer wie früher
• Alle Highheels von Manolo Blahnik
• Dass ich mein Comingout endlich schaffe
• Ich wünsche zu wissen, was ich will
• Glacé-Runde für alle in der Firma
• Geile Zukunft

Ich mag Wunschlisten, auch wenn ich über das Alter eigentlich hinaus bin. Wunschlisten, das ist etwas für Kinder, Träumer und Leichtsinnige, denn sie skizzieren das Feld des Wünschbaren kühn wie ein General auf Eroberungsfeldzug. Und je verwegener sie sich über die Grenzen des Möglichen hinwegsetzt, desto attraktiver. Leider führt einem der Realismus, mit dem das Leben einen über die Jahre impft, in diesen Situationen immer den Russlandfeldzug vor Augen. Und so wird das Wünschbare immer schon mit dem Möglichen abgeglichen und wenn man die beiden gut schüttelt und nochmals durchsiebt, bleibt meist wenig übrig.

Die APG-Wunschliste tönt tatsächlich ein bisschen wie das Transkript einer Session beim Psychoanalytiker, bei der Herr und Frau Schweizer nebeneinander auf der Couch liegen, um ihre Beziehung durchzukauen. Er ist offensichtlich unzufrieden, weil seine Frau Ballerinas trägt statt Highheels und zudem weniger hübsch ist als die Nachbarin, während sie gerne wieder mal einen richtigen Mann hätte, der ihr alle Manolos der Welt kauft, sie dann mit der dicken Brieftasche ausführt, auf dass sie dann zu Hause über sich herfallen und sich gegenseitig eine geile Zukunft besorgen könnten und dauere sie auch nur ein paar Stunden. Ein Plan, der vielleicht daran scheitert, dass sie immer noch ihre flachen Treter von vorvorletztem Jahr trägt, die er fälschlicherweise für Ballerinas hält, was sie nervt, weil sie ohnehin nur darauf wartet, dass er mal auf die Idee kommen würde, ihr Manolos zu schenken. Vielleicht hat er aber auch nach ein paar Ehejahren und ein paar Polterabenden von oder mit Frauen gemerkt, dass er schon immer auch ein bisschen auf Männer stand und dem mal nachgehen sollte. Oder sie auf Frauen. Und dass sie beide einfach nicht aus ihrem Alltagsmuster rauskommen, weil sie ohnehin nicht so richtig wissen, was sie wollen.

Und das ist schade, denn ich denke, Herr und Frau Schweizer könnten nach wie vor viel Spass haben miteinander. Dazu wollen wir mal die Wünsche in den Cocktailshaker werfen, gut durchschütteln und dann einen langen kühlen Schluck der neuen Wunschliste nehmen, die dann vielleicht so lauten würde:

• Einen Kuss der Nachbarin für meine weniger hübsche Freundin, die ihr Comingout noch nicht hatte
• Ein Highheel-Verbot für Minderjährige und die Weltherrschaft für Ballerinas
• Eine Runde richtige Männer für alle in der Firma
• Dass Herr und Frau Schweizer sich weniger beim Psychiater auf die Couch legen, sondern geniessen, was sie haben.
• Und wenn alle mal herausgefunden haben, was sie eigentlich wollen, haben wir vielleicht auch eine geile Zukunft.

Ich meine, das wäre genau das Richtige für diese Hundstage.

 

Bildquelle: APG

14 Kommentare zu «Die geheimen Wünsche von Herr und Frau Schweizer»

  • Hardy sagt:

    Netter Beitrag. Aber wenn die von APG designten und bonbonfarben gestrichenen Aussagen denen entsprechen, die die Teilnehmer an der Aktion wirklich eingegeben haben, dann fress ich einen Besen. Aber „Endlich keine Schulden“, „Eine Therapie für mein Kind“ oder „Ich will eine Lambo“ macht sich nicht so gut. Daher lieber ‚temperiert‘, ’nicht ausfallend‘, ’nicht konfliktfördernd‘ und schon gar nicht ‚SEX‘. Schweizerisch eben. ‚Coming out‘ ist in jedem Fall gefährlich. Und natürlich besser nicht diskutieren und schon gar nicht solche Artikel schreiben – liebe Michèle!

  • Franka sagt:

    😀
    Den Wunsch nach einem Ballerinaverbot hab ich irgendwie nicht verstanden. Vielleicht weil bei den billigen immer die Zehen schon zu sehen sind? Hätte eher an ein Ugg-Boots-Verbot gedacht. Aber schlussendlich: Wems gefällt, solls anziehen.

  • Albert Baer sagt:

    Die ganze Wunsch-Aktion ist ja recht kindisch. Normalerweise fragt man Kinder, was sie sich zum Geburtstag/zu Weihnachten wünschen. Das Leben ist aber kein Wunschkonzert und die wenigsten von uns werden es zum allmächtigen Diktator schaffen, der seine Wünsche egomanisch durchsetzen kann.
    Manche Wünsche kann man sich erkaufen, viele Wünsche brauchen aber eine Du. Man muss also in Interaktion/Kommunikation treten und da andere Ichs andere Wünsche haben sind Konflikte unvermeidlich.
    Alles in allem also eine kindische Aktion für Erwachsene. Kindisches Zeitalter…

    • adrian hauser sagt:

      ja, ja herr baer, unbedingt nur altersbedingtes verhalten, gäll. sie haben den text nicht so richtig verstanden, also probieren sie es nochmal und geben sie sich einen „schupf“. ich wünsche ihnen viel glück.

      lg aha!

  • Raphael Zemp sagt:

    Zum Glück sind auf den Plakattafeln restols alle Wünsche aller Schweizer abgedruckt. Zum Glück ist das keine Auswahl von Wünschen. Gerne kann und soll man daher Rückschlüsse ziehen und versuchen einen langweiligen, unauffälligen Durchschnittsschweizer zu konstruieren. Schliesslich ist ja alles so einfach. Klar, warum den Ball nicht aufnehmen, wenn die Werbeagentur schon titelt: Was wünscht sich die Schweiz?

  • Daniel sagt:

    Aber… Wünsche hin oder her… weshalb muss das Plakat so grausam gestaltet sein? Ich verstehe nicht dass man im Land der Schweizer Typografie derart grusige Plakate raushauen muss… und dann noch in solchen Massen.

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