Grünes Paradies im Tessin

Das Haus der Schmuckdesignerin Chiara Costacurta thront wie eine kleine grüne Insel auf einem Fels über Lugano.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Chiara Costacurta liess ein Haus aus den Sechzigerjahren in ein grosszügiges Zuhause umbauen. Es heisst Villa Roccia und wurde direkt in den Fels gebaut. Ohne die strengen Formen, die klaren Linien und die radikale Moderne des Hauses zu brechen, strahlt es wohnlich und wunderbar grün aus dem Felsen heraus. Wie ein zauberhaftes, in üppige Pflanzen gehülltes kleines Paradies. Die Farbe Grün bestimmt auch das Innenleben der spannenden Villa und vermittelt ihr Ruhe, Harmonie und Eleganz. Die Schmuckdesignerin wohnt hier mit ihrem Mann François Droulers und ihren vier Kindern, Delphine (auf dem Bild), Carola, Leonardo und Stefano. 

Gebaut wurde die Villa Roccia vom Architekten Mario Campi in den späten 1960ern. Es diente als Atelier und Zuhause des Künstlers Felice Filippini. So ist es bestimmt von einem grossen, offenen, über fünf Meter hohen Raum mit Fensterfassade, der nun das Wohnzimmer ist.  

Dieses öffnet sich auf einen kleinen Teich, in dem gerade Frösche quaken. Ein kleines Bächlein rauscht als Wasserfall in den Teich. Der Platz am steilen Felshang wurde geschickt ausgenützt und bietet viel Privatsphäre. Die Terrasse davor ist mit einer eleganten Outdoorsitzgruppe von Kittal möbliert.

Schwere, ungefütterte Vorhänge aus naturfarbenem Leinen hängen über die ganze Fensterfront bis auf den Boden. Sie bringen nicht nur Wärme in den Raum und bieten Privatsphäre, sie verleihen auch viel Eleganz. Überhaupt spielen die Materialien und Texturen eine zentrale Rolle bei der Einrichtung. Sie sind alle unterschiedlich, edel und korrespondieren miteinander. Der Gussboden zeigt die gleiche Farbigkeit wie der Terrassenboden und wirkt lebendig und warm. «So braucht es hier keinen Teppich, denn die verschiedenen edlen Strukturen sorgen für genügend Sinnlichkeit», erklärt Chiara.

Für die Inneneinrichtung zeichnen die Schwestern ihres Mannes, Virginie und Nathalie Droulers von Droulers Architect. Die Farbe Grün aber hat Chiara ausgewählt. «Ich wähle immer Grün, die Farbe des Dschungels und der Natur ist meine Lieblingsfarbe. Nicht nur zum Wohnen, auch für Kleider.» lacht Chiara. «Auch finde ich es wichtig, etwas Anderes zu versuchen. Viele Menschen denken, es ist einfach, zum Beispiel alles in Weiss einzurichten, und merken dann am Schluss, dass es doch nicht ganz geklappt hat. Es fehlt dann vielleicht an der Eleganz, der Wohnlichkeit oder der Persönlichkeit. Also Mut lohnt sich meiner Meinung nach immer.»

Vieles wurde bei der Renovation wieder hervorgeholt und in den Originalzustand zurückversetzt. So zum Beispiel die raue modulare Betondecke, die an Brutalismus denken lässt. Sie ist überall, auch in den Schlafzimmern. Der Architekt liess sich beim Bau des Hauses von Corbusier inspirieren. Die Wände sind dafür mit grün gestrichenen Holzpaneelen versehen und bringen auf wunderbare Art das Grün der umliegenden Natur ins Haus. Sehr schön sind hier auch die verschiedenen Ebenen des Hauses erkennbar. Nach unten versetzt befinden sich Esszimmer, Küche und die Treppen ins Unter- und Obergeschoss. Oberhalb des Esszimmers ist ein Atriumgarten, hinter dem sich die privaten Räume der Eltern befinden. Im Vordergrund stehen zwei Tagesliegen. Sie sind, wie die meisten Möbel von Droulers Architects, als Einzelstücke entworfen worden. 

Einige der Möbel wurden gar fest eingebaut. Der Tisch und das grosse Ecksofa sind Bestandteil der Architektur. Andere Möbel, Wohnaccessoires und Kunst haben Chiara und François auf Märkten gefunden. Sie besuchen gerne Flohmärkte in Italien und in Frankreich. Dazugestellt der Seconda-Stuhl vom Tessiner Architekten Mario Botta. 

Das Paar hat sich für eine Einrichtung entschieden, die zum Haus passt, aber zeitgemäss ist. Sie wollten kein Retrohaus im Stil der Sechziger, bloss weil das Haus aus dieser Zeit ist. So richteten sie sich eher minimalistisch ein, mit einzelnen formschönen Stücken, edlen Materialien und einem gewissen italienischen Chic. Auch Kunst ist ein wichtiger Teil davon. Hier steht eine hohe, totemartige Plastik aus Papier. Sie ist von einem japanischen Künstler. Chiara hat die Plastik in einem Geschäft in Mailand entdeckt. 

Delphine geniesst das Fotoshooting mit Mama und wird gerade noch ein bisschen zurechtgemacht für das Porträtbild.

Die Rückenlehnen der eingebauten Sitzgruppe zeigt sich auf der Esszimmerseite als Regal. Vor dem Esszimmer befindet sich ein Balkon mit einem Geländer aus Glas. Überall sind kleine Echos von draussen zu erkennen. So steht hier ein grosser eleganter Esszimmertisch aus Glas von Glas Italia. Rundum stehen Stühle von Jean Prouvé. Die filigranen Hängeleuchten unterstützen die leichte Wirkung der Möbel. 

Überall sind liebevolle und hübsche Details. So stehen auf der Ablage bei der Sitzgruppe einige antike Stücke, Wohnmagazine, eine Kerze und ein schicke Messingleuchte. 

Der Durchgang führt zur Gästetoilette, zu einer Treppe ins Obergeschoss und rundherum über die Küche zurück ins Esszimmer.

Das Haus ist in den Hang und in den Fels hineingebaut. Der Durchgang ist mit einer Glasfront gegen den Fels versehen. Auf einem Balkon kann man den grossen Fels besuchen, bewundern und anfassen. Er hat der Villa Roccia auch den Namen gegeben. 

In der Küche bereitet Chiara gerade ein feines Mittagessen für uns alle zu. Zwei von den älteren Kindern sind zurück aus der Schule in England. Die Tochter Carola hat zudem ihre Freundin auf Besuch, und die beiden Mädchen brauchen dringend, wie sie uns versichern, wieder etwas Gesundes und Frisches zum Essen. «Das Schulessen in England ist nicht vergleichbar mit Mamas Küche», meint Carola, «zu viel Beans und Toast!» Chiara hat einen feinen Salat aus schwarzem Riso Venero mit Oliven und kleinen Käsestückchen zubereitet und die Mädchen einen grünen Salat mit Thon. Dazu gab es halbhart gekochte Eier, viel Gemüse und frische Limonade. 

Das Haus wurde zuvor nur von Einzelpersonen bewohnt. Nach dem Künstler Felice Filippini wohnte ein Pianist hier. Nun ist es das Zuhause für eine Familie mit vier Kindern. Damit alle Platz haben, wurde das Haus beim Umbau erweitert. In der unteren Etage fliesst das Wasser unter dem Boden durch. Chiara Costacurta kommt aus Venedig. Das reizende Wasserspiel erinnert ein wenig an die Heimat.

Im Erdgeschoss hat Chiara ein Atelier eingerichtet, in dem sie filigranen sehr persönlichen Schmuck kreiert. Sie macht auch neue Stücke aus alten Erbstücken von Kundinnen und Freundinnen und andere Einzelanfertigungen. «Für mich ist das eine gute Art, Kinder, Familienleben und Arbeiten zusammenzubringen», erklärt uns Chiara. Ich habe Wirtschaft studiert, wollte aber immer etwas Kreatives machen. Ich arbeite gerne mit den Händen. Und ich liebe Schmuck.» So hat Chiara ihre Passion zum Beruf gemacht. Sie hat bei GIA in London ein Diplom gemacht in Steinkunde. Dabei hat sie viele Leute kennen gelernt und auch mit einigen zusammengearbeitet. Ihren Schmuck verkauft sie in Geschäften oder privat.

Auf demselben Geschoss wie das Atelier sind auch die Zimmer der Kinder. Carola geniesst in ihrem Reich die schulfreien Tage und freut sich auf die Sommerferien mit der Familie. 

Delphine will uns unbedingt alle ihre Schätze zeigen – natürlich auch ihre neusten Kunststücke. 

Im obersten Geschoss befindet sich das Hauptschlafzimmer. Ein Himmelbett aus der Empire-Zeit steht im Zentrum. Davor zwei Sessel aus den 40er-Jahren. Beides sind Familienerbstücke. Die Wände sind mit dunkel lasiertem Holz verkleidet, und der Boden ist, wie auch alle anderen Schlafzimmer, mit einem grauen Teppich ausgelegt.

Italienische Kunstwerke aus dem 16. Jahrhundert, Familienfotos, Bücher und Blumen in Vasen aus Muranoglas sind auch wichtige Bestandteile des Schlafzimmers. 

Vor dem Schlafzimmer befindet sich ein kleines, abgeschlossenes, privates grünes Paradies. Da blühen bei unserem sommerlichen Besuch gerade Blumen und Sträucher. 

Zum Schlafzimmer gehört auch eine grosse Ankleide, die aus einem Gang mit zwei Schrankreihen besteht. An jedem Ende befindet sich ein Spiegel. Vor dem einen steht ein antikes Paar Reiterstiefel, die François‘ Urgrossvater gehörten, vor dem anderen stehen Tasche und Koffer von Chiara.

«Für mich bedeutet Schmuck immer ein Stück vom Leben.» So sind denn Chiaras Schmuckstücke, die selbst gemachten und die geerbten, auch im Bad zu entdecken. 

Das grosse Bad bekommt sein Licht von einem glasbedachten Atriumgarten, der auch das Dach des Esszimmers ist. Man sieht vom Bad aus ins Wohnzimmer auf das grosse Hauptfenster. 

Zurück im unteren Geschoss führen Gänge, die von einem kleinen Sitzplatz und von Kunst unterbrochen werden.

Sie führen in einen offenen Raum, der als Bibliothek genutzt wird. Bücher und Skulpturen befinden sich auf Tischen, möbliert ist der Raum mit bequemen antiken Lederstühlen. 

Die eine Wand der Bibliothek zeigt Beton, die andere Wand dunkel lasierte Holzpaneele. 

In anderen Räumen auf dieser Etage wurde das Grün und die Reflexion der Natur mit Elementen wie Tapeten und Stoffen aufgenommen. Sehr schön ist die Idee mit dem zweifarbigen Vorhang, der die Linie der Sofas unterstützt. 

Durch die Erweiterung des Hauses ist neben den Kinderzimmern eine Sauna und ein Swimmingpool entstanden. Auch der Pool ist mit einem kleinen grünen Vorgarten versehen, der sich an heissen Sommertagen öffnen lässt. Auf dem Dach des Pools kann man sonnenbaden.

Chiara Costacurta:

Schmuck von Chiara Costacurta verkauft AIMO ROOM in Lugano
Webseite: Chiara Costacurta
Instagram: @chiaracostacurtajewelry
Innenarchitektur: Droulers Architecture

9 Kommentare zu «Grünes Paradies im Tessin»

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