Milano in voller Blüte

Kommen Sie mit Sweet Home auf einen Spaziergang durch die diesjährige Mailänder Möbelmesse.

Der Salone del Mobile, der letzte Woche in Mailand stattfand, ist die grösste und bedeutendste Möbelmesse der Welt. Hier werden Trends kreiert und die Sinne geweckt. Jedes Jahr strömen noch mehr Menschen aus allen Ecken des Planeten durch die Messe, die engen Gassen der Quartiere, die Palazzi und Showräume. Für mich ist diese Messewoche jeweils der Auftakt zum Frühling. Und ebendieser wurde bei vielen Ausstellern auch in seiner ganzen Pracht gefeiert. Denn es blüht fast überall in prächtig üppiger und überraschender Weise.

Da ich mitten im Herz von Brera bei meinen besten Freunden wohne, beginnt bei mir die Möbelmesse natürlich im Quartier. Ich spaziere durch die belebten Gassen und Strassen Breras und besuche das Dimore Studio an der Via Solferino. Dort haben Emiliano Salci und Britt Moran ihr Hauptquartier in einer grossen eleganten Wohnung. Jedes Jahr verwandeln Sie diese aufs Neue in ein Gesamtkunstwerk. Diesmal haben die beiden Designer und Einrichter sie total in Weiss gekleidet. Am Eingang mit einem Relief – der Rest der Wohnung mit Tüchern und zuweilen Isoliermaterial. Für einmal spielen nicht die ausserordentlich schicken Räume die Hauptrolle, sondern die einzelnen Gegenstände und Objekte. Beim Eintritt waren dies der Blumenteppich und eine übergrosse Vitrine mit Flowerpower.

Nach den Gassen und edlen Wohnungen schaue ich jeweils immer, welche Firmen in einem Palazzo ausstellen. Die Mailänder Designwoche ist nämlich die beste Gelegenheit, um wunderschöne Stadtpaläste zu besuchen. Eine meiner Lieblingsfirmen, nämlich Gubi, stellte im Palazzo Serbelloni aus. Die dänische Firma ist eine der wenigen Skandinavier, die meiner Meinung nach gut nach Italien passen. Die Möbel, viele davon Reeditionen von berühmten Midcentury Designern, haben viel Eleganz und Sinnlichkeit. Zwei wunderschöne Beispiele sind auf dem rechten Bild zu erkennen: der Couchtisch von Jacques Adnet aus den 50er-Jahren, welcher Art déco perfekt mit Funktionalität verbindet, sowie der weiche und teddyartige Pacha Chair von Pierre Paulin aus dem Jahr 1975.

Wie Kunst inszenierte Gubi üppige Blumenpracht in den Sälen des Palazzo Serbeloni.

Eleganz auf eine ganz andere Art, nämlich eine kokette, französische, unkomplizierte, zeigte Socialite Family. The Socialite Family ist einer meiner Lieblingsblogs, auf den ich regelmässig hinweise. Constance Gennari, die den auf Homestorys basierenden Blog 2013 gründete, hat mittlerweile ein kleines Imperium aufgebaut. Dazu gehören ein kürzlich veröffentlichtes Buch und eine Kollektion. Diese stellte sie in einer eleganten Wohnung in Brera aus, welche sie gleich gestrichen und tapeziert hat. All die hübschen Möbel und Wohnaccessoires laden dazu ein, sich wieder mal ein wenig neu einzurichten. 

Der Messebesuch im Rho-Fiera-Messegelände beginnt immer mit Kartell. Die italienische Firma, die Möbel und Accessoires aus Kunststoff produziert, hat viele weltberühmte Klassiker kreiert. Diese zeigen sich neu in einer Special Edition, je nach Saison und Trend. Der Messestand gleicht aber jeweils einem Besuch im Designmuseum – genial inszeniert und ein grandioses Erlebnis. Zu den Highlights gehört der Bio-Chair von Antonio Citterio, der aus einem neuen, revolutionären organischen Material produziert wird. Poppige Seventies-Blumenmuster sind auch dabei und verleiten dazu, den poppig-romantischen Stil dieser Epoche wieder einmal genauer anzuschauen und sich dabei zu frischen Einrichtungsideen inspirieren zu lassen. 

Eine grosse Überraschung gab es bei der Schweizer Firma USM zu sehen. Den Stand hat nämlich neu das Un Studio kreiert. USM hat mit der gelungenen und kreativen Inszenierung gleich zwei der begehrten Frame Awards gewonnen, welche für die besten Messestände verliehen werden. USM setzt sich mit dem Thema «Homework» auseinander und fragt sich damit auch, ob es das Büro, so wie wir es kennen, in der Zukunft noch geben wird. Beim Stand bezauberten ein Endloskonstrukt von modularen Rohrsystemen und überraschende Räume, die zum Teil kopfstanden, Sinnlichkeit vermittelten und zum Umdenken anregen.   

Zu den bedeutendsten Designfirmen gehört auch die Schweizer Firma Vitra. Neben dem inspirierenden Stand auf der Messe hat sich Vitra auch in der begehrten Pelote Halle in Brera eingemietet, in der sich in den letzten Jahren Firmen wie Established and Sons, Hermes oder Hay für den Anlass einmieteten. Auf einem überdimensionalen gelben Tablett zeigten sich alte und neue Klassiker, Prototypen und Special-Edition-Stücke – kurzum alles, was die Vitra-Welt ausmacht. Die Möbel wurden bestimmten Typen zugeordnet und erzählten so interessante Geschichten aus dem modernen Leben. 

Zwischen dem Pendeln von Messegelände und Stadt sind mir auch zwei besonders schöne poetische neue Leuchten aufgefallen. Links ist eine zauberhafte Hängeleuchte von Fontana Arte zu sehen und rechts die leuchtenden Tiere, welche in einer Zusammenarbeit von Iittala und Magis entstanden sind. Sie sind übrigens nicht aus Glas, sondern aus einem neuartigen, glasig wirkenden Kunststoff. 

Schweizer Design, das mir sehr gut gefällt, habe ich bei Offecct entdeckt. Der kokette, praktische, poppige Tisch Lab ist nämlich von Alfredo Häberli und lässt sich perfekt zu Sitzmöbeln stellen. Und es gibt einen in Fliederlila!

Die Farbe von Flieder oder Glyzinien, welche die ganze Stadt duften liessen, tauchte überall auf. Auf schönste poetische Art in der Galerie Nilufar, die mitten in der renommierten Modestrasse Via della Spiga steht: Stühle mit ornamentalem Relief sind mit lila Samt bezogen. Zudem zeigen sich edelste Teppiche auch an den Wänden, ein Trend, der übrigens öfters auftauchte: Möbel und Accessoires sind eigentlich Kunstobjekte. 

Wenn wir schon bei den Trends angelangt sind: Neben der Farbe Flieder setzt sich auch die Seventies-Farbe Violett durch. Kleine weiche, runde Sessel sind überall zu sehen, und viele Firmen beschäftigen sich mit neuen Lösungen, um Wohnen und Arbeit näherrücken zu lassen. Links ist von Arper ein Bürosystem zu sehen, das abgrenzt und wohnlich wirkt, und eben einer dieser kleinen süssen Sessel. Rechts leuchtet die Farbe Violett betörend aus dem Stand von Moroso und bietet hier einen Hintergrund für einen der Sessel. 

Alles ist rund: Möbelformen, Tische, Leuchten und Spiegel. Hier einige wunderbare Beispiele von Fritz Hansen.

Zu einem meiner italienischen Lieblinge gehört Tacchini. Auf feinste elegante Art zeigt die Firma immer wieder neues, topmodisches Design, das aber die Zeitlosigkeit in sich aufgenommen hat. Mit den schicken Sofas, Sesseln, Beistelltischen und Wohnaccessoires lässt es sich gut im Alltag leben. Sie zeigen, was allerbestes italienisches Design ausmacht, und vermitteln einen Hauch von Art déco – man denkt an die Künstler Morandi oder De Chirico.

Zum Schluss noch zwei besonders attraktive praktische Stücke der italienischen Firma Zanotta, die Lust auf unkompliziertes Wohnen machen. Der Stuhl mit dem Loch lässt sich in bester Amish-Manier an die Wand hängen. Und auf den formschönen Ständern hat auch in einer kleinen Stadtwohnung ein ganzer Kräutergarten Platz.

Fotos und Film: Styles and Stories

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