Zukunftsvisionen

Wie leben und wie wohnen wir, und was empfinden wir als schön? Die Kommunikationsexpertin Virginie Le Moigne aus Lausanne verrät Sweet Home einige ihrer Zukunftsvisionen.

Virginie Le Moigne ist Gründerin und Leiterin von My Playground, einer Kommunikationsagentur für Design,  Mode, Kunst und Gastronomie. Mit Büros und Showrooms in Lausanne und Zürich verbindet sie auch die zwei  wichtigen Schweizer Sprachregionen. Bei ihrer Arbeit hat Virginie natürlich die Nase ganz weit vorne. Ihr neuestes Projekt ist die Trendshow Flair, die sie zusammen mit Espaces Contemporains im Rahmen der morgen beginnenden Lausanner Design Days ausstellt. Sweet Home verrät sie schon mal einige ihrer Zukunftsvisionen. 

Virginie Le Moigne, wieso braucht es Trends?

Trends sind einfach da. Ich empfinde sie wie einen natürlichen Schwung, eine Art von Energie. Oft beginnen sie sich schwach abzuzeichnen, und manchmal entwickelt sich daraus gar ein kleiner Sturm.

Welche Werte werden in Zukunft Bedeutung haben?

Wie als Widerstand oder Reaktion auf das unhaltbar Wechselnde und die ständigen Verlockungen möchten wir uns im Fluss der Zeit treiben lassen und darin unseren Rhythmus finden. Nach dem Slow Food werden auch Slow Fashion, Slow Design und Slow Life bedeutend. 

 

Sehen Sie die Zukunft rosa? 

Wir haben tatsächlich ein Rosé als wichtige Trendfarbe herauskristallisiert und nennen es das «Millennial Pink». Dieses warme, neutrale Rosé verkörpert den Esprit der Generation, die zwischen 1981 und 2001 geboren wurde. Es handelt sich hier definitiv nicht um ein Barbie-Rosa, sondern einen vielschichtigen Farbton. Dieser trägt ein flashy Gelb, glamouröses Gold, Electric Blue und lebendiges Rot in sich. Das Millennial Pink zeigt sich sowohl im Design- und Dekobereich wie auch im Packaging, in der Grafik und in der Mode. Hier leuchtet es chic und poppig im Holy Matcha in San Diego. 

Bedeutet das, dass alles weiblicher wird?

Genauso wie sich Rosa vom Genderzwang verabschiedet hat, definiert sich auch die Weiblichkeit neu. Vor allem in der Mode ist die «Neo-Weiblichkeit» ein wichtiger Begriff. Körperhaare, die Menstruation, kein Make-up-Tragen sind keine Tabus, sondern gehören zur Schönheit. In der Weiblichkeit der Zukunft verbinden sich die drei wichtigen Eigenschaften: Sinnlichkeit, Natürlichkeit und Sportlichkeit. Ein gutes Beispiel dafür sind die Fotos des englischen Fotografen Ben Hopper.

Auf welche Technik setzt man im Designbereich?

Nach dem 3-D-Druck kommt das «Rapid Liquid Printing». Mithilfe einer Art Spritze und eines Gels geht der Druckprozess massiv schneller. Erfunden hat die Technik der Schweizer Designer Christophe Guberan. Wie das geht, ist wunderschön anzuschauen auf Youtube: Rapid Liquid Printing

Welcher Foodtrend wird sich durchsetzen?

Nach den Schwärmereien für Super Food und dem Gesundheitswahn werden wir uns in der Kunst des Kombinierens üben. Wir mischen zum Beispiel Spinat mit Avocado für bessere Sehkraft oder Tomaten mit Olivenöl für schönere Haut. (Bild über: Taste Spotting)

Wohin geht die Traumreise der Zukunft?

Wir setzen da auf einen ganz überraschenden Ort in England. Er heisst Margate und liegt etwa anderthalb Zugstunden von London entfernt an der Küste. Hier ist das Paradies der Londoner Hipster. Muschelgrotten, Folk-Konzerte und nicht zuletzt das Dreamland, der älteste Vergnügungspark Englands, der erst kürzlich renoviert wurde, sorgen für ein Stück Retroromantik im Sixties-Stil. 

Credits: 

Die Design Days finden vom 3. bis zum 11. März in Lausanne Beaulieu statt.
Die Ausstellung Flair finden Sie in in der Halle 16.
Fotocredits: Taste SpottingDreamland,  Ben Hopper, Holy Matcha 

 

10 Kommentare zu «Zukunftsvisionen»

  • Feldman irene sagt:

    Trends sind sinneserweiterungen, aber kein Muss.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Zitat aus dem Text: „..für bessere Seekraft“. Muss ich nach dem Essen in Zukunft in See stechen? Ist das der neue Trend?

  • Rosmarie A. sagt:

    Vielen Dank für den Artikel über Virginie Le Moigne und ihre Firma My Playground. Sie haben bei mir damit viele gute Erinnerungen an meine ehemalige, sympatische und angenehme (Wohn-) Nachbarin Virginie geweckt.

  • Shanelll sagt:

    Boah, der Trend Tomaten mit Olivenöl zu mischen ist wahninnig innovativ! :D

    Ansonsten finde ich den Beitrag sehr gelungen und das Millenial Pink, gefällt mir wahnsinnig! Kein Wunder bin ich doch selber eine Millenial. Das Rapid Liquid Printing sieht sehr spannend aus (im verlinkten Youtube-Video)

  • filosof sagt:

    Spinat und Avocado für bessere Seekraft? Und spitzes Messer dazu, damit man tüchtig in See stechen kann? ;-)

  • romeo sagt:

    „Avocado für bessere Seekraft..“ – Wenn ich also eine Avocado, welche unter horrenden Umwelt- und Arbeitsbedingungen produziert und über tausende Kilometer herangekarrt wurde, esse, dann verbessert sich meine Wasserverdrängung.. oder kann ich dann besser schwimmen?

  • EtoileFilante sagt:

    Spinat und Avocados für eine bessere Seekraft sind erstaunlich, der Rest des Beitrages ist interessant, wie die allermeisten ihrer Beiträge, liebe Frau Kohler!
    Grüsse vom Meer oder von der See, wenn sie so wollen!

  • Vanessa von Sukhi sagt:

    Wäre es nicht mal ein schöner Trend keinen Trends zu folgen? Sich von allem was gerade so angesagt sein soll abzuwenden und sich nur dem zu widmen, das einen wirklich interessiert? Oder wäre das dann auch wieder ein Trend – ein Antitrend quasi? ;)

    • marie sagt:

      nun, trends unterliegen dem ökonomischen prinzip des konsums. stil hingegen dauert unter umständen ein leben lang und der konsum hält sich dementsprechend in schranken.
      aber letztendlich ist es eine frage der entscheidung: stil vs. trend. soll jeder seine freude haben, egal wie sie/er sich entschiedet.
      schönes wochenende
      :)

    • Barbara Grohé sagt:

      Das haben Sie schön ausgedrückt. Ich bin froh, jetzt in einem Alter zu sein, in dem mich Trends absolut so garnicht mehr interessieren. Ausserdem braucht man bloss eine Weile zu warten, und schon wiederholen sich Trends.

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