So arbeitet man bei Ikea

Hoffentlich inspirieren diese einfachen und tollen Büros der Ikea-Kreativabteilung die Schweizer Arbeitgeber zu mehr Stil in ihren Büros.

Da ich selbstständig bin, arbeite ich nicht jeden Tag in Büros, sondern habe ein gemütliches Homeoffice. Mein Pult ist so gestellt, dass ich auf die Strasse hinaus sehe; und Miss C. sitzt vor mir am Fenster. Aber ich bin oft an Sitzungen und Besprechungen. Wenige der Büros oder Sitzungszimmer der Firmen, für die ich arbeite oder gearbeitet habe, sind oder waren irgendwie hübsch. Das Wort «irgendwie» beschreibt sie am besten. Dabei werden bei meinen Meetings durchaus kreative Projekte besprochen. Einkäufer stellen etwa neue Produkte vor, die in einen Katalog platziert werden müssen. Visuelle Projekte werden geplant oder Konzepte entworfen. Ich kenne auch Sitzungszimmer, die haben gar aufdringliche Raumduftkonzepte. Ein wenig schöner sind die Büros in Werbeagenturen, aber auch nicht wirklich betörend. Dabei wäre es doch einfach und gar nicht teuer, mehr Wert auf ein attraktives, inspirierendes Umfeld zu legen. Die Büros der Ikea-Kreativabteilung in Malmö sind gute Beispiele dafür. 

Dieses Sitzungszimmer wurde mit Farbe belebt: Salbeigrüne Tische, rote Stuhlfüsse und rotes Regal sowie ein lila Plüschteppich. Letzterer ist ja ein Symbol für die Teppichetage. Diese existiert durchaus immer noch. Denn wenn man sich hocharbeitet, kommt man in den konservativen, hierarchisch strukturierten Firmen tatsächlich höher hinauf – in der Position, der Etage und einem Büro, das ein wenig edler ausgestattet ist. 

Modernität geht aber anders. Moderne, zeitgemässe Firmen haben flache Hierarchien, neue Organisationen und unkonventionelle Arbeitssituationen. So erzählte mir kürzlich eine junge Kollegin, dass sie in einer Firma gearbeitet hat, in der sie keinen festen Büroplatz hatte. Und jeder an Sitzungen von anderen teilnehmen durfte, um seine Ideen oder seinen Input beizutragen oder sich einfach nur zu informieren. Dass dabei natürlich das Umfeld auch dementsprechend anders eingerichtet werden muss, ist klar. Wer solche flexiblen Sitzsituationen und auffordernde Zeichnungstische vor sich hat, bekommt mehr Möglichkeiten, sich auszutauschen, Ideen zu skizzieren und Neues entstehen zu lassen. Die Gefahr, dass man unter einem grossen Sitzungstisch am Handy rumspielt, während jemand eine nicht wirklich attraktive Powerpoint-Präsentation vorträgt, ist jedenfalls bestimmt eingedämmt. 

Ich bin davon überzeugt, dass Schönheit sehr viel zum Glück beiträgt. Das haben sich Nanna Lagerman und Nina Warnolf, die Designer des Ikea Creative-Hubs in Malmö, auch zu Herzen genommen. In einem Haus von 1908, in dem ursprünglich eine Bank, Büros und Wohnungen waren, haben sie ein Stockwerk in einen Creative-Hub, ein sogenanntes Kreativzentrum, verwandelt. Dafür haben sie Büros, beziehungsweise Arbeitsplätze kreiert, die wohnlich sind, ein Willkommensgefühl ausstrahlen und in denen sich die Mitarbeiter wohlfühlen und austauschen können. 

Eingerichtet wurde ausschliesslich mit Ikea-Mobiliar. Die Designer mischten Aktuelles mit Vintage, wobei durch ihr Spiel mit den Farben zusätzliche Akzente gesetzt wurden.

Viele der Arbeitsplätze strahlen ein gemütliches, wohnliches Cocooning-Feeling aus. Sehr schön wurde hier ein dunkles Grau mit einem goldenen Teppich kombiniert.

Trotz Wohnlichkeit sind es ganz klar Arbeitsorte, an denen man gemeinsam Projekte entwickeln kann.

Wenn das Umfeld schon mal Schönheit und Bequemlichkeit vermittelt, dann wird es bestimmt auch mit mehr Liebe benutzt. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass sich in solchen Arbeitsräumen Petflaschen, tote Zimmerpflanzen, vergilbte Teetassen mit aufgedruckten Chefsprüchen oder «lustige» Figürchen und Abziehbildchen breitmachen. 

Jeder Raum ist ganz unterschiedlich eingerichtet. Dieser hier etwa hat Sperrholzplatten an den Wänden und Sofas mit Wolkencharakter. 

Diese einfach umzusetzenden Einrichtungsideen für Arbeitsplätze öffnen hoffentlich die Vorstellungskraft des einen oder anderen Arbeitgebers.

Endecken Sie auch die Büros von Tages-AnzeigerFacebook oder Airbnb, verschiedene Büros in der Geschichte Nine to Five und ein ganz unkonventionelles Büro zum Einziehen

Was stört Sie, liebe Sweet-Home-Leserinnen und -Leser, am meisten an Ihrem Arbeitsplatz?
Arbeiten Sie in einer Firma, die interessant eingerichtete Arbeitsplätze hat?
Finden Sie es wichtig, dass das Umfeld, in dem Sie jeden Tag arbeiten, hübsch ist, oder spielt das für Sie keine Rolle?
Ich freue mich auf Ihre Meinung.

 

Credits: 

Entdeckt über: Office Snapshots
Designer: Nanna Lagerman und Nina Warnolf
Fotos: Marcus Lawett

10 Kommentare zu «So arbeitet man bei Ikea»

  • D. Simic sagt:

    Ich finde die sogenannten Ikea-Arbeitsplätze sehr gemütlich eingerichtet. Man verbringt täglich 9 Stunden bei der Arbeit, also warum nicht die Gemütlichkeit miteinbeziehen? Hier wird Leben in den Arbeitsalltag gebracht. Mal was Neues. Super

  • Huwyler Bruno sagt:

    Es wird hier suggeriert das die Gemütlichkeit von den IKEA-Möbeln kommt.
    Die sind aber weit von gemütlich entfernt und eher günstiger mainstream-chic !
    In Wirklichkeit sind es die Räume die mit aufwendigen Details aus fernen Tagen, wie Schiebetüren mit kleinen Glasfüllungen , Stukk an den Decken und alten Parkettböden die Stimmung machen. Alte Wohnung sind rar und da ein Büro so einzurichten ist noch schwieriger und teuer ? Die Büroräume von heute sind meisten sehr kahl und zweckorientiert und deshalb ungemütlich !
    Die Kreativ-Abteilung ist auch eher nicht in einer Ikea-Filiale zu Hause !

    • Pedro Riengger sagt:

      Richtig. Framing überall. Der schrecklichste Sessel macht in einer Jugenstilwohnung in Paris was her, einfach weil der Rahmen stimmt. Immer wieder interessant zu sehen, dass viele Architekten und Designer in solchen Häusern und Wohnungen leben – mit dem, was sie selbst propagieren, privat offenbar wenig anfangen können.

  • Peter Berger sagt:

    Cocooning-Feeling: Arbeitsplatzsicht auf dunkelgeraue Wand geht garnicht wenn nicht seitlich ein Fenster ist. Gewerkschaften würden eingreifen.

  • Michael sagt:

    Leider geht der Trend in den Büros immer mehr zur Auflösung des eigenen, individuell gestaltbaren Arbeitsplatz. So bekommt man mittlerweilen nur noch einen Rollcontainermit seinem Equipment zur Verfügung und kann sich dann – wenn man morgens rechtzeitig kommt – noch einen Platz aussuchen. Je später man kommt, desto unangenehmer wird die Arbeitssituation.
    Glücklicherweise habe ich einen eigenen Arbeitsplatz und ich finde es wichtig, ihn nach meinen Wünschen ausgestalten zu können. Schliesslich verbringe ich hier gut die Hälfte meines (wachen) Tages.

  • Beasty sagt:

    Ist schon schön, aber a) ist das Haus von sich aus schon toll und damit einfacher einzurichten (hätte lieber Fotos von einer 60/70er-Bürobausünde aus Zürich gesehen) und b) sind das sterile Präsentationsfotos (hätte es lieber mit arbeitenden Menschen INKL. Petflaschen, Papierstapel und Lunchboxen gesehen).

    • k. miller sagt:

      Sehe ich auch so. Toll designt, aber weit weg vom Arbeitsalltag. Es sind auch keine PC/Laptops zu sehen, keine Telefone, Ablagen, Ordner usw. Und während ich das schreibe, steht rechts von mir eine leere Teetasse auf dem Schreibtisch. Hinter mir ein Karton einer Lieferung, der während der aktuellen Projektphase noch stehen bleibt und über dem Stuhl hängt meine Jacke. Und ähnlich sieht es an den anderen drei Arbeitsplätzen im Büro aus. Inklusive Pet-Flasche. Das ist die Realität.

    • jane marple sagt:

      das dachte ich mir auch. das ganze ist so gekünstelt, dass man als mitarbeiter wohl noch eine abmahnung bekommt, wenn man die falsche pullifarbe trägt oder eine persönliche kaffeetasse irgendwohin stellt, oder … wie ich es immer mache: meine stiefel gegen birkenstocklatschen und wollsocken tauschen, die ihren platz unter meinem pult haben… da lob ich mir mein konservatives büro mit unstylischen pflanzen, klassischen bürostühlen, deren polsterfarbe nicht zu den türrahmen passt. dort darf ich noch MENSCH sein – ob man das bei IKEA noch darf, stelle ich frage.

  • E. Bakan sagt:

    Herzlichen Dank an Marianne Kohler für diesen schönen Beitrag.
    Ich darf bald meine Eigentumswohnung beziehen und zerbreche mir seit Monaten den Kopf ob ich bei den Wandfarben etwas mutiger sein darf als „Weiss“ und „Eierschalenweiss.“
    Diese hier gezeigten Designideen, besonders die edlen dunklen Farben, bestärken mich nun, meine Farbpallete grosszügig zu erweitern.
    PS: Sehr empfehlen kann ich auch den Blogbeitrag von Frau Kohler über die Samtsofas.

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