Wohnwunder in Bern

In Regina Rüfenachts Berner Stadtwohnung treffen sich Stil, Design, ein Stückchen Marokko und viel warmes Wohngefühl.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Als ich Regina Rüfenacht bei einem Fotoshooting zum ersten Mal traf, war ich begeistert von ihrer warmen, freundlichen Persönlichkeit und ihrem Stil. Ihre charmante Dreizimmerwohnung in Bern, die sie mit ihrem Freund Michael teilt, strahlt genau das Gleiche aus: Wärme, Willkommensgefühl und sehr viel Stil und Klasse. Das stattliche Mehrfamilienhaus, in der sich die Mietwohnung befindet, ist bekannt als Haller-Haus und steht im Berner Länggassquartier. Grosszügig, luftig, edel und mit der typischen zeitlosen Moderne der 30er- und 40er-Jahre, bietet die Architektur die perfekte Umgebung für formstarkes Design. 

Ihre Liebe zu Design und schönem Wohnen konnte Regina während einiger Jahre, in denen sie im renommierten Einrichtungshaus Teo Jakob arbeitete, so richtig ausleben. Aus dieser Zeit stammen auch viele der klassischen Designermöbel, die den Grundton der Einrichtung bestimmen. «Jede Weihnacht leistete ich mir ein neues Lieblingsstück», erinnert sich Regina. Dabei ging sie nicht nach Konzept vor, sondern kaufte Einzelstücke, die es ihr besonders angetan hatten. Die Wohnung wirkt zwar grosszügig, ist aber eine ganz normale Dreizimmerwohnung von etwa 70 Quadratmetern. Regina hat mit ihrem Gespür für Formen, Farben und Proportionen den Platz optimal ausgenutzt. Erst kürzlich tauschten Regina und Michael Esszimmer und Wohnzimmer aus und geniessen nun eine neue Wohnqualität. Das Wohnzimmer wird bestimmt von einem grossen Sofa, zu dem sich Stühle und Beistelltische in loser Form gesellen. Vis-à-vis steht ein tiefes, weisses USM-Regal, welches Michael mitgebracht hat und das perfekt ist für den Fernseher. 

Bei Teo Jakob hat sich Regina auch mit Annet Berger angefreundet, welche die talentierte Frau in die Keramikmanufaktur Linck holte. Die klassischen formalen Linck-Vasen sind mit und ohne Blumen überall in der Wohnung anzutreffen. Ebenfalls wie eine Skulptur wirkt die Leuchte Taccia von Achille Castiglioni, die sich Michael gekauft hat, weil er den Klassiker aus den 60er-Jahren ins Herz geschlossen hat. Auf dem Boden türmen sich zwei Extrakissen aus Marokko, Reginas absoluter Lieblingsdestination. Nach Marokko reist Regina so oft sie kann. Sie liebt den Gegensatz des farbigen südlichen Landes zu ihrem urbanen nördlichen Schweizer Alltag. Als sie mal mit vier Freundinnen in Marrakesch war, spinnten die fünf Frauen mit Gedanken herum, vielleicht mal einen Laden zu eröffnen. Das Projekt hat geklappt, aber anders als geplant. Clémentine entstand, eine spannende Atelier-Ladengemeinschaft. Bei Clémentine, an der Postgasse in Bern, bietet Regina mit Nomad Cinq ausgewählte Marokko-Fundstücke an, und die anderen Freundinnen arbeiten in den Bereichen Farbgestaltung, Grafik und Text. 

Die starken Einzelstücke hat Regina so platziert, dass sie zwar Sinn machen, aber unangestrengt wirken. «Schönheit findet man überall, nicht nur im edlen Designbereich. Ein gutes Beispiel ist etwa die rote, dünne Wolldecke, die es vor einigen Jahren bei Ikea gab. Ich bereue, dass ich damals nicht mehr davon gekauft habe», meint Regina.

Gefüllt mit Büchern stehen beidseitig des Sofas zwei schmale Regaltürme. «Das ist praktisch, bietet viel Platz und wirkt viel leichter als ein grosses Regal», so Regina.

Das Entree ist klein, aber praktisch ausgenützt. So steht in einer Ecke die skulptural wirkende Kommode, der «Schubladenstapel» von Susi und Ueli Berger, mit einem kleinen Stehlämpchen von Wagenfeld. Darüber baumelt der Leuchter «Tube Light» von Ingo Maurer.

Die Küche wurde erst kürzlich renoviert; Regina und Michael durften dabei ein wenig mitreden. Sie haben sich entschieden, die Küchenschränke in unterschiedlichen Farben zu wählen. So ist die Basis dunkel und die oberen Schränke sind weiss, was der Küche eine gewisse Leichtigkeit vermittelt. Der anthrazitfarbene, gegossene Boden nimmt die dunkle Farbe der Schränke auf und verleiht sehr viel Eleganz.  

Dinge wie Holzbrettchen, gravierte Metalltabletts, Keramikschälchen und die schicke Korbhalterung für Mineralwasserflaschen hat Regina in Marokko gefunden. Einiges davon verkauft sie auch über Nomad Cinq bei Clémentine.

Auf dem Frühstückstisch am Fenster stehen feine Brötchen für uns bereit. Daneben stehen Vasen und Schalen von Linck-Keramik.

Das Esszimmer ist der grösste Raum in der Wohnung und führt hinaus zu einem grossen Balkon. «Dieser ist gerade im Winterschlaf, aber bei schönem Wetter vergrössert er die Wohnung und ist ein Zimmer mehr», schwärmt Regina. Um den Esstisch, den «EM Table» von Jean Prouvé, stehen unterschiedliche schwarze Stühle. Als Lichtquelle dient eine schlichte, ausschwenkende Wandleuchte. 

Wohnaccessoires, Kunst und Blumen kommen so harmonisch zusammen, dass überall wunderschöne Stillleben entstehen. Diese zeigen auch die stilistische Begabung Rüfenachts. 

Die Zimmerpflanzen, die auch auf dem Porträtbild zu sehen sind, stehen zusammengefasst in einer Gruppe, dank Hockern und Podesten attraktiv auf verschiedenen Ebenen. Einen einfachen Holzhocker hat Regina mit zartrosa Lackfarbe in ein besonderes Stück verwandelt.

Das weisse Sideboard, das sich über die ganze Esszimmerwand hinzieht, besteht aus mehreren Stücken: Vier schlichte Ikeakommoden stehen nebeneinander in einer Reihe. Darüber hängen zwei Wandregale «Corniche» von den Bouroullec-Brüdern. 

«Das bunte Lämpchen habe ich von meiner Grossmutter geerbt», erzählt Regina. «Sie hat es von einer Reise nach Marokko mitgebracht. Ich liebe es nicht nur wegen seiner edlen handgemalten Ornamente, sondern auch als Erbstück und als Erinnerung an unsere gemeinsame Reisefreude.» Auch auf diesem Regal ergibt zu unserer Freude jeder Winkel ein neues, schönes und inspirierendes Stillleben. Da sind Bücher, einige Lieblingszeitschriften, hübsche Verpackungen, alte Zigarrenkistchen und vieles mehr. 

So stehen zum Beispiel neben dem orientalischen Lämpchen die dekorativen Holzpuppen von Alexander Girard, eingerahmt von Bild und Zeitschriften. 

Ich habe mich in dieses kleine poetische Detail, den Vogel, der auf dem Atlas steht, verliebt. «Der Vogel kommt aus Indien. Ich habe vor einigen Jahren mit meinem Vater, der auch sehr reisefreudig ist, eine lange Reise nach Indien gemacht, dabei hat er mir das Vögelchen gekauft. Ich liebe Indien, aber es ist halt viel weiter weg als Marokko, welches ich schnell und unkompliziert auch mal für einige Tage erreichen kann», sagt uns Regina. 

An der Kopfseite des Tisches hält ein schlichtes Industrieregal Michaels Plattensammlung zusammen und bietet natürlich auch Platz für viele Zeitschriftenstapel. «Wir müssen sehr geschickt mit dem Stauraum umgehen, da drei Zimmer eben bloss drei Zimmer sind und wir nicht alles vollstellen möchten. So sind Möbel, wie dieses Regal, das automatisch für Ordnung sorgt, oder die Kommoden mit den Schubladen perfekt», beschreibt Regina die Möbelwahl. 

Eine Wand des Entrees ist in einem warmen Graugrün gestrichen. Die farbige Wand bietet ein Bühnenbild für die unterschiedlichen Möbelstücke. Als Schuhregal dient ein USM-Möbel von Michael, davor stehen einige Hocker. An der Wand finden sich die Eames-«Hang it all»-Garderobe in Schwarz und ein interessanter Klappspiegel.  

Auch im Schlafzimmer ist eine Wand gestrichen, und zwar in einem hellen grünlichen Grauton. Als Nachttischchen dient der Tisch «De Stijl» von Eileen Gray, darauf die Lampe «Gatto» von Achille Castiglione.

Helligkeit und eine entspannte Eleganz bestimmen den Look des Schlafzimmers. So stehen am anderen Bettende eine Stehleuchte, und für Farbe und Komfort sorgt ein bunter Kelimteppich.

Eine kleine Wohnecke wurde mit einem Beistelltisch von Konstantin Grcic und dem «Plywood»-Stuhl von Eames eingerichtet. 

Der Sims über dem Radiator dient als Platz für die kleine Parfümsammlung. Das Bild mit der Reisetasche hat Michael gezeichnet. 

Schönes möchte man auch sehen. So dient eine Nische zwischen dem Schrank und der Wand als eine Art Garderobe für Reginas Kleider aus Marokko und die Koffer für die nächste Reise.

Reginas Links: 

Clémentine
Nomad Cinq
Instagram: rue_regina und nomad_cinq

3 Kommentare zu «Wohnwunder in Bern»

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