Fünf Wintergerichte aus Irland

Diese irischen Gerichte sind perfekte Wohlfühlmahlzeiten für kalte, dunkle Wintertage.

Meine Nachbarn wandern nach Irland aus und sitzen heute im Flugzeug, auf dem Weg in ihr neues Zuhause. Sie waren wirklich coole Nachbarn, und das englische Wort für Zügeln, nämlich «moving», beschreibt meine Gefühle ganz gut. Umziehen ist eine grosse Angelegenheit, dabei gerät das ganze Leben in Bewegung. Klar, wir sind ja nicht selbst gezügelt, aber der grosse englische Truck, der zwei Tage vor dem Haus stand und beladen wurde, liess uns alle ein wenig an diese Schiffsszenen in alten Filmen denken. Da standen die Zuhausegebliebenen am Dock, verbunden mit Papierschlangen, die bei der Abfahrt des Schiffes langsam zerrissen. So widme ich denn, in meiner Wehmut, den heutigen Foodbeitrag der jungen Familie, die mit zwei Kindern in die Ferne reist, um ein neues Leben zu beginnen. Die deftig irischen Wintergerichte trösten, wärmen – und das kann man in diesen kalten Wintertagen auf jeden Fall gebrauchen. (Bild: Recipe tin eats)

1 — Rindfleisch mit Guinness

Dieses Schmorgericht wird mit dickem, dunklem Guinness zu einem kleinen Wintertraum. (Bild: Inspired taste)

Zutaten:

Zubereitung:

1 kg Rindsvoressen

4 Rüebli, in Stücke geschnitten

2 Selleriestangen, in Stücke geschnitten

2 Zwiebeln, grob gehackt

Mehl

3 EL Butter

1 EL Olivenöl

5 dl Guinness-Bier

2 dl Fleischbouillon

1 Lorbeerblatt

1 KL Thymianblättchen

Salz und Pfeffer

Geben Sie 2 EL Butter mit 1 EL Olivenöl in eine Pfanne und erhitzen alles. Braten Sie das Fleisch in Portionen rundum an und legen es zur Seite. Streuen Sie die die Thymianblättchen darüber. Geben Sie den dritten EL Butter in die Pfanne und braten Rüebli, Zwiebeln und Sellerie an. Geben Sie das Fleisch wieder zurück in die Pfanne, mischen Sie etwas Mehl darunter, vermengen Sie alles gut und giessen Sie dann die Bouillon und das Guinness darüber. Geben Sie das Lorbeerblatt bei und köcheln alles auf kleinem Feuer etwa 1,5–2 Stunden. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit Kartoffelstock servieren.

2 — Colcannon

Dieses einfache, bäuerliche irische Gericht ist eine Art Kartoffelstock. Es wird aber mit Gschwellti und viel Gemüse gemacht. (Bild: Healthy seasonal recipes)

Zutaten:

Zubereitung:

1 kg Kartoffeln 

1/3 Kopf Wirsing, fein geschnitten

2 Lauchstangen, fein geschnitten

75 g Butter

2 dl Milch

2 dl Rahm

(nach Wunsch ein wenig Bouillon)

1 Knoblauchzehe, fein gehackt

Frühlingszwiebeln, in Ringli geschnitten

Salz und Pfeffer

Muskatnuss

Kochen Sie die Gschwellti, lassen Sie sie ein wenig abkühlen und schälen Sie sie. Geben Sie etwa 3 EL Butter ei eine Pfanne und dünsten den fein geschnittenen Lauch langsam an. Geben Sie den Knoblauch und den fein geschnittenen Kohl bei. Dünsten Sie alles etwa 5 Min. weiter. Giessen Sie die Milch und den Rahm dazu, und wer Lust hat, fügt auch noch ein wenig Bouillon bei. Köcheln Sie alles nochmals einige Minuten. Schneiden Sie die Kartoffeln in Stücke und geben Sie sie bei, einige Minuten weiterköcheln, vom Feuer nehmen, nochmals ein wenig Butter beigeben und dann mit dem Stampfeisen zerstampfen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Alles gut durchmischen und mit der restlichen Butter und den Frühlingszwiebelringli darüber servieren.

3 — Dublin Coddle

In jeder ländlichen Alltagsküche gibt es Eintöpfe mit Gemüse und Fleisch. In Irland heissen diese Coddle, was von Verhätscheln kommt. So verhätscheln, verwöhnen wir uns und päppeln uns auf mit einem einfachen, deftigen Gericht. (Bild: French Tart)

Zutaten:

Zubereitung:

500 g Schweinsbratwürste, halbiert

300 g Specktranchen

1 kg Kartoffeln, geschält und in Scheiben geschnitten

3 Zwiebeln, in Ringe geschnitten

4 Rüebli, in Scheiben geschnitten

5 dl Bouillon

Butter

Salz und Pfeffer

gehackte Petersilie

Braten Sie erst den Speck in ein wenig Butter und dann die Würste rundum an, bis sie braun sind. Nehmen Sie eine grosse Gusseisenpfanne und geben Sie ein bisschen Öl rein. Nun legen Sie eine Schicht mit einigen Kartoffeln, Rüebli und Zwiebeln. Geben Sie ein wenig gehackte Petersilie darüber. Schneiden Sie den Speck in kleine Stücke und verteilen ein wenig davon darüber. Legen Sie einige Würste darauf. Darüber kommt nun wieder eine Schicht Gemüse und Fleisch. Am Schluss die Bouillon darüber giessen und alles langsam im Backofen bei 180 Grad etwa 2 Stunden kochen.

4 — Bangers und Mash auf irische Art

Bangers und Mash sind im angelsächsischen Raum, was Bratwurst und Rösti für uns sind – ein einfaches Verwöhngericht. Diese Version ist irisch, die Würstchen werden mit Whiskey gemacht, und statt Kartoffelstock gibts Colcannon. (Bild: Closet cooking)
Und so gehts:
Machen Sie aus grossen, guten Schweinsbratwürsten je zwei kleinere und braten sie diese rundum goldbraun an, warm stellen. Geben Sie grob geschnittene Schalotten und fein geschnittenen Lauch in das Bratfett und, wenn die Schalotten goldgelb sind, ein wenig Mehl dazu. Unter stetigem Rühren giessen Sie nun 1 dl Whiskey und 2 dl Bouillon dazu. Aufkochen und ein wenig einköcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen, die Würstchen wieder in die Pfanne zur Sauce geben, ein wenig Butter beigeben und viel gehackte Petersilie. Servieren Sie die Whiskeywürstchen mit Colcannon.

5 — Cottage Pie

Unten Fleisch, oben cremig knusprige Kartoffeln (Bild: Fado Irish Pub)

Zutaten:

Zubereitung:

500 g Rindshackfleisch

2 Zwiebeln, fein gehackt

200 g Sellerie, fein gehackt

4 Rüebli, fein gehackt

4 EL Butter

1 dl Irish Whiskey

2 dl Fleischbouillon

3 EL Tomatenpüree

1 EL Worcestersauce

1 EL getrockneter Thymian

1 Lorbeerblatt

Salz und Pfeffer

Braten Sie Zwiebeln, Rüebli und Sellerie in ein wenig Butter langsam an. Erhöhen Sie die Hitze und geben Sie das Fleisch dazu. Das Fleisch anbraten und dann mit dem Whiskey ablöschen. Tomatenpüree und Worcestersauce untermischen. Die Bouillon dazugiessen. Lorbeerblatt und Thymian beigeben und alles bei geschlossenem Deckel etwa 1 Stunde köcheln lassen.

Zutaten Kartoffelstock:

Zubereitung Kartoffelstock:

1 kg Kartoffeln

4 EL Butter

Salz, Pfeffer, Muskatnuss

gehackte Petersilie

In der Zwischenzeit den Kartoffelstock zubereiten. Dafür die geschälten und in Stücke geschnittenen Kartoffeln in Salzwasser oder Bouillon weich kochen. Abgiessen, Butter dazugeben und alles mit dem Stampfeisen zerstampfen. Die gehackte Petersilie untermischen.  

 

Fertigstellung: 

 

Das Fleisch in eine Gratinform geben, die zerstampften Kartoffeln darüber verteilen und noch ein wenig flüssige Butter darüber träufeln. Im 200 Grad heissen Backofen etwa 40 Min. backen.

Credits: 
 

25 Kommentare zu «Fünf Wintergerichte aus Irland»

  • Philip Santschi sagt:

    Erst heute gelesen. Bravo, Frau Kohler. Im Universum der Tagi-Blogger/Innen sind Sie unerreicht: Kreativ. Inspirierend. Unerwartet. Bereichernd. Manchmal sogar lehrreich. Und, besonders wichtig: Nicht egozentrisch. Danke für Ihre Beiträge!

  • Bernhard Schlegel sagt:

    Ich habe das Rindfleisch mit Guinness nachgekocht. Aber weil meine Tochter kein Bier im Essen will, habe ich zerknirscht statt Guinness Kalbsfond genommen. Meine Frau, die sehr kritisch ist, wenn ich koche, fand es super lecker. Mein Sohn schöpfte sich zwei deftige Portionen. Meine Tochter war auch sehr zufrieden. Und meine Mutter gab mir den Adelsschlag. Es sei superb gewesen…

    Ich will einfach DANKE sagen für diesen wunderschönen Blog. Die Art der Rezepte, die Geschichten dahinter, die vollkommenen Fotos, das alles ist eine riesige Bereicherung. Und ich darf weiter kochen. Halte dich einfach an Frau Kohler, so der Grundtenor.

  • second step sagt:

    Bei der ganzen Diskussion ob in Irland nun warmes oder eher kühleres Klima herrscht ging es ganz unter der Autorin zu dem tollen Blog zu gratulieren. Die Rezepte tönen wie immer super und ich werde alle gerne probieren. Herzlichen Dank!

  • gertrud carey sagt:

    Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal Kartoffeln angepflanzt, ein Versuch der sich absolut gelohnt hat, unser Cottage ist in Co Leitrim, im Nordwesten der Insel. Wir und die meisten Iren sind Kartoffelesser, Colcannon, Mash Potatos und Irish Stew gehört bei uns einfach dazu.. wir ersetzen Fleisch auch mal mit Fisch. Fish & Chips holt man sich am besten vom Take away, das ist immer und überall sehr gut und die Portionen sind riesig. Die Rezepte im Blog sind typisch Irisch und die Bilder herrlich appetitlich. Da bekomme ich grad noch mehr Sehnsucht nach meiner Herzensinsel..
    Alles Gute den Auswanderern.
    gertrud carey
    https://irish-cottage.ch

  • Heidi Arn sagt:

    Meine „zweite Heimat“ ist eine Gegend mit vielen Nachfahren von Iren und Schotten. Colcannon besteht dort aus Kartoffeln, Weisskraut oder Federkohl und Zwiebeln, manchmal Milch und Speck, selten Lauch. Das „Seeli im Stock“ ist aus flüssiger Butter.
    Und ja, einen Tag ohne zweimal Fleisch oder Fisch können sich die meisten nicht vorstellen. Traditionelle Berufe sind Fischer, Jäger, Holzarbeiter, und das Klima ist rau. Darum.

  • Ursula Haass sagt:

    Zwar keine Gerichte zum Abnehmen – dafür aber ganz tolle! Vielen Dank, koche ich alle nach!

  • Ana sagt:

    Ich bin auch Vegetarier aber Second Hand Vegetarier.
    Kuh isst Gras, ich esse Kuh.

    • Andrea sagt:

      Toller Witz. Danke für die Spitzfindigkeit. Face Palm. Es geht um den Respekt gegenüber Lebewesen und dieser hat jedes Wesen verdient.

      • Ana sagt:

        Espiritu Sanctus Amen. Ich war nämlich kurz davor Veganer zu werden, aber gerade nochmal Schwein gehabt.

      • Ana sagt:

        Kurze Frage: Warum bleiben die Veganer immer bei den Fleischgerichten und Fleischrezepten stehen und nehmen sich noch die Zeit zum kommentieren?! Sorry es scheint ihr wollt alle zum Veganismus umpolen.

  • Zora sagt:

    …sie essen so viel Fleisch in Irland? Nix Vegi ausser Gemüsestock?
    Liebe Gruess

    • Michael sagt:

      Du kannst doch bei jedem Gericht das Fleisch weglassen und hast dann ein perfektes Vegi-Gericht !
      Ausserdem braucht man im kalten Irland viel Energie, und in so einem Salatblatt ist davon eben nicht so viel enthalten. Abgesehen davon, das dort eine Kuh viel besser gedeiht.

    • Sybille sagt:

      Hab ich mich auch gefragt. Wir haben hier im Waadtland das feine, einfache Gericht Papet vaudois mit Kartoffeln und Lauch. Auch kann man Fleisch in vielen Gerichten mit Hülsenfrüchten ersetzen. Heute gibts bei uns Suppe mit Kartoffeln, rüebli, etwas federkohl, Kürbis und Aduki-Bohnen, die ich vorgekocht an Schluss nach dem zerstampfen noch ein paar Minuten mitkoche. Wer den intensiven Geschmack mag, kann Ingwer beigeben, das wärmt!

    • Friedrich Meier sagt:

      Klassische Gerichte in kälteren Regionen der Welt sind immer sehr Fleischlastig, da der Körper das Fett und die Energie vom Fleisch zum „heizen“ benötigt. Vegetarische Gerichte sind immer eher in wärmeren Regionen der Welt üblich wo man eben etwas leichteres essen kann da der Körper einfach nicht so viel Energie braucht. Und nur weil Vegetarismus gerade hipp und trendy ist, muss man nicht die ganze traditionelle Küche umschreiben. Zumal mit Colcannon oben ein vegetarisches Gericht hat. Ich für meinen Teil würde aber auch dazu gerne eine Schweinsbratwurst essen um es komplett zu machen :)

      • adam gretener sagt:

        Irland ist überhaupt nicht kalt, Meier. Schnee kommt einmal in 20 Jahren vor. Nur so…

        • second step sagt:

          Irland hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 9 bis 10 Grad Celsius. Das würde ich nicht gerade als warm bezeichnen, Gretener. Es erklärt aber wie Meier richtig beschrieben hat die eher schwere, fleisch-und kartoffellastige Küche.

          • Andrea sagt:

            Kalt ist bei mir bei minus 10 Grad.

          • adam gretener sagt:

            Also bei allem Respekt, ich habe mehrere Jahre in Schottland gelebt, noch weiter nördlich. Im Sommer zwar nicht 35 Grad, aber der Winter seltenst unter 5 Grad. Golfstrom und so. Ich google nicht, ich habe es selbst erfahren.

        • second step sagt:

          Hey cool, ich auch! Wo denn? Fands trotz Golfstrom aber eher kalt – gerade im Sommer. An der Nordsee ist der Einfluss des Golfstrom übrigens nicht so gross. Im Aberdeenshire hat es dieses Jahr bereits geschneit – aber das wussten Sie bestimmt schon. In Irland war ich übrigens auch – aber „nur“ als Touri – Sie? Warm fand ich Australien – wo ich zur Schule ging (Ostküste). Alle drei tolle Länder! Als „dort gelebt“ zählt übrigens nur wer dort auch Steuern bezahlt hat und krankenversichert war – ok? Alles andere ist nur ein Besuch – finde ich. Somit kann ich UK umd Oz für mich verbuchen – und Sie als Weltenbummler?

          • adam gretener sagt:

            Isle of Arran. Gewohnt in Kildonan und gearbeitet auf dem Brodick Castle. Ausser dass der Regen immer waagrecht ins Gesicht prasselte war es überhaupt nicht kalt.

          • second step sagt:

            Westküste, sehr nett! Isle of Arran war ich aber leider nie. Ich lebte im Osten an der Nordsee. Ich glaube wir haben eine unterschiedliche Definition von kalt und werden uns gegenseitig nicht überzeugen ob es kalt oder warm ist dort oben. Und klar habe ich die Durchschnittstemperatur von Irland gegoogelt – sowas weiss ja niemand auswendig. Guten Appetit falls Sie was von den Rezepten ausprobieren.

    • Hotel Papa sagt:

      Wenn auch nicht winterlich eisig, so ist Irland doch nass und sicher nicht warm. Jedenfalls nicht besonders geeignet, energiereiche Pflanzenkost anzubauen. Das mit der Kartoffel-Monokultur ist schon einmal bös ins Auge gegangen. (Und was an Getreide wächst, braucht man für den Whiskey und das Porter…)
      In sochen klimatischen Verhältnissen ist nun mal Viehwirtschaft eine der sichersten; Schafe und Kühe machen das Beste aus der kargen Pflanzendecke.
      Moralischen Luxus wie Vegetarismus muss man sich erst mal leisten können. Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.