Ein Mann, ein Hund, ein Haus

Der Grafiker Ueli Hinder wohnt mit Hund Olmo in einem kleinen Atelierhaus inmitten eines Zürcher Gartens.

 Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Als Ueli Hinder vor rund zwei Jahren auf Wohnungssuche ging, wünschte er sich ein naturnahes besonderes Zuhause; keinen Luxus, sondern Persönlichkeit. Kein leichtes Unterfangen. Mit Glück und dem Tipp einer Freundin fand er in einem ruhigen Quartier ein charmantes Atelierhaus inmitten eines Gartengrundstücks, das über ein verschlungenes Weglein zu erreichen ist. Beim Betreten gelangt man sogleich in die Küche, in der riesige Blumensträusse und der wedelnde Labrador Olmo für einen freundlichen Empfang sorgen. Hinder ist Mitinhaber eines Grafikateliers, das spezialisiert ist auf Signaletik und Erscheinungsbilder etwa für Restaurants oder Läden. Klar hat das Wohnen eine wichtige Bedeutung für ihn.

Das Haus stammt aus den 50er-Jahren und wurde bestimmt als Atelier genutzt. Das erklärt auch das Oberlicht, welches die Küche zum hellsten Raum macht. «Ich weiss aber nicht, ob hier einmal ein Künstler oder ein Handwerker gearbeitet hat», sagt Ueli Hinder. Er liess Wandregale montieren, die er auf einer englischen Website entdeckt hatte. Sie geben der Küche denn auch ein wenig eleganten Countrycharme. 

Üppige Blumensträusse in Kübeln und Vasen unterstützen das ländlich Zufällige. Die kokette, elegante Vintage-Tischleuchte ist eine ungewöhnliche, aber reizende Wahl für eine Küche und auch abends ein Hingucker mit wohnlich warmem Licht.

Die Wohnküche erstreckt sich über die ganze Breite des Hauses und verfügt auch über einen Hinterausgang mit grossem Fenster. Der unkomplizierte Ateliercharakter und das ländliche Charisma werden unterstützt durch die zufällig wirkende, aber doch durchdachte Einrichtung. Als Esstisch hat Ueli drei Beizentische aneinandergereiht. Auf der einen Seite liess er Bänke einbauen. Es sind klassische Sitzbänke, die auch Stauraum bieten. «Ich finde, es braucht immer eine Weile Wohnzeit bis man weiss, wie man alles stellen möchte. Doch als ich den Raum zum ersten Mal sah, wusste ich gleich, dass ihm Wandregale und lange Sitzbänke guttun würden.» Auf der anderen Tischseite stehen Klappstühle. Sie stammen aus dem Hallenstadion.

Eines der Projekte von Ueli Hinder ist der Sportsman Club, den er mit einigen Freunden gegründet hat. Seit 1993 organisiert die Gruppe während jeder Fussball-WM ein Public Viewing mit Bar in wechselnden Lokalen. Dafür haben sie beim Umbau des Hallenstadions 600 alte Stühle gekauft. Die Klappstühle haben viel erlebt und eine glamouröse Rock ’n‘ Roll-Vergangenheit. «Ich mag Dinge und Möbel mit Geschichte», sagt Ueli Hinder. Das gilt auch für das Kommodenmöbel, das er zum kleinen, mitten im Raum stehenden Kochherd gestellt hat, damit dieser nicht ganz allein da steht. Das antike Möbel hat er im Vintagegeschäft Woodlove gefunden und ablaugen lassen.

Schöne und feine Sachen darf man ruhig sehen. So stehen verlockende Lebensmittel in der Küche bereit und ausgestellt auf einem alten Industrierollwagen. «Von allen Ferienreisen nehme ich hübsch verpackte Dinge mit, die mein Grafikerauge anziehen. Auch koche ich gerne und oft, am liebsten einfache Hausmannskost und Eintöpfe» verrät der Geniesser. Dazu gehört natürlich ein kühles Bier oder ein Glas Wein. Dafür hat er extra einen kleinen Getränkekühlschrank gekauft.

Früchte und Gemüse stehen in Keramikschüsseln und schmecken viel besser als aus dem Kühlschrank.

«Auf den langen Wandregalen hat alles Platz, was in der Küche gebraucht wird. Klar, wenn vieles offen dasteht, muss man halt ein bisschen öfter abstauben und putzen. Dafür sieht man, was man hat, die Küche ist hübscher und freundlicher und man muss nicht unter einem Küchenschrank kochen und abwaschen», meint Ueli Hinder. Unter anderem stehen da Biergläser aus den 50er-Jahren, noch original eingepackt in Zeitungen aus jener Zeit. «Ich finde, sie erzählen so eine viel poetischere Geschichte, als wenn sie ausgepackt und gebraucht würden.»

Beim Eingang grüsst das Duo Bank und Wandregal, auf dem Hüte, Mützen und Helme stehen. In der antiken Hutbox steckt ein Zylinder von Ueli Hinders Grossvater. «Er hatte die genau gleiche Hutgrösse wie ich.» Die schicke Hermès-Box, ein Geschenk seiner Schwester, ist eigentlich eine Haferbox für Pferde – genau richtig für Olmos Futter.

Gleich neben Eingang und Küche befindet sich der zweite grosse Raum, das Wohnzimmer. Der Platz hinter der Tür wird genutzt für einen antiken Schrank. Darauf steht ein Lämpchen aus den Achtzigern. 

Die Sitzmöbel in Ueli Hinders Wohnzimmer sind alle alt und aus Leder und stehen beieinander wie eine Gruppe Verwandter oder Freunde in einem Club. Das Chesterfield-Sofa stammt aus seinem Elternhaus, die Sessel von einem französischen Flohmarkt, und das rote Sofa ist ein Fundstück von der Strasse. «Als ich einzog, hatte ich noch keine Sitzmöbel und sass auf alten Holzharassen statt auf Stühlen. Das war nett und unkompliziert und hatte einen gewissen Stil», so Hinder. Nun dienen die Harassen als Beistelltische, gefüllt mit Büchern und Zeitschriften.

 Die tiefen Bücherregale kommen noch von einer alten Wohnung und passen perfekt an die Wohnzimmerwand. Darin stehen auch Geschichtsbücher von Ueli Hinders Vater, Kunstbücher oder Comics. Die Bilder sind Erbstücke aus dem Elternhaus. 

Ein Kopf, der auf dem Kopf steht, Safaristühle, die man zusammenklappen kann, ein antiker Kerzenständer und ein Barwagen vervollkommnen das Männerwohnzimmer, das ein wenig an einen englischen Club erinnert.

«Das Schönste an meiner Wohnung ist, dass ich darin immer das Gefühl habe, in den Ferien zu sein. Im Sommer kann ich die Türen öffnen, und Olmo spaziert  rein und raus, ganz wie er möchte. Für Ferienstimmung sorgt auch der Ausblick auf das Grün des Gartens», schwärmt Ueli Hinder von seinem Zuhause.

Auf der Hausbar stehen Fundstücke, schöne leere Flaschen und Tischleuchten mit roten Schirmen. «Die Kabel gehören dazu. Mit Extra-Steckdosen wirkt die Einrichtung allzu perfekt und unflexibel.»

Teppiche sieht der Hausherr als Kleider der Wohnung. Im Sommer liegen sie spärlicher auf dem Boden, im Winter üppiger. Der Fernseher steht diskret in einer Ecke und kann, da er auf einem Roll-Transportwagen steht, bei Bedarf ins Zentrum gerollt werden. Ueli Hinder liebt auch die alten «Time Life»-Kochbücher aus den Siebzigerjahren und hat sogar schon einiges daraus gekocht.

Auf dem Couchtisch liegen jeweils die neusten Bücher; sie machen Lust, darin zu blättern. Bei unserem Besuch war Ueli Hinder gerade aus Berlin zurückgekehrt und hatte diese beiden Bücher aus dem Helmut Newton Museum im Gepäck.

Zwischen Küche und Wohnzimmer befindet sich ein kleines Schlafzimmer. Das Bett, eines der wenigen neuen Möbel im Haus, ist bezogen mit einer Leinen- und Baumwollbettwäsche des Einrichtungsgeschäfts Artiana, das Hinder mit seiner Schwester führt. Als Nachttischchen dient eine seiner geliebten Harassen.

Olmo geniesst die Herbstsonne auf dem Gartenweg, der um das Haus herum führt. Der Sitzplatz im üppigen Grün hält sich in Grenzen – der Weg dominiert. Ein sonniges Örtchen für einen Stuhlklassiker findet sich im Garten aber trotzdem.

Das Atelierhaus, das Ueli Hinder eine aussergewöhnliche und sehr persönliche Wohnung bietet, steht auf dem Gartengrundstück eines grossen Bürgerhauses, zu dem es auch gehört. Der Wohnraum ist ebenerdig, im Untergeschoss befinden sich das Badezimmer, eine Waschküche und ein grosser Raum, den Hinder für seine Kleider, Bücher und Bügelwäsche nutzt.

Die Homestories von «Sweet Home» finden Sie neu auch in der «SonntagsZeitung».

Credits

Ueli Hinders Websites: Hinder Schlatter Feuz, Artiana 

24 Kommentare zu «Ein Mann, ein Hund, ein Haus»

  • Vera sagt:

    Bald ziehe ich in eine neue Wohnung, zwar nicht so großzügig aber doch eine neue Umgebung. Diese wunderbare Reportage inspiriert mich sehr. Danke. Dankeschön.

  • Astrid Meier sagt:

    Die Blumensträusse sind hinreissend! Der Rest gefällt mir auch gut. Aber so ein Strauss Wegwarten ist mir noch nie begegnet!

    • Traubenzucker sagt:

      oh lustig, habe dasselbe gedacht. Wir haben uns immer gefragt was das für Blumen sind, bei uns sagt man Arbeiterblumen, weil sich jeden Tag wieder neue Blüten öffnen. Aber dank deinem Kommentar kenn ich jetzt die Wegwarte… Merci

  • Ursela sagt:

    wunderschön, mann mit stil und geschmack ohne pomp und luxus.. herrlich, gefällt mir sehr gut
    ich wohne beinahe auch so.. die teppiche habe ich allerdings wegen den hundehaaren aus dem haus verbannt :)

  • Anita sagt:

    Toll auch die beiden Bewohner dieses wunderbaren Kleinods.
    Genau dieselbe Mimik und derselbe Blick, wenn sie Richtung Kamera schauen.
    .

  • Eugen sagt:

    einfach grossartig. danke für den tollen artikel/fotos.

  • Gabrielle sagt:

    Wunderschön, dieses Heim, so was schwebt mir auch vor. Komme per märz in die schweiz zurück, habe sehnsucht. Wünsche mir für mich und meine snowy (blue seal siamesin) auch eine kuschelige gartenwohnung. Egal wo, auf dem land am liebsten, keine kaserne, altbau oder so. Einfach nicht 08/15! Wer weiss sowas? Würde mich sehr freuen. Gabrielle

  • Lilo NIdo Dula sagt:

    S’isch ja nur es chlises traeumli gsi, traeumli goend amigs so schnaell vorbii.. es liedli vo de gliiche epoche wie es paar vo dene trouvaille. Moebel second hand sind so inspirierend.
    Maengisch werded wuensch und traeumli war. Das de hund friedlich chan uf dem podere umeschnueffle isch en aechte ufsteller. Ixg xgan de herzschlag vo den hus grad gspuere.. fotos und styling isch wie en guete frische moscht vom zwiefel am hoeggerberg, erfrischend i dere waegwaerf gsellschaft .Wunderschoen das es moeglich isch so oeppis choenne finde. Yes we can !!! waemer dra glaubt. Vill glueck i dim huus. One love and peace. Icg wogne uf emene saegelboot irgendwo uf dem planet wos wasser haett und de wind blaset.
    .

  • Maja sagt:

    Eine so schöne, geschmackvoll und persönlich eingerichtete Wohnung – da würde es mir und meinem Vierbeiner auch gefallen. Auch ein sehr gut geschriebener Artikel.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Absolut perfekte Einrichtung, das ist Stil, langsam gewachsen, Stück für Stück, das merkt man sofort! Unaufdringlich, bescheiden und doch grossartig in der Wahl der Stücke, Kompliment!

  • Franz Alt sagt:

    Welcher Mann hat 6 Kissen auf dem Bett?

  • Bea sagt:

    Das 2. Mal in meinem Leben, dass ich im Tagi einen Kommentar abgebe, beide Male in diesem Blog und beide Male über eingerichtete Wohnungen von Männern. So gemütlich, so geschmackvoll, so persönlich und nicht protzig! Einfach toll!

  • Christoph sagt:

    Für mich ist dieser Artikel der Beste seit ich sweet home lese. Da wurde eine echte trouvaille ausgegraben. Einfach nur schön. Danke

  • chasperli sagt:

    einfach wunderschön !

    besonders der labrador dass ich sehr liebe !!!

    danke

  • Doris sagt:

    Da würde ich sofort einziehen, selten so etwas Schönes gesehen.
    Wunderbarer Artikel, danke!

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.