Zu klein, zu voll, zu langweilig?

Jede Wohnung bringt andere Probleme mit sich. Eine kleine Erste Hilfe für die geläufigsten Herausforderungen.

Jedes Wohnproblem ist anders, denn jeder wohnt anders und hat eine eigene Perspektive aufs Einrichten und Dekorieren. Das zeigt sich deutlich an vielen Kommentaren zu den Sweet-Home-Blogposts. Die einen nehmen zum Beispiel eine Wohnidee als genaue Anleitung, andere als die Inspiration, als die ich sie gedacht habe. Denn man kann nicht alles – oder eigentlich praktisch nichts – genau so kopieren, wie man es auf einem Bild sieht.

Jede Wohnung hat eigene Platzverhältnisse, jede Bewohnerin einen anderen Anspruch ans Wohnen. Diese Geschichte ist eine kleine Hilfe bei Wohnsorgen: Mit ein bisschen Einsatz und Freude am Umstellen und Ausprobieren lernt man, schöner zu wohnen. (Bild: Fantastic Frank)

Zu langweilig?

Um einen Raum spannend einzurichten, brechen Sie am besten Stile. Kombinieren Sie unterschiedliche Elemente, und entscheiden Sie sich für einen eklektischen (statt für einen minimalistischen) Look. Sie brauchen dafür ein bisschen Mut und den Willen zu Neuem. Wenn es Ihnen zu Hause langweilig ist, kann das daran liegen, dass die Wohnung Ihnen nichts zu tun gibt: Es gibt weder ein Sofa noch einen Sessel, um sich darauf Lese-, Musik- oder Filmstunden zu gönnen, noch einen Ort zum Werkeln oder einen Platz für Gäste.

Dieses Wohnzimmer, entdeckt über One Kingslane, zeigt einige schöne Lösungen. Um das Sofa gruppieren sich viele Stühle und Sessel, das wirkt gesellig. Beistelltische bieten überall Ablagen für Bücher, einen Drink, für Pflanzen und Leuchten. Felle, Kissen und Plaids machen das Zimmer warm und kuschelig, Vorhänge und Teppiche erhöhen die Wohnlichkeit. Zeitschriften und Bücher inspirieren zum Schmökern, Bilder regen das Auge an.

Zu voll?

Sie haben von allem zu viel? Oder Sie wohnen in einem Durcheinander von Dingen und Möbeln? Dann reduzieren Sie, und wählen einen minimalistischen Wohnstil. Dabei müssen Sie gezielter aussuchen und einrichten als bei gemischten, üppigen Wohnstilen. Hilfreich ist die Wahl einer dezenten, monochromen Farbigkeit. Damit ist bereits der erste und wichtigste Schritt gemacht, denn es wird dabei schon mal viel ausgeschieden. Vermeiden Sie Farbe, Muster, allzu Dekoratives und komplizierte oder gar unpraktische Möbelstücke. Wählen Sie Klassisches, und verzichten Sie auf alles, was unnötig ist – oder nicht schön genug. Denn wenn man mit wenig lebt, sind Formen, Materialien und der praktische Nutzen von Objekten besonders wichtig. (Bild über: Frenchy Fancy)

Zu wenig Platz?

Bei der Wahrnehmung von Platz geht es nicht immer darum, ob der Wohnraum klein oder gross ist, sondern um die Anordnung von Möbeln und Dingen. Wenn zu viele Dinge wahllos herumliegen, dann wirkt jeder Raum einengend. Sorgen Sie dafür, dass alle kleinen Dinge, die Sie brauchen, praktisch und ordentlich verstaut werden können, dann wirkt Ihre Wohnung ruhiger und grosszügiger. (Bild: 55 Kvadrat)

Zu karg?

Ob man nun einen üppigeren oder reduzierteren Wohnstil wählt: karg, kühl und unwohnlich können beide sein. Wenn die Wohnung unharmonisch und unwohnlich wirkt, sind Teppiche die besten Helfer. Sie bringen Sinnlichkeit und dämpfen erst noch Geräusche. (Bild über: Daily dream decor)

Zu kalt?

Wirkt eine Wohnung zu kalt, kann das an den Farben oder den Materialien liegen. Wählen Sie Holz, Korb und Gewobenes, Gestricktes aus Wolle, Leinen oder Baumwolle. Auch Leder oder Felle können, wenn man das mag, eine gewisse Wärme vermitteln. (Bild über: Decoratio)

Zu farblos?

Die einen machen monochrome und neutrale Farbkonzepte in der Wohnung glücklich, den anderen fehlt ganz einfach Farbe. Dem kann schnell und einfach abgeholfen werden: Wände streichen und farbige Teppiche auf den Boden! (Bild über: Keltainen talo rannallo)

Zu leer?

Viele Wohnungen sind zu leer, zu steril und haben zu wenig Charakter. Das bedeutet natürlich nicht, dass Menge und Üppigkeit automatisch schön sind. Wie regelmässige Leser wissen, bin ich persönlich eine Anhängerin der üppigen, eklektischen, persönlichen Wohnstile. Ich liebe das Unperfekte und finde, dass solche Wohnstile mehr stetigen Wandel zulassen. Doch kann sich so auch zu viel von allem ansammeln. Man muss nicht zwingend alles haben, sondern kann auch mit einer Illusion tricksen. Die Tapete «My Museum» von Wall and Deco bietet zum Beispiel ein ganzes Museum an der Wand. 

Zu neu?

Wenn alle Möbel neu sind, wirkt ein Raum wie aus dem Möbelkatalog. Inszenieren Sie einige alte, gebrauchte Stücke. Zusammen vermitteln alte und neue immer eine interessante Spannung und lassen sich gegenseitig wertvoller und stärker aussehen. (Bild über: Daily dream decor)

Zu leblos?

Ihnen fehlt ein bisschen Leben im Haus? Dabei helfen Pflanzen auf eine wunderbar harmonische Weise. Stellen Sie einige Zimmerpflanzen in schönen Töpfen zusammen in eine Gruppe. Sehr schön ist das hier mit einem alten Tisch gelungen. (Bild über: SF girl by bay)

Zu ungemütlich?

Gemütlichkeit ist essenziell. Schnell, schön und einfach geht das mit Wohntextilien: Kissen auf das Sofa, Vorhänge an die Fenster und Teppiche auf den Boden. Stimmungsvolles Licht kreieren Sie, indem Sie sich für punktuell eingesetzte Leuchten entscheiden. Komfort entsteht mit dem sinnvollen Platzieren von Möbeln. Sitzmöbel stellen Sie am besten dorthin, wo Sie auch wirklich sitzen möchten – hier ist das zum Beispiel in der Nähe der Balkontür. (Bild: Urban Outfitters)

Zu traurig?

Mit Farbe und bunten Bildern zieht schnell Fröhlichkeit in die Wohnung ein. Dieses Bild  ist von Leah Bartholomew. Die australische Künstlerin verkauft ihre Bilder online.

Zu wenig elegant?

Eigentlich sehnen Sie sich nach einer grossen Altbauwohnung, die Ihnen das Gefühl gibt, im Schloss zu leben? Das schafft man leider nicht so einfach. Eleganz kann zum Beispiel mit einigen starken Stücken einziehen wie einem grossen, antiken Spiegel, koketten Boudoirmöbeln, hübschen Tischleuchten und liebevollen Details. Manchmal hilft auch schon ein schöner Rosenstrauss in der Glasvase oder im antiken Champagnerkübel. (Bild über: Daily dream decor)

Zu hoch?

Fühlen Sie sich in hohen Räumen ein bisschen verloren? Dann schaffen Sie mit einer halb angestrichenen Wand, dass optisch alles auf dem Boden bleibt. Diese Idee ist auch gut für ein Kinderzimmer, da ein grosser, hoher Raum für Kinder und Kindermöbel nicht immer die gewünschte Geborgenheit bietet. (Bild über: Sugar and charm)

Zu unpersönlich?

Wenn Ihre Wohnung zu unpersönlich ist, dann liegt das daran, dass Sie zu wenig oder nichts von Ihrer Persönlichkeit einfliessen lassen. Richten Sie nicht nach Schema ein, sondern von Herzen. Umgeben Sie sich mit den Dingen, die Sie lieben, die Sie inspirieren und von denen Sie träumen. (Bild über: The design files)

Credits: 

Blogs und Magazine: The design files, Daily dream decorSugar and charm, SF girl by bay, Keltainen talo rannallo, Decoratio, Frenchy Fancy
Shops und Kollektionen: Urban Outfitters, One kingslane
Kunst: Leah Bartholomew
Tapeten: Wall and Deco
Immobilienagenturen: 55 Kvadrat, Fantastic Frank

7 Kommentare zu «Zu klein, zu voll, zu langweilig?»

  • Ursus sagt:

    Zu „Zu farblos“: Das Foto zeigt ein interessantes Konzept, das darin besteht, ein dunkler Eingangsbereich oder Gang dunkel zu gestalten, damit die abgehenden Räume (in hellen Farben) grösser erscheinen, als sie sind. Ein Trick, der gerade in kleinen Wohnungen Wunder wirkt, denn ein dunkler Gang bleibt dunkel, auch wenn er im weissesten Weiss gestrichen ist.
    Zu „Zu hoch“: Wirkt sehr gut in normalhohen kleinen Räumen, um sie breiter wirken zu lassen. Ein einzelnes hohes Regal oder ein Schrank zieht den Raum optisch in die Höhe.
    Zu „Wer staubt ab“: Blöde Frage, bei mir Zuhause mache ich das immer noch selber … ;)

  • Bufi sagt:

    Und täglich grüsst das Murmeltier.! In diesem Blog heisst das Murmeltier „abstauben“. Benutzen diese Abstaub-Phobiker etwa auch kein Besteck zum essen, weil sie es anschliessend in den Geschirrspühler stecken müssen? Oder lassen sie sich nach dem Duschen lufttrocknen, weil sie kein Badetuch waschen wollen? Bitterböse ich weiss, aber das musste einfach mal raus! Upppsssss….. Ich hoffe dieser Beitrag wird überhaupt freigeschaltet.

  • Came.Lia sagt:

    Jeden Tag eine neue Inspirationsquelle!!! Das finde ich einfach wunderbar! Ich darf mir daraus mitnehmen, was gefällt.
    Was mir nicht passt, kann ich beiseite lassen und mich nicht weiter damit beschäftigen :-) Das mache ich mit all den nörgelnden Kommentaren, die sich da manchmal sammeln…
    Daher: Danke, Frau Kohler, für die vielen kreativen Ideen und schönen Bilder!

  • Michael sagt:

    Meistens schreibt der Geldbeutel die Wohnungsgrösse vor… Was umgekehrt proportional zur Wohnungsgrösse ist, ist die Pflicht zum Aufräumen. Auch in kleinen wohnungen kann man sich wohlfühlen. Ein allseits bekanntes schwedisches Einrichtungshaus hat aktuell auch ein paar tolle Beispiele. Aber – alles ist dort aufgeräumt….

  • Robert Mächler sagt:

    Wer putzt eigentlich diese schicken Wohnungen?

    Ich würde mich nie so einrichten einzig aus dem Gedanken, das ganze jedes mal abstauben zu müssen.

    Die Bilder gefallen mir, aber mir das antun? Und zudem wohl auch nicht meine Einkommensklasse :-)

    • déjà-vu sagt:

      sie tun mir leid, nicht wegen der einkommensklasse. auch mit kleinem budget, aber dafür mit viel phantasie, lässt es sich gut einrichten. sie tun mir leid wegen ihrer spiessigen einstellung. pflegen sie denn ihre kleider auch nicht regelmässig?

      • Robert Mächler sagt:

        ich erachte mich nicht für (zu) spiessig, aber danke für die nette annahme, dass man gleich ein spiesser sein muss.. evtl. bin ich gebrandmarkt, weil meine frau alle paar monate wieder was verändern will, auf grund von idee, welche sie auf instagram etc. gesehen hat und ich die neuen löcher bohren muss und die alten flicken darf. wie gesagt, die bilder gefallen mir allesamt, aber für mich wäre es nichts. da habe ich andere prioritäten. und auf ihre schlussfrage, doch ich pflege meine kleider regelmässig. für mich ist kleider pflege wiederum etwas anderes, als pflege von, entschuldigen sie den ausdruck, schnick schnack. schöne grüsse

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