Verspielte Italiener

Sie sind charmant, brillieren mit Kreativität, zeigen sich mal feurig und temperamentvoll, dann wieder von der weichen und verlässlichen Seite – wir lieben sie und möchten am liebsten gleich mit ihnen zusammenziehen. Doch dafür müssen wir noch ein wenig warten, denn diese brandneuen Designermöbel wurden gerade eben erst an der Mailänder Möbelmesse vorgestellt und kommen im Herbst auf den Markt. 

 

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Mammas Liebling

Die neue Kollektion, die Paola Navone für Cappellini entworfen hat, ist verspielt, kokettiert mit der Memphis-Bewegung der 80er-Jahre und ist eine ganze Landschaft. Der Riesenpanda ist nicht etwa Dekoration, sondern eine Leuchte! Wichtige Elemente der Panda-Landscape-Kollektion sind verschieden hohe kubische, rot-weiss gemusterte Beistellmöbel auf dicken, runden Metallfüssen und schlichte Sitzmöbel, die individuell zusammengestellt werden können.

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Cool und Old School

«Kartell goes Sottsass» – die italienische Firma, bekannt für poppige Kunststoffmöbel und -objekte, liess den grossen italienischen Designer und Gründer der Memphis-Gruppe, Ettore Sottsass, noch mal aufleben. Mit einer Kollektion von Vasen und Objekten, die Sottsass 2004 für das Unternehmen entwarf, die aber nie produziert wurde. Nun sind Memphis und die 80er gerade wieder gross angesagt und Kartell nahm die Gelegenheit wahr und widmete Memphis die Ausstellungen am Salone del Mobile. Neben der Vasenkollektion von Sottsass zeigte Kartell auch bestehende und neue Möbel mit Memphis-Stoffen und liess zudem ein anderes Gründungsmitglied der Memphis-Gruppe, Alessandro Mendini, eine Uhr und einen Hocker für die neue Kollektion entwerfen.

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Brillant und schimmernd

Mit der neu entdeckten Liebe zu den 80er-Jahren wird auch Glas wieder wichtiger. Die Firma Glas beweist aber mit ihren neuen Kreationen, dass Glas heute anders, spannender und magischer aussieht als damals. Eines der zauberhaften Möbelstücke heisst Schimmer und ist von Patricia Urquiola entworfen. Es schimmert in unterschiedlichen Farben und bricht das Licht in allen Spektralfarben.

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Poppig mit viel Kunstaffinität

Als ich im Kindergarten war, haben wir oft die Joghurtbecher der Migros im Backofen geschmolzen und daraus Schmuck gemacht. Zuvor malten wir sie mit Neocolor an. Nach dem Schmelzen kamen psychedelisch anmutende bunte Amulette heraus. An das erinnerte mich der fantastische Stuhl Ella von Edra. Er ist natürlich Lichtmeilen entfernt von kindlichen Bastelfreuden, erinnert aber an die unbeschwerte Zeit der Seventies und an die Möglichkeit, Dinge zu lieben, einfach, weil sie ein bisschen verrückt sind! Gemäss dem Designer Jacopo Foggini erinnert seine sanfte Form an eine Tulpe. Er ist ein von Hand gefertigtes Einzelstück und jeder Stuhl ist anders und einzigartig!

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Gradlinig und innovativ

Wie der Stuhl von Edra steht auch das schicke kleine Pult Stadera von Franco Albini für Cassina auf einem Bein. Das ist ungewöhnlich, verstärkt aber die Leichtigkeit und Formstärke des Möbels und macht es zeitlos und modern. Entworfen wurde es von dem Architekten bereits 1954 und ist nun neu aufgelegt von Cassina. Erhältlich in edlen Materialien wie Esche, Marmor, Leder und Walnussholz.

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Rustikal und kein bisschen kleinkariert

In einer Zeit, in der das Handwerk wieder eine wichtige Rolle spielt, haben viele italienische Firmen wieder an Einfluss gewonnen und dominieren mit fantastischen Kreationen. Emmemobili ist eine davon. Sie hat sich vor allem dem Holz und dessen raffinierter Verarbeitung verschrieben. Die Möbel von Emmemobili sind immer auch kleine Kunstwerke, bestechen mit Schnitzereien, skulpturellen Formen und Intarsien. Ein tolles Stück, das mit gemütlicher Bergromantik kokettiert, ist das rot-weiss karierte Sideboard Rustica.

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Grosszügig und elegant

Elegante Linien, differenzierte Farben und gekonnte Kombinationen sind bei Flou zu finden. Die Firma hat den Schlafbereich geöffnet und zeigt edles, perfektes Design auch bei Wohnmöbeln. Ein wunderschönes Beispiel ist dieser Sessel aus schwarzem Stahlrohr mit Details aus Messing, edlem Leder und Pied-de-poule-gemusterter Wolle. Er ist Teil der Kollektion Iko, entworfen von Rodolfo Dordoni.

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Ein wenig ungehobelt

Die Welt von Mode und Design trifft sich gerne. Gewisse Reviererweiterungen gelingen nicht so ganz, andere sind ein sogenannter «Match made in Heaven» – zu den letzteren gehört die Homekollektion der Modemarke Diesel. Durch kreative Kooperationen mit etablierten Firmen im Wohnbereich hat sich Diesel gut in der Designwelt etabliert und zeigt immer wieder neue spannende Produkte. Im Möbelbereich arbeitet Diesel mit Moroso zusammen, bei der «Tableware» mit Seletti. Neu ist die Kollektion «Machine», bestehend aus Geschirr, Besteck, Vasen, Schalen, Kerzenständer und Gläsern. Die Formen sind Maschinenteilen nachempfunden, mahnen an Schrauben, Zahnräder oder Turbinen.

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Vielversprechend

Wenn Italiener Himmelbetten machen, dann werden Rüschen und Blümchen mit Holzrohr und Leder ersetzt. Das Bett Volare von Poltrona Frau ist wirklich zum Abheben schön und verbindet gekonnt Schlichtheit mit Luxus und Handwerk mit Klasse. Der Designer Roberto Lazzeroni hat das aussergewöhnliche Himmelbett entworfen und dafür edle Materialien wie Massivesche verwendet und die verschiedenen exklusiven Lederqualitäten, für die Poltrona Frau so bekannt ist. 

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Verspielt und anpassungsfähig

Neueditionen von früheren Entwürfen sind wichtige Bestandteile von vielen Kollektionen. Aber auch Erweiterungen von älteren Designs werden immer häufiger ausgearbeitet. Die Branche setzt damit auf bestehende Werte. Schöne Beispiele: die neue Farbigkeit des Regals Joy, das Achille Castiglioni 1989 für Zanotta entworfen hatte – tiefleuchtendes Weinrot und dunkles Blaugrün und ein charmanter Pied-de-poule-Wollstoff für den Sessel Susanna von Gabriele Mucchi aus dem Jahre 1983.

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WEICH, GROSS UND BLAU
Die 80er-Jahre sind überall wiederzuentdecken, so auch in brandneuen Designs wie dem Sessel Santa Monica, den Marcel Wanders für Poliform entworfen hat. Er hat alles, was den Stil der 80er ausmacht: das leuchtende Ultramarin, die breiten «Schultern», die stattliche Grösse, das Kubische, Dominanz und Weichheit.

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EXZENTRISCH UND ANDERS
Stühle sind beliebte Möbelstücke – irgendwie scheint man nie genug davon zu haben. Mit ihnen wird denn auch gerne herumexperimentiert und es entstehen oft spannende Neuigkeiten, wie der Stuhl Twig, den Nendo für Alias entworfen hat. 

 

 

 

 

 

 

6 Kommentare zu «Verspielte Italiener»

  • marion russek sagt:

    den gervasoni habt ihr vergessen‘

  • Lisa sagt:

    Kleinkariert bleibt kleinkariert.
    Und Pandabärenleuchten gehen zu Sylvester und Geburtstag. Also zweimal im Jahr.

  • Heidi Arn sagt:

    Mir gefallen die beiden Schimmer-Tische.

  • ri kauf sagt:

    Na ja. Ich weiss nicht. Finde es hat ein paar hübsche Sachen dabei wie Grosszügigi elegant aber auch einige Scheusslichkeiten wie eine Panda-Leuchte, ein zerknautschter Stuhl, ein kariertes Möbel und……

  • adam gretener sagt:

    Der Murano-Glas-Stuhl ist toll.

    • Gerd Fehlbaum sagt:

      Ja, der Glas-stuhl ist echt verspielt, wie im Titel angekündet UND SCHÖN. Der Rest bewegt sich zwischen „bemüht“ bis „schal“, Möbel ohne Charakter, wahrscheinlich obere Preisklasse, ideal für Familien, denen es nicht ums Spielen geht.

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