Dinieren in der rosa Wunderwelt

Essen in London ist mehr als bloss kulinarischer Genuss. Abgesehen davon, dass man schnell einmal neben einem berühmten Rockstar, einem Schauspieler oder sonst einer schillernden Persönlichkeit sitzt, sind die Einrichtungen von vielen Restaurants dramatisch schön. Ein tolles Bespiel dafür ist das Sketch.
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Nicht nur die  Interieurs von vielen Restaurants in London sind ein Erlebnis der glamourösen Art sind im Sketch gibt es auch noch Kunst, Kultur und tolles Design zu geniessen. Der rosa Diningroom des Restaurants Gallery im Sketch in London wurde vom angesagten britischen Künstler David Shrigley und der berühmten Interiordesignerin India Mahdavi eingerichtet und gestaltet. Er ist zum Abheben schön.

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Wer denkt, dass es nur zu den Zeiten des grossen Gatsby echten Glamour gab, war noch nie im Sketch in London. Das Sketch ist nämlich mehr als ein Restaurant. Es hat die glamouröse Gallery, diesen rosaroten Traum, um den es hier geht. Und es hat im selben Haus einen zweiten Gourmettempel, den Lecture Room fürs Diner, den gemütlichen Parlour für Frühstück und Lunch, die romantische Glade-Bar für gemütliche Nachmittagshäppchen und Cocktails. Gestaltet wurde diese Bar von den Künstlern Carolyn Quartermaine und Didier Mahieu (und übrigens hier auf Sweet Home zu sehen ist). Zudem gibt es im Sketch die ultramoderne East Bar mit DJ.

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In einem grossen Raum eines umgebauten Hauses aus dem 18. Jahrhundert isst man an kleinen Tischchen, sitzt dabei auf rosa Plüschsesseln und bewundert die Kunst von David Shrigley. In dem Haus an der Conduit Street im Nobelquartier Mayfair war übrigens einmal der Hauptsitz der königlichen Architekturgesellschaft einquartiert und das englische Atelier von Christian Dior. 

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Alles erinnert ein wenig an die glamourösen 20er- und 30er-Jahre, als sich in London die High Society mit den Bright Young People zu extravaganten Partys traf, der Champagner floss und alles ziemlich verrückt zu- und herging. 

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Die Architektur ist aus dem 18. Jahrhundert, die Einrichtung brandneu, die Kunst-Avantgarde und der Stil wie aus den Golden Twenties. Hinter dem Restaurantkonzept steht Mourad Mazouz. Der Sohn eines Berbers und einer Französin, der in den 90er-Jahren das berühmte Momo in London gründete und für dessen Eröffnungsparty keine geringere als Madonna einlud. Der rosarote Restauranttraum wurde diesen Juni eröffnet, in der Menükarte sind Gerichte zu finden wie Burger mit Rindfleisch und Foie gras, edle Fish and Chips oder Morchelravioli mit einer Andeutung von Kaffee. Berühmter Küchenchef ist Pierre Gagnaire.

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Selbstverständlich ist auch das Geschirr nicht ohne. Exklusiv für The Gallery entworfen von Künstler David Shrigley, vermittelt es eine schöne Portion Poesie. 

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Letzte Woche habe ich mit einer Freundin während des London Design Festival das wunderschöne Sketch ausprobiert und einen Abend in der glamourösen, rosa Welt genossen. Das Essen war fantastisch. Eine Vorspeise etwa hiess Chantilly Lace und war eine Kombination von schwarzem und weissem Reis, mit Rettichcreme und einer Hummerbisque. Als Hauptspeise probierten wir den Burger aus Rindfleisch und Foie gras, das Ketchup hiess «Sketchup» und war anstatt aus Tomaten aus Rüebli und Randen.

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Es hatte sehr viele Frauen im Sketch, hübsch gestylt, wie man es in London immer sieht, wenn Frauen ausgehen. Wir vermuteten, dass dies nicht nur an diesem Abend so war, sondern ganz einfach deshalb die Regel ist, weil Rosa uns magisch anzieht. Die Cocktails sahen aus wie Traumversionen aus Hollywoodfilmen der 30er-Jahre, die Kellner und Kellnerinnen trugen raffiniert geschnittene Overalls und Kleider aus hellgrauer Baumwolle. Dazwischen sorgten Herren in knappen braunen Wollanzügen, einer eleganten Interpretation des Oliver-Twist-Styles, dass alles reibungslos lief im grossen, sich immer wieder neu füllenden rosa Salon. 

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 Und wie könnte es anders sein, selbst die Toiletten sind todschick im Sketch. Man schreitet eine weisse Treppe hoch und befindet sich in einem grossen, schneeweissen Raum, in dem riesengrosse Eier stehen, jedes ein stilles Örtchen – oder besser: ein nicht ganz so stilles. Denn aus Lautsprechern in den Eierkabinen klingen Vogelrufe und Stimmen, damit nicht etwa peinliche Geräusche die Eleganz stören.

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Damit alles weiss and nice bleibt, putzt den ganzen Abend ein hübsches Mädchen in Dienstmädchenuniform – schwarzes Kleidchen, weisse Schürze und das obligate weisse Häubchen – den Toilettenbereich und die Treppe. Dienstmädchen sind sehr im Trend, sie sind sozusagen das neue, coole Accessoire! Sie werden nicht nur gerne in Modeproduktionen und Werbekampagnen eingesetzt oder live in schicken Restaurants – das Sketch war hier nicht das einzige –, sie sind generell vermehrt anzutreffen: So begegnen mir immer öfter auch hierzulande auf dem Hundespaziergang oder bei Besuchen weibliche Hausangestellte in Uniform, die sich um Kinder, Hunde und das allgemeine Wohl vieler Haushalte kümmern. Das Bild zeigt die Inszenierung einer Modeschau im letzten Jahr von Louis Vuitton in Paris, gefunden auf dem Blog This Is Glamorous.

11 Kommentare zu «Dinieren in der rosa Wunderwelt»

  • sally sagt:

    …hach, was war doch das für ein feeling im ei.
    das sketch ist immer einen besuch wert, egal zu welcher tageszeit!

  • Strebel sagt:

    Wir waren am Sonntagabend im Sketch. Es war herrlich! Genau so wie Sie es beschrieben haben.
    Ich geniesse Ihren Blog immer wieder und freue mich über jeden Beitrag. Kompliment!
    LG M

  • Anne M sagt:

    Mein Gott sind die hier streng im zensieren!

  • Veronica sagt:

    Technisch gesehen is es besser möglich in einer Rosa Welt zu leben als in einer Dunkelblau gestrichen/tapezierter Welt, wo man kaum etwas sehen kann. Aber ich denke dass ich aus beide Räume schnell wieder heraus eilen werde.

  • MM sagt:

    Frauen, studiert!!!! Dann müsst ihr keine rosa Treppen putzen – und vielleicht findet ihr dann auch sogar rosa gar nicht besonders schön, wenn ihr perfide Marketing-Strategien versteht….

  • Ellen sagt:

    Sieht ok aus. Für einen Besuch müsste ich vorher etwas Hübsches zum Anziehen kaufen. Fühlen sich da Männer auch wohl, bei all diesem rosa? Ich persönlich bevorzuge die Quartierbeiz.

  • Gratuliere zu diesem Beitrag! Habe gleich Lust gekriegt nach London zu fliegen. Ich staune immer wieder über die Vielfalt ihrer Beiträge. Jeder kann darin etwas finden, und manche sogar viel.

  • Heidi Arn sagt:

    Ich will die Toilette :-)

  • Erinnert mich sehr an die „Goldenen Zwanziger“ hoffe die Folgen dieser Zeiten werden 100 Jahre später nicht ähnlich wiederbelebt.

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