Natürlich wohnen

In der Schweiz haben wir das Glück, dass auch in den grossen Städten die Natur sehr nahe ist. Selbst durch die Industriequartiere von Zürich führen die schönsten Spazierwege am Fluss entlang und überall sind Bäume, Parks, Wiesen und wilde Tiere. Gleichzeitig aber wachsen auch bei uns die Hochhäuser, wird verdichtet gebaut, die Gärten verschwinden und die Fensterfronten an den Häusern wachsen ins Unendliche. Die Sehnsucht nach der Natur erwacht immer dann, wenn wir Angst um sie haben, und zeigt sich vor allem in unserer Beziehung zum Wohnen. Auf einmal schätzen wir wieder Holz, dem man ansieht, woher es kommt, wir finden Handgestricktes aus grober Wolle toll, Blumensträusse von der Wiese ziehen wir der Floristenkunst vor und unser Geschirr darf handgetöpfert aussehen. Wir mögen Rost und Steine, Felle und botanische Drucke, Darwins «Origin of Species» liegt auf dem Nachttisch und wir sammeln auf einmal Steine, Muscheln, Schwemmholz, stellen Schnurknäuel auf das Wohnzimmerregal und stapeln Cheminéeholz selbst, wenn wir es nur im Sommer zum Grillieren brauchen können. Wir achten aber auch vermehrt auf die Herkunft, die Verarbeitung und die Nachhaltigkeit der Dinge, die wir kaufen. So lassen wir uns nicht mehr alles aufschwatzen, wollen selber wählen, zahlen auch gerne etwas mehr für Qualität und Ethik und schätzen junges Design, frische Ideen und neue Geschäfte, bei denen wir mehr von den Produkten und ihrer Herkunft erfahren.

Bridiebrown
NEUE GEDANKEN
An Coco Chanel denkt man nicht unbedingt zuerst, wenn es um Wohnen und Naturliebe geht, doch dieses Zitat sagt viel über die Bedeutung des Wohnens aus und ist in dieser Wohnung auf eine so schöne, natürliche Art inszeniert, dass dieses Bild uns ganz einfach zum Nachmachen inspiriert. Egal, ob wir selber Zitate auf Spiegel drucken lassen oder ein solch schönes, kleines Stillleben bei uns im Entrée oder im Wohnzimmer mit edlen Wohnaccessoires, getrockneten Blumen und neuen Gedanken kreieren. Bild über: Brydie Brown.
eclectica
ZURÜCK ZUR EINFACHHEIT
Was braucht es denn mehr als eine gutes Bett, eine warme Decke und einen kleinen Abstellplatz? Schlafzimmer sind sehr persönlich geworden. Wir kaufen keine grossen Möbelkollektionen, bei denen Schrank, Bett, Nachttisch und Kommode zusammenpassen und das ganze Leben unverrückt im Raum steht. Erstens ziehen wir viel öfters um, unsere Familiensituationen sind unbeständiger geworden und wir empfinden solche Einrichtungen als eher belastend. Der neue Luxus sind die Beziehung zum Material, die Beschaffenheit der Dinge, die Details. All das kommt am schönsten zur Geltung, wenn wir einfacher denken und einrichten. Dieses Schlafzimmer zeigt auf eine schöne Art, dass wir bei weniger mehr Freude am Einzelnen haben. Bild über: Eclectica.
ma-cchiato 2
LUXUS IM KLEINEN
Natürlicher und bewusster wohnen bedeutet auch eine Neuinterpretation von Luxus und Komfort. Da kann schon mal eine festliche Tafel auf einer Abfallholzplatte gedeckt werden. Bild über: Macchiato.
eco design angelika annen
AUS ALT MACH NEU
Recycling ist ein wichtiger Bestandteil eines natürlichen Wohnstils. So gibt es Designer wie Piet Hein Eek, die Neues aus Altem schaffen, und Geschäfte wie Eco Design, die nur Dinge anbieten, die mit der Natur im Einklang stehen. Bild: Angelika Annen für Eco Design.
Madam Stoltz
AUF SPURENSUCHE
Die begehrtesten Wohnaccessoires sind nicht unbedingt neu und glänzend. Dinge, die Lebensspuren zeigen und uns so eine Geschichte erzählen, können sehr attraktiv sein. Blumentopf: Madam Stoltz.
Bohemian Wornest
ALLES, WAS MIR LIEB IST
Die neuen, natürlichen Wohnzimmer sind wie persönliche Scrapbücher. Hier steht alles, was uns lieb ist, was wir gefunden, gesammelt, selbst gemacht oder geerbt haben. Bild über: Bohemian Wornest.
Househome
IMPROVISATION IST STIL
Es ist oft das Zufällige, das am natürlichsten wirkt, so wird beim Wohnen denn auch vermehrt improvisiert. Palette geben schon mal ein Bett ab, das Schaffell wird zum Teppich, ein Baumstrunk zum Nachttisch und aus Holzresten entstehen neue Möbel. Bilder über: House Home.
Macchiato:First Home
SANFTE DETAILS
Natürlich wohnen bedeutet aber nicht, dass alles grob, roh und rustikal daherkommt. Auch das Sanfte, Diskrete gehört dazu: zarte Weisstöne, Helles, Federn, Transparenz, Kreide, ein alter Kronleuchter von Oma oder botanische Drucke aus einem alten Buch. Bild links über: Macchiato. Bild rechts über: First Home.
designtreveller
WOHNEN WIE IM GARTEN
Damit wir uns auch drinnen ein wenig wie draussen fühlen, helfen Gartenmöbel. Richten Sie sich eine Küche oder ein Esszimmer mit alten Gartenstühlen, Kisten aus dem Gartenhäuschen, Pflanzen und Blumen ein. Das ist einfach, unkompliziert, hat Charme und kostet wenig. Bild über: Design Traveller.
eco
NEUES ENTDECKEN
Gehen Sie ein wenig auf die Suche nach neuen Geschäften und interessanten Designern. Da ist in Zürich zum Beispiel Eco Design einen Besuch wert. Das junge Unternehmen führt einen Showroom im Zürcher Binz-Quartier und zeigt tolle Möbel und Wohnaccessoires von Designern wie Piet Hein Eek, Loyal Loot oder Debbie Wijskamp. Bild: Angelika Annen für Eco Design.
hundm home
FRISCH VOM GEMÜSEMARKT
Küchen werden mit Körben und Kisten, Leinenwäsche und viel frischem Marktgemüse belebt. Das hat auch H&M als Trend entdeckt und zeigt alte botanische Drucke auf Tischwäsche. Bild: H&M Home.
IP
FREUDE AN DER BOTANIK
Die Botanik fasziniert immer mehr. Man will nicht einfach die Yuccapalme vom Supermarkt ins Wohnzimmer stellen, sondern selber säen, pflanzen und ernten. Und das nicht nur in Stadtgärten auf Terrassen und Balkonen, sondern auch im Wohnzimmer. Bild über: Interiors Porn.
first home
WIR SAMMELN WIEDER
Und zwar keine Swatchuhren oder Kaffeerahmdeckeli, sondern Kuriositäten, Schwemmholz, Muscheln, alte Bücher, Fadenspulen, Nüsse, Herbstblätter und mehr. Denn all das gibt unserem Zuhause eine Verbindung zu grösseren Dingen, zur Vergangenheit, der Natur und zu Geschichten. Bild über: First Home.
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DIE SCHÖNHEIT LIEGT IM AUGE DES BETRACHTERS
So finden wir denn auch wieder die Schönheit im Alltäglichen und Schnüre, Werkzeug, Draht oder Haushaltsgeräte dürfen wieder vorne aufs Regal und uns mit ihrer Schlichtheit und Funktionalität erfreuen. Bild über: Verora.
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CHEMINÉEHOLZ ALS WARMMACHER
Holz lieben wir besonders, da werden auch Holzstapel schon mal zum Einrichtungselement, auch wenn wir kein Cheminée haben. Ein schöner Holzstapel bringt ganz einfach Wärme und Wohnlichkeit ins Haus. Bild über: Brown Dress With White Dots.
hans blomquist
NATÜRLICHES STYLING
Der schwedische Stylist Hans Blomquist versteht wie kein anderer, die Natur im Haus aufs Schönste zu inszenieren. Seine Stylingideen finden wir in Katalogen und Büchern und immer wieder auf vielen Interiorblogs im Netz.
Buchtipp
SWEET-HOME-BUCHTIPP
Wer Ideen und Inspirationen für ein natürliches Zuhause sucht, findet diese im neuen Buch von Hans Blomquist: «The Natural Home», erschienen im Verlag Ryland Peters & Small.
sdvnoS
SWEET-HOME-SHOPPINGTIPP
Das junge Zürcher Geschäft Edition Populaire, hinter dem die Interiorstylistin Aleli Leal mit Partnern steht, bemüht sich besonders gut darum, formschöne, gut verarbeitete und unter guten Bedingungen produzierte, edle Alltagsgegenstände zu suchen und zu verkaufen. Die Besitzer haben erst kürzlich ein neues, grösseres Ladenlokal an der Geroldstrasse 23 bezogen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Viele der tollen Teile, wie hier die Emaildose und das Leinentuch, kann man aber auch über den Webshop bestellen, beide Artikel sind übrigens auch gute Mitbringsel oder Geschenke.

Keine Kommentare zu «Natürlich wohnen»

  • Marcel Zufferey sagt:

    Also das improvisierte Bettgestell aus Euro-Paletten finde ich jetzt saugut! Es gibt übrigens auch behandelte Paletten, da kriechen keine Käfer und Spinnen mehr aus allen Ritzen.

    • Trisha sagt:

      Werden denn diese Paletten nicht mit Gift behandelt, damit keine Käfer und Spinnen mehr aus allen Ritzen kriechen? Ist dieses Gift nicht gefährlich?

      Sehr schöne Bilder!

    • Markus sagt:

      Das sind keine Euro-Paletten, sondern solche, die deutlich leichter wirken (sind wohl auch schwieriger zu bekommen). Trisha hat natürlich recht: Mit alten Recyling-Sachen „aus der Fabrik“ holt man sich oft auch allerlei Gifte ins Haus. Ob man das will, muss jeder selber entscheiden.

  • barbara seiler sagt:

    natürliche Materialien sind toll, ich liebe sie und ziehe sie Plastikprodukten allemal vor, wo immer möglich und sinnvoll.

    Aber das muss doch nicht heissen, dass alles aussieht, als ob es
    a) direkt aus dem Wald kommt oder
    b) dito vom Sperrmüll oder
    c) in einen weissen Farbtopf gefallen ist?

    sowas hier
    http://www.linkparis.com/images/marie-antoinette-bedroom-versailles.jpg
    besteht auch aus rein natürlichen Materialien…

    und, etwas weniger bling bling, das auch:
    http://www.innenarchitekten-in-berlin.de/berlin-moebelstile/biedermeier/berlin-biedermeier-moebel.jpg

  • Filo Sof sagt:

    Der Blumentopf mit Pflanze im hohlen Baumstamm – ein wunderschöner Hingucker! Auch nochwas Schönes gesehen: einige lange Hagebuttenzweige mit den roten Früchten dran in eine vierkantige Glasvase (ohne Wasser) locker hineingeschlängelt – macht was her!

  • Bine sagt:

    einen Holzstapel ins Haus…

    Wer mit Holz heizt, weiss um die Bestimmungen- es darf nurnaturbelassenes Holz in den Ofen.
    Viel Spass mit Staub, Spinnen und Sägemehl in der Wohnung ;-)

  • Susanne sagt:

    Die Idee mit dem Palettenbett habe ich vor Jahren umgesetzt, leider wurde die Matratze schimmlig – evtl. waren die Paletten nicht ganz trocken oder zuwenig Unterlüftung – bzw zu breite Bretter der Palette (es war nur unter den Holzbrettern schimmlig)

    Noch ein Tipp für eine wunderschöne, mollige Wolldecke, die ich letzthin in England erstanden habe:
    http://shop.nationaltrust.org.uk/products/light-green-herringbone-rug/288/

    es lohnt sich im shop vom National Trust zu stöbern, sehr schöne Sachen – der National Trust is so was ähnliches wie das Heimatwerk – mit Hauptziel schöne alte Landhäuser zu erhalten und unterhalten –

  • Sherlock Holmes sagt:

    Ich habe Mühe mit dem Begriff „zurück zur Einfachheit“: Geht in eine ähnliche Richtung wie „retour à la nature“: Die menschliche Entwicklung ist meines Erachtens durchgehend weg vom Simplen zu mehr Funktionen, mehr Schmuck, etc. . Deshalb ist die Richtungsangabe falsch. Wer jetzt Apple als Gegenbeispiel auflistet, dem halte ich den wachsenden Funktionsumfang von z.B. iTunes entgegen. Einfachheit war fast immer durch äussere Umstände aufgezwungen, auch was das Material angeht. Die dargestellten Produkte sind mehr ein Auswählen aus einem Repertoire an unendlich vielen Möglichkeiten, die wir heute haben. Darin liegt die Herausforderung eines guten Gestalters, das Richtige zu kombinieren oder noch viel wichtiger das Unnütze wegzulassen. Dieser Prozess ist meines Erachtens zeitlos und auch nicht rückwärtsgerichtet, sondern reflektiv.

    • Filo Sof sagt:

      Sherlock Holmes: Sie scheinen trotz Lupe und Pfeife auf den Holzweg geraten zu sein. Was faseln Sie da von technischen Sachen? Wir sind hier, um die Schönheiten der Natur zu suchen und uns daran zu erfreuen. Gehen Sie woanders hin mit Ihren hochgestochenen Feststellungen der Tatsachen.

  • Dani Meier sagt:

    ich hoffe fest die Bauwut hört nächstens auf. Die Natur selbst ist auch durch die schönste Einrichtung nicht zu ersetzen.

  • Sara sagt:

    …wie schade aber auch, dass H&M in der Schweiz keine Home-Abteilung führt.

  • Filo Sof sagt:

    Wunderbar, unbezahlbar, unübertrefflich die natürlichen Sachen! Vielen Dank!

  • Rima sagt:

    …ach, ist das schön! SO liebe ich es! bin ganz begeister von ihrem beitrag!

  • Inge Looser sagt:

    Kein Wunder, wird das Wohnen wieder natürlicher. Zurück zur Natur! Indem wir immer mehr zubetonieren und verdichtet bauen, verschwindet die Natur immer mehr aus unserer unmittelbaren Umgebung. Kalte und unpersönliche Wohnungseinrichtungen gefallen nicht wirklich, auch wenn uns das viele Hochglanzmagazine glauben lassen. Persönlichkeit ist gefragt, auch beim Wohnen und gerade beim Wohnen. Die Wohnung ist schliesslich unser persönlicher Rückzugsort.
    Holz und natürliche Materialien sorgen für unser Wohlbefinden und nicht Stahl und Chrom.

    • claudia sagt:

      Es kommt ganz darauf an, was man für ein Typ ist. Wir haben unser ganzes Haus nach Feng Shui eingerichtet und da mein Mann und ich vom Typ her kein Holz brauchen, haben wir ausser einem grossen Holztisch überhaupt keine Holzmöbel zuhause sondern viel weiss und Metall. Ich bin ein Erdtyp und brauche Metall. Wir haben überhaupt viel weiss und blau.
      Auch ein Cheminee im alten Haus war nie in Betrieb, da wir beide kein Feuer brauchen. Am besten man richtet sich so ein, wie man sich wohlfühlt, automatisch werden Materialien oder Farben so ausgewählt die man selbst braucht.

      • Veronica sagt:

        Hm, ich meinte Metall wird von Erde genährt. Wenig Metal schadet nicht, vieles ist nicht gut. Erde wird von Feuer genährt, sie sollen das Feuer nicht meiden. Und für sie nur wenig Holz, denn Holz neigt zum Erde vernichten. Vielleicht nicht als zentralen Tisch sondern einige kleines Tischlein oder Blumenkasten oder Bilderrahmen. Alle Elementen mussen da sein, sie vertreten auch andere Sachen wie Freundschaft und Carrière.

    • Markus sagt:

      Kleine Anmerkung @Inge Looser: verdichtet bauen heisst, dass weniger zubetoniert werden muss, da man auf der betonierten Fläche mehr nutzbaren Raum unterbringt (sowie allenfalls auf ein paar artifizielle Grünflächen, die meines Erachtens nichts mehr mit Natur zu tun haben, verzichtet). So hat es am Ende jeder näher in die richtige Natur.

  • Philipp Holzmichelrittermann sagt:

    ja aber frau kohler – bild 2: ist das das schlafgemach herrn pfarrer sieber’s? ein gehäkelter bettüberwurf, auf dem kissen ein kreuz und ein baumstumpf als nachttischchen….!? das einzige was mich zweifeln lässt ist der bildausschnitt mit den damenbeinen links oben.
    das cheminéholz macht sich tatsächlich immer gut – ob im innern oder (praktischerweise) an der hauswand aufgeschichtet – hier aber achtung – auf die „dampfsperre“ achten, da sonst die hauswand schaden nimmt. ansonsten bin ich auch ein freund des „hölzigen“ – es vermittelt einfach mehr wärme als das ganze moderne beton-zeugs.
    übrigens – „lebt denn der alte holzmichel noch – holzmichel noch – holzmichel noch…..!?“

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