Kleines Chalet – grosser Stil

Die Interiordesignerin Claudia Silberschmidt hat ihr Ferienhaus in Arosa so cool und cosy eingerichtet, dass man am liebsten gleich bleiben möchte.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Mit einem hübschen Chalet aus den Siebzigerjahren hat sich Claudia Silberschmidt einen Kindertraum erfüllt. «Hier fühle ich mich so richtig daheim» erklärt sie mir, als wir über eine Homestory bei ihr sprachen. «Es hat auch damit zu tun, dass es uns gehört und ich alles genau so machen konnte, wie ich wollte.» Sonst lebt die gebürtige Appenzellerin mit Ehemann Peter und Tochter Lara in Erlenbach.

Zu Arosa hat sie eine tiefe Verbundenheit. Ihr Vater ist hier aufgewachsen, und sie verbringt bereits seit ihrer Kindheit viel Zeit hier. Ihr Chalet kennt sie schon seit 25 Jahren, denn es gehörte den Eltern von Freunden von ihr, die es vor drei Jahren verkauften. «Das war ein Glück, denn es ist sehr schwierig, etwas so Schönes noch zu finden», schwärmt die glückliche Hausbesitzerin. Das Haus liegt ideal: fern von der Strasse, direkt an der Skipiste, umgeben von anderen Chalets und schönen Nadelbäumen.

Die Gründerin des Designstudios «Atelier Zürich» hat so renommierte Einrichtungs- und Umbauprojekte realisiert wie das Hotel Beausite in Zermatt, das Casino in Bern oder das Restaurant und die Bar Razzia in Zürich. Sie ist die bedeutendste Interiordesignerin und Innenarchitektin der Schweiz und ist international bekannt und begehrt. Beim Ausbau und der Einrichtung ihres eigenen Chalets ist sie gleich vorgegangen wie bei ihren anderen Objekten. Sie geht nämlich von dem aus, was schon da ist, versucht, so viel wie möglich zu bewahren und zu integrieren, um somit den Räumen den ursprünglichen Charakter der Zeit und der Architektur zu lassen. Bloss macht sie das mit viel Mut, grosser Stilsicherheit und einer ganz eigenständigen, freundlichen Interpretation von Wohnlichkeit und Eleganz. 

«Vieles, das schon im Chalet war,

habe ich gelassen und

auf meine Art integriert.»

Claudia Silberschmidt

So hat die Designerin bei ihrem Ausbau die bestehenden Klosterputz-Wände und die Kassettendecke aus Holz in einem dunklen, warmen Grau überstrichen. Der Kassettendecke hat sie noch kokette, taubenblaue Highlights verliehen. Das ganze Haus bekam diesen grauen Anstrich, inklusive Decken und Holzwerk. Damit hat sie es sehr wohnlich und elegant gemacht. «Viele können sich nicht vorstellen, dass dunkle Wände gemütlich sind. Doch gerade kleinen Räumen verleihen sie Tiefe, Wärme und ein elegant kuschliges Wohngefühl.»

Aus einer klitzekleinen Küche, dem Wohn- und dem Esszimmer hat die Interiordesignerin den sehr gemütlichen grossen Wohnraum mit offener Küche kreiert. Er ist das Zentrum des Hauses. Überall leuchten farbige Einzelstücke und Details heraus und bringen Fröhlichkeit. Der Teppich und die Bank sind aus der hauseigenen Kollektion Navajo. «Das Chalet trägt den Namen Winnetou», lacht die grosse Indianerfreundin Claudia. Die warmen Orangetöne nehmen das Seventies-Thema auf eine frische, warme Art auf. Auch das grosszügige Sofa von Living Divani und der glamouröse kupferne Würfeltisch kokettieren mit dieser Dekade. Letzterer ist von Paul Kelley und besteht aus magnetischen Würfeln, die man so zusammenfügen kann, wie man möchte. 

Die Fenster im ganzen Wohnraum sind in Form und Grösse original. Aber sie wurden von Doppelflügelfenstern in Panoromafenster verwandelt. So ist die idyllische Aussicht in die Schneelandschaft ein wichtiger Teil des Raumes.

«Ich wollte auf keinen Fall

Hirschgeweihe und Alpenchic-Klischees.»

Claudia Silberschmidt

Fell und Leder aber findet man. Natürlich zeigen sich diese ganz und gar nicht im typischen Alpenchic. Blaues Wuschelfell ziert als Bezug den femininen leichtfüssigen Sessel von Baxter. Aus Wildleder entdecken wir raffinierte Details wie zum Beispiel die langen roten Fransen am Lampenschirm. Das Sofa ist mit einem edlen, grob gewobenen Leinenstoff mit Fischgratmuster von Andrew Martin bezogen. «Ich habe diesen Stoff auch für die Vorhänge und Rollos im ganzen Haus gewählt. Das bringt eine ruhige Basis, da ja sonst so viel geschieht», verrät die Designerin ihren Trick.

Denselben Stoff in einem mandarinfarbenen Colorit hat sie für die gepolsterte Eckbank am Esstisch eingesetzt. Auch den Tisch hat sie selbst entworfen. Inspiriert dazu haben sie Holzbeigen im Dorf. Auf dem Tisch steht eine fröhliche Papageienleuchte, die Claudia Silberschmidt, wie viele Accessoires und Möbel, in ihrem Geschäft Frohsinn verkauft. Dieses befindet sich im Zürcher Seefeld, vis-à-vis vom Restaurant Razzia. Hier findet man auch viele Eigenkreationen, die zum Teil während grosser Einrichtungsprojekte entstanden sind, wie etwa die Navajo-Kollektion oder goldene Ledersachen. Die Idee dazu ist ihr gekommen, weil Kunden sich goldene Spiegel und Accessoires in ihrer Wohnung wünschten. 

Die lange Küchenzeile ist schwarz. Ein Teil davon hat Vorhänge statt Türchen, was hilft, dass alles weicher und wohnlicher wirkt. Die Zierkissen sind wie auf dem Sofa aus zwei verschiedenen Stoffen: Einer ist der gleiche Stoff wie der Bezugsstoff, der andere ein passender Streifenstoff. 

Dass helle Fichtenholz des Tischs korrespondiert mit dem Fichtenboden. «Eigentlich wollte ich auch den ursprünglichen Tonplattenboden behalten, was meine Familie nicht begeisterte. Doch die Platten haben sich beim Umbau gehoben, und ich musste mich sozusagen in letzter Minute für einen neuen Boden im Wohnraum entscheiden. Die alten Holzböden in den Schlafzimmern habe ich gelassen.» Alles neue Holz ist hell, und das alte Holz, wie von einigen Böden, Türen und Gebälk, hat die Designerin nicht nur dunkel gelassen, sondern gar noch stärker verdunkelt.

Im gleichen Schwarz und Finishing wie die Küche hat sie eine grosse Regalwand eingebaut, die sich bis zum Cheminée zieht. Sie bietet Platz für alles. Claudia wollte unbedingt Feuer machen, denn sie liebt das Feuern und verrät uns, dass die Familie oft im Cheminée grilliert. An dem Montag, an dem wir für die Homestory nach Arosa fuhren, sind Claudias Mann und ihre Tochter bereits wieder zurück an der Arbeit und in der Schule, aber Claudias Eltern sind da. Die Stube tut das, was eine gute Stube am besten kann. Sie füllt sich mit gemütlichem Geplauder, knisterndem Cheminéefeuer und wohligem Duft von brennendem Holz. Wir geniessen Alpkäse, Schwarzbrot und Ingwertee und hören den Familiengeschichten und Claudias spannendem Lebenslauf zu.

Schon Claudias Urgrossvater war im selben Berufszweig. Er hat als Architekt das Hotel Valsana in Arosa gebaut. Den Vater führte später sein Beruf als Architekt ins Unterland, genauer gesagt nach Herisau, wo Claudia Silberschmidt aufgewachsen ist. Nach Studienjahren in St. Gallen und New York hat die Innenarchitektin in renommierten Architektur- und Designbüros gearbeitet und 1999 dann ihr eigenes Innenarchitekturbüro «Atelier Zürich» in Zürich gegründet. Sie richtet nicht nur Hotels, Restaurants und andere öffentliche Gebäude ein, sondern auch private Wohnungen und Häuser. Dabei ist sie immer auch für den Ausbau oder Umbau verantwortlich.

Im Moment ist sie an den letzten kleinen Details einer Wohnungseinrichtung im Seefeld. Zudem berät sie als Designverantwortliche die Bauherrschaft des The Circle im Flughafen Zürich. Auf ein Projekt freut sie sich als Frauenbüro ganz besonders, sie plant den Umbau des Club Baur au Lac in der Villa Rosau. «Das ist ein exklusiver Herrenclub!», erklärt sie. 

Auch aussen hat das Chalet einen warmen, grauen Neuanstrich bekommen. So hebt es sich frisch vom weissen Schnee ab. 

«Die Sgraffitomuster, die Fenster

und Türen umrahmen,

leuchten mit der neuen Fassadenfarbe

wunderschön heraus.» 

Claudia Silberschmidt

Bereits beim Eintritt wird Claudia Silberschmidts cooler cosy Wohnstil erkennbar. Ein altes kleines Kutscherbänkli, das schon im Haus war, empfängt zum Taschenabladen oder Schneeschuhewechseln. Hinter einem grossen, schweren Vorhang befinden sich die Garderobe und viel Stauraum. Ein Volant und lange Lederfransen vervollkommnen und veredeln den Vorhang. 

Die Treppe in die obere Etage ist neu gemacht und ein bisschen verschoben platziert. So hat das Schlafzimmer mehr Privatsphäre bekommen. Gerahmt, wie ein grosses Bild: echter indianischer Federschmuck. 

Der Master Bedroom im oberen Stock ist nicht gross, wirkt aber dank dem hohen Bett grossartig. Die Schränke waren schon drin und bekamen, wie der Rest des Hauses, einen warmen, dunkelgrauen Anstrich. Innen ist das Arvenholz roh belassen, sodass der Schrank immer noch danach duftet. Das Gebälk wurde leicht verdunkelt und zeigt ein sinnliches Schokoladenbraun.

Strukturen und Texturen sind für Claudia Silberschmidt ein wichtiges Gestaltungselement. Sie hat die ursprüngliche Textiltapete gelassen und einfach überstrichen. Als Nachttischchen dienen traditionelle, alte Arvenmöbelchen. Über der Keramikleuchte hängt Kunst von Christoph Eisenring.

Das grauweisse Webmuster des Teppichs ist verwandt mit dem im ganzen Haus eingesetzten Leinenstoff von Andrew Martin. Solche textilen Muster hat Claudia auch als gedruckte Tapeten in den Toiletten eingesetzt. So ist eine Toilette «gestrickt» und eine andere «handgewoben». Der Einbauschrank war bereits drin. Er hat die typischen Atelier-Zürich-Lederquasten bekommen. Diese hat Claudia für die grossen Leuchter im Zürcher Restaurant Razzia entworfen. Aus Not, sozusagen, erzählt sie mir, denn echte Posamenten sind sehr teuer. Und zudem mag sie Wildleder persönlich sehr. Es passt ja auch gut in ein Chalet, das Winnetou heisst, aus den Seventies ist und eine Indianerfreundin als Besitzerin hat. 

Elegante Wohnlichkeit zieht sich im Chalet Winnetou bis in die Bäder. Sie sind warm beleuchtet und zeigen auf kleinem Raum Grosszügigkeit. Eine Spur Humor ist auch immer dabei. So hat die meergrüne Badewanne einen farblich passenden Theatervorhang.  

Geschickt wird auch der Korridor als Raum genutzt. Hier hat es Platz für ein Lavabo, ein hübsches kleines Beautyregal aus Holz, Kunst und Wandleuchte. 

Im untersten Stockwerk befinden sich zwei Schlafzimmer. Dieses hier gehört Lara. Die halbrunden Fenster sind hier original geblieben. Körbe, Schaffelle und eine Lederkommode mit dekorativem Nietenmuster sind entspannte Gemütlichmacher im Teenagerzimmer. 

Das zweite Schlafzimmer ist ein Gästezimmer. Auch im unteren Stockwerk liess die Interiordesignerin Badezimmer und Toilette einbauen. Die Böden sind mit Webteppichen ausgelegt.

Claudia Silberschmidt auf dem Netz: 

Atelier Zürich
Frohsinn

Instagram: 
@atelier_zuerich
@happyfrohsinn

4 Kommentare zu «Kleines Chalet – grosser Stil»

  • Peter sagt:

    Das gefällt mir sehr, weil es so eigen ist. Mal kein 0815.

  • Viviane sagt:

    Wunderschön. Ich bin total Fan von Claudia Silberschmidts Stil. Für mich die beste Innenarchitektin in der Schweiz. Was mich allerdings negativ überrascht hat, ist, dass sie sich für den Esssaal im Hotel Beausite in Zermatt für den Totallook in Rosa entschieden hat. Habe mich im Vorbeigehen verwundert, wieso es neben den schönen Missoni-Stoffen noch Wand und Decke in Rosa braucht und hier auf dem Blog erfahren, dass sie für das neue Interior verantwortlich ist. Bin aber überzeugt, dass der Rest im Hotel Beausite fantastisch gestylt ist :-).

  • Marusca sagt:

    Es ist gerade der ein oder andere Kompromiss, der diesem zauberhaften Haus den ganz besonderen Flair verleiht. Wunderschön!

  • filosof sagt:

    Zauberhaft, genau mein Geschmack! Das Sgraffitomuster an Türen und Fenstern wirkt einladend, fröhlich und erinnert an filigranem Zuckerguss. Bei dieser Inneneinrichtung würde ich mich sofort wohlfühlen. Einzig die dunklen Decken würde ich weiss streichen. Dunkle Decken schlucken viel Licht. Abends ist es sehr schummrig, da helfen noch so viele Lampen nicht, das kenne ich. Aber die einen mögen das, die anderen bevorzugen gut ausgeleuchtete Wohnräume.

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