Grossartige Rezepte rund um grosse Namen

Die Schweizer Foodbloggerin Nicole Giger würzt ihr Kochbuch «Ferrante, Frisch & Fenchelkraut» mit Weltliteratur.

«Ferrante, Frisch & Fenchelkraut»

Viele gute Kochbücher beginnen mit einem Blog. So auch das neue Schweizer Kochbuch der Germanistin, Journalistin und Bloggerin Nicole Giger. Sie lancierte ihren Foodblog «Mags Frisch» vor etwa fünf Jahren. «Auch der Sweet-Home-Blog hat mich dazu inspiriert», verrät sie mir, «denn durch ihn habe ich schon früh viele andere Foodblogs entdeckt und wurde angeregt, auf diese Art einen Platz für meine beiden grossen Leidenschaften zu schaffen, dem Kochen und dem Lesen.»

Ihr erstes Kochbuch «Ferrante, Frisch & Fenchelkraut» macht grosse Lust auf spannende Geschichten und fantastische Gerichte. Ich habe Nicole im Zürcher Kafi Schnaps getroffen, dem Ort, wo sie einen grossen Teil des Buches geschrieben hat, und mit ihr über das Leben, das Lesen, das Kochen und ihr wunderbares Buch gesprochen. Dabei verrät sie auch einige Rezepte aus dem Buch und viele persönliche Tipps. 

«Ich liebe griechische Tragödien und Moussaka; Birne mit Käse essen ist wie Rilke lesen, Herbst ohne Kürbis wie Leonce ohne Lena, und Schnitzler ziehe ich jedem Schnitzel vor.»

Nicole Giger

Martini, Tomaten und Dorothy Parker

Das Buch ist mein persönlicher Liebling der neueren Schweizer Kochbücher. Das, weil es im Gegensatz zu vielen anderen sehr sinnlich ist und auch noch grosse Lust zum Lesen macht. So führt Nicole Giger mit spannenden persönlichen Texten zu ihren Rezepten. Sie macht damit nicht nur Lust, ihre einfachen, aber besonderen Rezepte nachzukochen, sondern auch, das eine oder andere Werk aus ihren Favoriten der Weltliteratur zu lesen oder wiederzulesen. So widmet sie etwa ihre «Pasta al Martini» Dorothy Parker: 

«Hätte ich ein Dinner mit einer Berühmtheit der Zeitgeschichte zugute – ich würde Dorothy Parker wählen. So viel Witz und Scharfsinn, und dann erst noch der gute Geschmack. Ihre Vorliebe für Martini wüsste ich auch zu teilen und notabene auch zu verkochen: Spaghetti al Martini – die funktionieren ähnlich wie die weitaus bekannteren Penne alla Vodka, stehen der grossen Schwester aber in nichts nach.» Nicole Giger zum Rezept «Pasta al Martini»

Sie kam über die Liebe zum Essen zum Kochen: Nicole Giger, die Autorin des Kochbuchs «Ferrante, Frisch & Fenchelkraut», AT-Verlag, Aarau 2019. 320 S., 36.90 Fr.

Nicole, dein Buch ist viel mehr als eine Rezeptesammlung.
Was mich am Essen besonders reizt, sind die Geschichten hinter den Rezepten. So schreibe ich, wie im Blog, auch über die Herkunft der Speisen und die Traditionen. Dabei sind auch Anekdoten, Erinnerungen, Reiseerlebnisse und viele Ideen und Anregungen. 

Hast du schon immer gerne gekocht?
Ich habe vor allem immer gerne gegessen. Schon als Kind wollte ich jeweils wissen, was es denn zum Znacht gibt. So konnte ich mich den ganzen Tag darauf freuen oder bei einem Gericht, das ich nicht so mochte, schauen, dass ich bei einer Freundin zu Hause eingeladen wurde. So kam ich über die Liebe zum Essen zum Kochen. 

Wo gehst du in Zürich am liebsten einkaufen?
Sozusagen vor dem Haus. Ich wohne in Oerlikon, gerade am Marktplatz. Im Sommer machen wir am Samstagmorgen gerne das Fenster auf und freuen uns an den lauten und fröhlichen Marktgeräuschen. Für mich ist der Markt in Oerlikon der authentischste Markt in Zürich. Ich kenne viele Anbieter und weiss, woher die Zutaten kommen und was dahintersteckt. Auch liebe ich die persönlichen Gespräche. Dabei bekomme ich wertvolles Insiderwissen und viele Inspirationen. Und wenn zum Beispiel eine Marktfrau mit Leidenschaft von einem bestimmten Produkt schwärmt, schwelge ich mit und koche dann damit.

Und was kaufst du momentan gerne ein?
Kürbis! Ich liebe dieses Herbstgemüse, da es so wundervoll vielfältig ist und fantastisch schmeckt. Meine Favoriten sind der Knirps und der Butternuss-Kürbis.

Geröstetes Herbstgemüse mit Kürbis und Rosenkohl

Kurt Tucholsky hasste anscheinend Rosenkohl. Nicole Giger beweist mit diesem Gericht, dass der «Bonsai-Kohl», wie sie ihn nennt, durchaus Chancen hat, zu einem Publikumsliebling zu werden.  

Zutaten für das Ofengemüse:

Zubereitung Ofengemüse:

500 g Rosenkohl

½ Spitzkohl

2 kleine Butterrüben

1 kleiner oranger Knirps (Kürbis)

2 Birnen

4 EL Olivenöl

1 EL Zitronensaft, frisch gepresst

grobkörniges Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

½ Bund frischer Thymian, Blätter abgezupft

1–2 TL flüssiger Honig

Vom Rosenkohl den Stielansatz entfernen, den Spitzkohl in Schnitze schneiden, die Butterrüben schälen und in Schnitze schneiden, den Kürbis ungeschält in Schnitze schneiden, die Kerne entfernen. Die Birnen vierteln und das Kerngehäuse entfernen.

Das Gemüse und die Birnen auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. Mit Olivenöl und Zitronensaft beträufeln, mit Salz und Pfeffer würzen, mit dem Thymian bestreuen und den Honig darüberträufeln. In der Mitte des auf 170 Grad vorgeheizten Ofens mit Umluft 45 bis 50 Minuten garen.

Zutaten für das Sanddorn-Dressing:

Zubereitung Sanddorn-Dressing und Fertigstellung:

1 EL Sanddorn-Konfitüre

1 EL weisser Balsamico-Essig

3 EL Haselnussöl

2 EL griechischer Joghurt

1 TL grobkörniger Senf

1 TL flüssiger Honig

grobkörniges Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

 

Für das Dressing Sanddorn-Konfitüre, Balsamico, Haselnussöl, Joghurt, Senf, Honig, Salz und Pfeffer mit dem Stabmixer mixen, sodass ein sämiges Dressing entsteht.

Das fertig gegarte Ofengemüse mit dem Sanddorn-Dressing beträufeln und mit frischem Brot servieren.

Tipp: Viele Kürbissorten lassen sich bestens ungeschält geniessen. Bei Knirps und Butternuss können Sie sich die Arbeit also sparen.

Im lebendigen und charmanten Zürcher Kafi Schnaps, in dem Nicole Giger einen grossen Teil ihres Kochbuches geschrieben hatte, trafen wir uns zum Interview. Foto: MKN

Nicole, was isst du am liebsten?
Erst kürzlich habe ich ein Haute Cuisine Dinner genossen. Das grosse Sternekochen ist natürlich sehr fein, aber als ich dann kurz darauf in Andalusien in einfachen Kneipen Tapas gegessen habe, hat mir das viel mehr Freude gemacht. Einfache Kost mit lokalen Traditionen und Zutaten zubereitet ist für mich Kulinarik vom Besten. 

Die Weihnachtszeit naht, zu welchen grossen Festessen lädst du ein?
Ich finde eine Tavolata immer eine gute Idee. Wenn der Tisch voll ist mit Köstlichkeiten und jeder sich aus der Fülle bedienen kann, ist das ein grosses Fest. 

Was hast du immer im Kühlschrank?
Datteln. Im türkischen Feinkostgeschäft, wo ich meine kaufe, werden diese auch im Kühlschrank aufbewahrt. Ich mische sie in den Salat, in Desserts und Kuchen oder süsse Saucen oder ein Chili damit. Datteln.  Auch Käse wie Ricotta ist immer da, weil man damit einfach alles machen kann. Ich mische ihn mit Honig, serviere ihn zu einem kleinen Mahl mit Tomaten oder Röstgemüse oder reichere auch mal eine Pastasauce damit an.

Naked Pie, inspiriert von George Orwell

George Orwell, der grosse englische Schriftsteller, der mit seinem Roman «1984» Weltruhm erlangte, schrieb auch Plädoyers für die englische Küche. Zu seinen dabei erwähnten Highlights der englischen Küche gehört auch der Stilton-Käse, der mich zu diesem Pie mit Randen, Spinat und Cheddar inspirierte.

Zutaten:

Zubereitung:

Spring- oder Pieform von 24 bis 26 cm Durchmesser

1 rund ausgerollter Blätterteig

Butter zum Fetten

3 mittelgrosse Randen

2 rote und 2 gelbe Zwiebeln

2 EL Olivenöl

1 EL Balsamico-Essig

grobkörniges Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

300 g frischer Spinat

1 EL Olivenöl, um den Spinat zu dünsten

Die Form gut einfetten, den Blätterteig hineinlegen und andrücken; die überhängenden Ränder abschneiden, den Boden mit einer Gabel einstechen. Mit Frischhaltefolie abdecken und 30 Minuten kühlstellen. 

Die Randen und die Zwiebeln schälen und in feine Schnitze schneiden. Mit Öl, Balsamico-Essig, Salz und Pfeffer mischen, auf ein Blech legen und in der Mitte des auf 180 Grad vorgeheizten Backofens etwa 30 Minuten garen. 

Den Spinat waschen und trockenschleudern. In einer Pfanne Öl erhitzen, den Spinat zugeben und nur gerade eine halbe Minute zusammenfallen lassen. Gut ausdrücken. 

Zutaten:

Zubereitung Guss und Fertigstellung:

3 Eier

150 ml Vollrahm

100 g griechischer Joghurt

1 Bund Dill, gehackt

1 Bund Schnittlauch, gehackt

½ Bund Petersilie, gehackt

150 g Cheddar

100 g Stilton

 

Für den Guss die Eier mit Rahm, Joghurt, Dill, Schnittlauch und Petersilie mischen, mit Salz und Pfeffer würzen. Den Cheddar fein reiben und unterheben.

Den Teigboden mit dem Randen-Zwiebel-Gemüse und dem Spinat belegen. Den Guss darübergiessen. Den Stilton würfeln und auf dem Gemüse verteilen, leicht hineindrücken.

Den Pie im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad mit Ober- und Unterhitze 50 bis 60 Minuten backen.

Stocki-Rezept, inspiriert von Gottfried Keller 

Ein Beschrieb von Gottfried Keller im Buch «Pankras, der Schmoller» hat Nicole Giger zu diesem Rezept angeregt. 

Zutaten Sellerie-Kartoffelstampf:

Zubereitung Sellerie-Kartoffelstampf:

800 g mehlig kochende Kartoffeln

400 g Knollensellerie

200 ml Milch

50 g Butter

grobkörniges Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

Für den Kartoffelstampf die Kartoffeln und den Sellerie schälen, würfeln und in Salzwasser weichkochen. Das Wasser abgiessen. Milch und Butter dazugeben und zu einem groben Mus zerstampfen, bei Bedarf noch würzen. 

Zutaten für das Federkohl-Wirsing-Gemüse:

Zubereitung Federkohl-Wirsing-Gemüse:

10 Stangen Federkohl 

1 kleiner Wirsing

1 gelbe Zwiebel

2 EL Oliven- oder Rapsöl

ein guter Schuss Weisswein

150 ml starke Bouillon

250 ml Vollrahm

3 EL grobkörniger Senf

grobkörniges Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

Vom Federkohl und Wirsing die groben Blattrippen entfernen, die Blätter fein schneiden. Die Zwiebel fein hacken. Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebel darin glasig dünsten. Den Wirz dazugeben und dämpfen. Mit Weisswein ablöschen und die Bouillon zugeben. Dann Federkohl, Rahm und Senf hinzufügen und weitere 5 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. 

Zutaten für die pochierten Eier:

Zubereitung pochierte Eier und Fertigstellung:

1,5 l Wasser

100 ml Essig

pro Person 1 Ei

Für die pochierten Eier das Wasser zusammen mit dem Essig aufkochen. Die Temperatur zurückschalten, sodass das Wasser knapp unter dem Siedepunkt ist. Jedes Ei einzeln in kleines Schüsselchen aufschlagen und vorsichtig ins Essigwasser gleiten lassen. Das Ei etwa 4 Minuten pochieren, dann mit einer Schaumkelle vorsichtig herausheben und abtropfen lassen. 

Den Kartoffelstampf mit dem Federkohl-Wirsing-Gemüse anrichten, Senfsauce darüberträufeln und mit einem pochierten Ei servieren. 

Das Kochbuch von Nicole Giger in meiner Küche. Foto: MKN

«Ferrante, Frisch & Fenchelkraut» ist im AT-Verlag erschienen und erhältlich im Buchhandel oder online beim Verlag. Entdecken Sie auch Nicole Gigers Blog «Mags Frisch».

2 Kommentare zu «Grossartige Rezepte rund um grosse Namen»

  • Salome sagt:

    Salome
    Eigentlich habe ich mir verboten, Bücher zu kaufen. Insbesondere Kochbücher. Etwas das mir bei diesem wundervollen Kochbuch von Nicole Giger sehr schwer fallen wird! Ihren Blog kenne ich schon lange und ich liebe ihre Kombination von feinen Rezepten und passenden Texten aus der Literatur. Zum Glück ist bald Weihnachten…

  • Maike sagt:

    Sehr schön. Kann Nicole nur beipflichten was die Haute Cuisine angeht. Die mag sicher auch ihre Berechtigung haben – aber für mich sind es die einfachen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Und wer glaubt, das diese einfachen Dinge einfach zuzubereiten sind, hat sich sehr getäuscht. So sollte man es mal mit krosse schmackhafte Bratkartoffeln versuchen, originale Sphagetti carboara (ohne Sahnesauce natürlich) oder ein Rührei mit der optimalen Verteilung von fest:flüssig. Oder ein perfektes Steak zuzubereiten.
    Am besten fängt man zu üben an, wenn man Lust hat, Nudeln al dente zu kochen….

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.