Velofahren in der Wohnung? Kein Problem!

Fashion, Food und Familie kommen in der Wohnung von Claudia und Op Desax entspannt zusammen.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Grüne Familieninsel 

Claudia und Op Desax sind die Gründer des Mode-Concept-Stores Opia in Zürichs neuem Europaallee-Quartier beim Hauptbahnhof. Claudia kommt aus dem Bündnerland, Op aus Bangkok, beide haben kreative Berufe und verbinden ihre Talente, Kulturen und Persönlichkeiten nicht nur im Shop, sondern auch in der Wohnung und im Alltag. Die Familienwohnung befindet sich in einer grossen, neuen Siedlung in Zürich-Altstetten.

Als ich Claudia kurz vor den Sommerferien zum ersten Mal besuchte, war es tropisch heiss. Das ist aber bloss einer der Gründe, weshalb ich mich in der Wohnung so gar nicht wie in Zürich fühlte. Da ist auch die grüne Insel – der grosse Balkon mit den bunten Bodenkissen und den vielen Pflanzen. Sofort musste ich Erdbeeren probieren, die mir die sechsjährige Tochter Lin pflückte, und wir vertieften uns bei kühlen Drinks in Gespräche über Tomatenpflanzen. Rundum ist Grossstadt: Nachbarwohnungen im Innenhof und Geschäftshäuser auf der Strassenseite. Die grosszügige, besonders angeordnete Wohnung könnte genauso gut in Singapur, Vancouver oder Melbourne sein. Sie wirkt offen und entspannt. Auch die Fenster und Balkontüren sind offen. Auf dem Balkon ist es am Abend total ruhig. Dabei ist kein Verkehr auszumachen, bloss der kleine, zweijährige Lei rast mit dem Holzvelo durch die Räume. 

Ein Garten mitten in Altstetten

Ich war gleich fasziniert von der Wohnung. Nicht zuletzt deshalb, weil ich zu diesem Zeitpunkt gerade wieder einmal ziemlich frustriert durch die Mietwohnungsangebote unseres Quartiers surfte, da mich ab und zu die Panik einholt, dass unser Haus früher als angenommen in die Abriss- oder Totalsanierungsphase kommt. Mietwohnungen in grossen Städten zu finden, ist für die meisten ein besonders anstrengendes Kapitel. Bis die Kinder kamen, wohnten Claudia und Op in einer alten, charmanten Wohnung im Kreis 4. Doch diese Wohnung war zu klein und nicht kinderfreundlich. So zogen sie an die Forsterstrasse am Zürichberg, fühlten sich dort aber nicht zu Hause.

«Diese Wohnung ist perfekt für uns. Sie ist mitten in der Stadt, und die Kinder können gar mit dem Velo durch die Wohnung fahren», erklären die Eltern ihren Entscheid, vor sechs Jahren in die Siedlung nach Altstetten zu ziehen. Neben den grosszügigen Räumlichkeiten und dem zahlbaren Mietzins bietet die Wohnung auch einen grossen Balkon. Auf diesem grünt es üppig. «Es sind alles Nutzpflanzen», erklären die beiden: «Tomaten, Chili, Ingwer, Kräuter, allerlei Gemüse und Beeren.» Claudia erzählt mir, dass sie die Tomaten jedes Jahr in der Stadtgärtnerei kauft. «Dort kann man alte und spezielle Sorten bestellen. Doch dieses Jahr haben wir den Verkauf verpasst, und ich besorgte die Pflanzen im Supermarkt. Sie gedeihen einfach nicht richtig. Die Tomaten von der Stadtgärtnerei wuchsen besser, reichlicher und konnten regelmässig geerntet werden.» Claudia findet es super, dass die Kinder auch mitten in der Stadt sehen, wie Gemüse, Früchte und Kräuter wachsen.  

Der grosse, teils bedachte Balkon ist mit tiefen Möbeln eingerichtet. «Dieser asiatische Wohnstil ist sehr kinderfreundlich und bietet uns durch das tiefe Sitzen viel Privatsphäre.» Auch einen Teppich hat Claudia auf dem Balkon ausgelegt. «Der alte Perserteppich trägt viel dazu bei, dass unser Balkon ein zusätzliches Wohnzimmer ist.» Sie erklärt auch, dass man sich dank dem Teppich auf den Boden setzt und dass Op für die Deko zuständig ist. So finden sich Körbe hier, hübsche Windlichter und an heissen Nachmittagen ein aufblasbares Planschbecken. 

«Die tiefen Möbel

machen unseren Balkon

zur privaten Oase.»

Claudia und Op Desax

Arbeiten und Familie

Vom Balkon gelangt man nicht nur ins Wohnzimmer, sondern auch ins Kinderzimmer. In diesem hat Claudia ein kleines Homeoffice eingerichtet. Ihr schmales Pult steht direkt am Fenster mit Aussicht auf die Geschäfts- und Industriegebäude des Quartiers. «So klappt das perfekt mit dem Zusammenfügen von Familie und Fashion», lacht die Unternehmerin. Den Concept-Store Opia hat sie zusammen mit ihrem Mann vor 11 Jahren gegründet. Zu Beginn hatte Claudia noch einen Nebenjob. Mittlerweile ist Opia aber mehr als bloss ein Geheimtipp unter Modebegeisterten. Die Lagerstrasse, an der sich der Concept-Store befindet, ist superbusy und bietet auch viel Laufkundschaft – darunter Touristen, Studenten oder Geschäftsleute. Doch Opia ist keine Mainstream-Boutique und erfordert viel Passion und Arbeit. Claudia und Op verkaufen Mode, Schmuck, Accessoires, Beautyprodukte und Wohnaccessoires, die anders sind – einzigartig, ausgesucht, persönlich. 

Entstanden ist Opia mit Claudias Liebe zu asiatischer Mode. Die studierte Szenografin machte ihr Praktikum in Bangkok. Sie wollte nicht einfach wie die meisten ihrer Mitstudenten nach Berlin in ein Architekturbüro. Es zog sie nach Asien. Zuerst wollte sie nach Singapur, doch als dies nicht klappte, entschied sie sich für ein Austauschsemester in Bangkok. Die Schule war eine Stunde vom Zentrum entfernt, und Englisch war alles andere als selbstverständlich. «Die ersten zwei Wochen ass ich nur Früchte, denn ich verstand nichts.» Doch Claudia lernte schnell und verliebte sich bald nicht nur in den asiatischen Modestil, sondern auch in ihren Mann Op, der Film und Video studierte. Und in Gipfeli, den Familienhund. So kam sie mit Hund und Mann und einem coolen asiatischen Kleiderstil nach Hause. 

Auf ihren Kleiderstil, der im Gegensatz zur französischen oder italienischen Mode nicht «petit», sondern «oversized» ist und spannende Schnitte, Wickelungen und Materialien zeigt, wurde sie ständig angesprochen. So oft, dass sie begann, Kleider zu verkaufen, was schliesslich zur Gründung eines eigenen Geschäftes führte. 

Das Kinderzimmer ist mit vielen alten Kleinmöbeln eingerichtet. «Ich fürchte mich vor den günstigen, neuen Kindermöbeln, da die Anstriche oft giftig sind. So ziehe ich Altes und Gebrauchtes den in Massen produzierten Möbeln vor. Zudem können die Kinder diese viel entspannter bekritzeln und bekleben», erklärt Claudia ihre Wahl von zusammengewürfelten antiken Einzelstücken im Kinderzimmer. «Geordnet wird nach Art: Stoffspielsachen, Holzspielsachen, Bücher etc.» 

«Gebrauchtes lässt sich

entspannter bekritzeln

und bekleben.» 

Claudia Desax

Wunderbare Wohnwelt für alle

Der Hauptraum der Wohnung umfasst Wohnzimmer, Küche, Essbereich und Entree. Dieser Raum hat Steinplatten als Bodenbelag und öffnet sich im Wohnbereich mit Balkon und Fenster gegen die Strasse und im Koch-Ess-Bereich mit grossem Fenster zum Innenhof. Dazu kommen zwei Schlafzimmer, zwei Bäder und ein Abstellraum mit Waschmaschine und Tumbler. Im Wohnzimmer hat Op sein Homeoffice eingerichtet mit einem der beiden Seventies-Sessel, welche Claudia und Op in einem Vintagegeschäft gefunden haben. Beide lieben Design und entdecken immer wieder spannende Stücke. Einiges davon wird bei Opia verkauft, anderes endet zu Hause. «Ich liebe die Abwechslung und stelle gerne um, erneuere und verändere – sonst wird mir schnell langweilig», gesteht Claudia.  

Der zweite Sessel steht nah am Fenster und bietet Claudia einen Lieblingsplatz. Sie zieht sich gerne hierher zurück, um zu lesen und in Büchern und Magazinen zu schmökern. Das filigrane Bücherregal ist tief, grosszügig und bietet auch Platz für Kissen und Decken. Die farbigen Baumwollkissen kommen aus Thailand und werden je nach Bedarf zu Sofa- oder Balkonkissen. Die Decken sind auch Spieldecken für die Kinder. Neben dem Bücherregal steht ein kleiner, antiker Tisch, an dem die Kinder gerne zeichnen und malen. 

Die kubischen Formen vom gradlinigen B+B Sofa von Antonio Citterio und dem Bücherregal werden gebrochen mit einem runden Teppich und einem runden Beistelltisch. Der Teppich von der Schweizer Firma Schönstaub zeigt die Farben von Meer, Gras und Sonne. Er bietet eine Spielwelt für die kleinen Kinder, die hier gerne turnen, Kunststücke vorführen und entspannen. 

Die grünen Seiten des urbanen Wohnens

Auf eine sehr gelungene Art wurde der Innenhof der Siedlung begrünt. Mit einem grossen Fenster öffnet sich der Koch-Ess-Bereich diesem Innenhof entgegen. An diesem tropischen Abend meines ersten Besuchs hörte man das gemütliche Plaudern und Geschirrklappern aus anderen Wohnungen und von anderen Balkonen. Claudia und Op erklären, dass es eine sehr lebendige, durchmischte und freundliche Nachbarschaft ist, mit zwei Ausnahmen, die zu oft auf Ruhe bestehen. «Aber das gehört halt zum engen, urbanen Zusammenleben», meinen die beiden gelassen. So wird der Innenhof leider zu wenig belebt, obschon er über Wege und Sitzplätze verfügt. Auch lädt das Hundeverbotsschild die Familie natürlich nicht ein. Denn ohne Gipfeli machen Parkbesuche keinen Spass. 

Die Küche ist immer offen

Die Küche ist der wichtigste Ort der Familie. Für Claudia und Op ist Gastfreundschaft von grosser Bedeutung. Beide kommen aus gastfreundlichen Familien und Kulturen, so wird immer gekocht und gegessen und geschwatzt. Letzteres in vier Sprachen, nämlich in Thai, Rätoromanisch, Englisch und Deutsch. Über dem gemütlichen Holztisch baumeln wie Schmuck aparte Hängeleuchten in Tulpenform. Sie sind ein Fundstück aus den Seventies und von BAG Turgi.    

Khanom Jib

Op macht für uns mit enthusiastischer Hilfe von Lin allerfeinste Khanom Jib. So heissen Dim Sum in Thai. Dim Sum sind eine chinesische Spezialität, werden aber überall in Asien in den verschiedensten Varianten zubereitet. Eigentlich sind sie wie Ravioli, ein Gericht, bei dem man Reste auf köstliche Art verwerten kann. Op füllt sie mit einer Paste aus Hackfleisch, Crevetten und diversen Kräutern. So richtig kochbegeistert wurde Op erst, als er nicht mehr in Thailand lebte. Er vermisste den authentischen Geschmack seiner Lieblingsgerichte. So begann er, sie so zu kochen, dass sie schmeckten, wie er sie kannte und liebte. Das brachte ihn gar beruflich in die Küche. Er arbeitet als Chefkoch im Zürcher Restaurant Talacker. 

«In meinen Gerichten stecken

der Duft und der Geschmack

meiner Kindheit.» 

Op Desax

Die kleinen, feinen Wandregale sind von Ikea. «Jemand konnte sie wahrscheinlich nicht montieren. Sie sind relativ schwer und halten wohl nicht an jeder Wand. So konnten wir drei Stück für zehn Franken ergattern», erklärt Claudia den untypischen Kauf. Eigentlich geht sie nicht gerne neue Möbel kaufen, sondern findet lieber Einzigartiges in Brockenhäusern und Vintagegeschäften.  

«Der Grundriss der

Wohnung erlaubt

freie Fahrt für alle.» 

Claudia Desax

Garderoben auf verschiedenen Ebenen

«Damit die Kinder lernen, ihre Kleider aufzuhängen, müssen Garderoben für sie erreichbar sein», erklärt Claudia ihre beiden Empfangskomitees. «Auch der kleine Lei sucht sich hier bereits seine Jacken aus, die er tragen will!»

Ein warmes Willkommen strahlt die Wand gegenüber des Eingangs aus. Hier hängen Kinderzeichnungen, Fotos, Einladungen, Basteleien und alles, was im Familienleben von besonderer Bedeutung ist oder grad Wichtigkeit hat. Auch der Cocker Spaniel Gipfeli, der von Thailand mitgekommen ist, hat hier einen seiner Lieblingsplätze. 

«Die Dusche ist auch

die Garage für den

Swimmingpool.»

Claudia Desax

Ein Schlafzimmer wie im Hotel

Die Dreizimmerwohnung hat zur Freude der Familie gleich zwei Badezimmer. Das Elternbad ist en suite zum Elternschlafzimmer und wird von Claudia und Op als Luxus geschätzt. Als eine Art Herrendiener dient ein «Ikea-Hack», welchen Op aus verschiedenen Elementen zusammenmontiert hat. 

Im Badezimmer entdecken wir Schmuck, Beautyartikel und Duftkerzen aus dem Sortiment von Opia und viele Muscheln. «Einige sind noch von meiner Zeit, als ich bei der Swissair als Flight-Attendant gearbeitet habe, vor meinem Studium», erzählt Claudia. «Andere von Familienferien in Thailand.» 

Auch das Schlafzimmer hat ein grosses Fenster mit Blick auf den üppig begrünten Innenhof. Ein grosser weisser Lackschrank und ein breites Bett mit weisser Leinenwäsche bestimmen die Einrichtung. Auf dem Nachttischchen stehen Duftkerzen, die Claudia für sich und das Sortiment von Opia entdeckt hat. «Lange habe ich nach richtig guten Duftkerzen gesucht und sie schliesslich in London gefunden, bei Earl of East London. Sie duften dezent, brennen gleichmässig und haben den Duft bis zum allerletzten Aufflackern.» Das kecke Nachttischlämpchen heisst Mr. P und ist ein Designstück aus Thailand. 

Claudia und Op Desax auf dem Netz: 

Opia
Instagram: _opia_

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