So wird das Stöckli wieder modern

Schluss mit einsamen Grosseltern und gestressten Eltern: Diese «Grosi-Bude» macht Lust aufs Mehrgenerationenwohnen.

Architektur: Best Practice

Alle, die «Ueli der Knecht» gesehen oder gelesen haben, kennen das Stöckli. Eine gute Idee, die in einer Zeit, in der die meisten in nicht allzu grossen urbanen Wohnungen leben, leider nicht mehr funktioniert. Aber sie ist eine Überlegung wert. Erst kürzlich habe ich mit zwei Blogkollegen darüber gesprochen, die beide in ihren Elternhäusern wohnen. Einer wohnt im Bauernhaus, und dessen Eltern residieren tatsächlich in einem echten Stöckli, beim anderen haben die Eltern eine Wohnung im Haus. Zudem habe ich einen Nachbarn, dessen Eltern ein Haus mit mehreren Wohnungen gehört: Eine wird von den Eltern bewohnt, die anderen von ihren Kindern mit deren Kindern. Ein guter Grund, schon mit 30 an seinen Alterssitz zu denken. Denn wenn man nicht das Glück hat, dass die Eltern eine Mehrgenerationen-Wohnsituation bieten, dann kann man das vielleicht für seine Kinder und sich selbst schaffen.

Das haben die Bewohner eines Hauses in Seattle gemacht und ein Stöckli in den Garten gebaut. Es entstand aus einer umgebauten Garage, heisst «Granny Pad» und sieht natürlich nicht so aus wie Jeremias Gotthelfs Stöckli im Bernbiet. 

Trotz aller Moderne wirkt die Grosi-Bude, wie das Granny Pad übersetzt heisst, sehr gemütlich. Es bietet hohe Räume, die dank vielen weissen Wänden und hellem Sperrholz frisch und hell wirken. Praktisch für ältere Leute, findet alles auf gleicher Ebene statt. Es hat bloss einen Raum auf einer höheren Etage, der als Gästezimmer benutzt werden kann und über einen erhöhten, eigenen Eingang verfügt, der auf dem ersten Bild sichtbar ist. Eingerichtet ist das Häuschen mit einer Mischung von modernen, neuen Möbeln und Retrostücken, die vielleicht der Grossmutter gehören. Auch Farbe spielt eine wichtige Rolle, wobei ein freundliches Pink als Akzentfarbe überall auftaucht, wie zum Beispiel hier auf der Rückseite einer antiken Kommode. So können Möbel, die eigentlich für die Platzierung an einer Wand gedacht sind, mitten in den Raum gestellt werden. 

Auch die Haustür leuchtet in Pink und führt in ein kleines Gärtchen mit Blumenbeeten und Wegen aus Steinplatten. 

Einige Blumen- oder Gemüsebeete sind praktisch erhöht in grossen Holzkisten. So kann Granny auch einfach vom Rollstuhl aus Kräuter pflücken. (Entdecken Sie das Bild der Familie in der Seattle Times, mit der auf der Website der Architekten verlinkt wird.) 

Für viel Licht sorgen grosszügig eingesetzte Fenster und Dachluken. Die Küche ist offen, schlicht weiss und bietet Aussicht auf den Garten und das Haupthaus. 

Eines der Fenster zieht sich über die ganze Höhe des kleinen Hauses, was viel Helligkeit und Luftigkeit schafft.

Die Fassade ist mit dunklem Holz eingekleidet, und beim Giebeldach wurden passend dunkle Schieferziegel verwendet. Abends strahlt warmes, heimeliges Licht aus den vielen Fenstern des Häuschens. 

21 Kommentare zu «So wird das Stöckli wieder modern»

  • Markus Keller sagt:

    Habe mich auch gefragt, wie die Grossi in ihrem Rollstuhl die Treppe hochkommen soll. Aber Hauptsache sie kann Kräuter sitzend ernten. Und wie geschrieben steht, das Stöckli hat in der Schweiz seit Generation Tradition. Ist nicht ein Anstoss aus dem Ausland.

  • Zora sagt:

    Der schlauchartige Wohnraum stimmt mich traurig: ein Sofa, ein Bildschirm, ein paar eher gruselige Möbel beigestellt – möchte ich so meine alten Tage verbringen? Uff, lieber nicht.
    Die Küche gefällt mir hingegen.
    Und aussen: ist schon echt duster und von daher wenig einladend.

  • E. Amendola sagt:

    Genau, der Kanton verhindert dies leider mit der Ausnützungsziffer ….. lieber neu (ver)bauen als ideal umbauen.

  • Pius Tschirky sagt:

    Ist doch eigentlich ein ganz einfaches Häuschen und ganz gewiss keine architekonische Meisterleistung. Man könnte ja auch ein 1-stöckiges Schwedenhäuschen bauen und das wäre ebenfalls toll. Man bräuchte einfach ein bisschen mehr Land.

  • Karl-Heinz sagt:

    Offen bis unter den Giebel ist energetischer Unfug. Im Winter hat es da oben 32 Grad und unten 18.

  • Bob sagt:

    In den USA geht so was.
    Wenn sie das in der Schweiz machen wollen, kriegen Sie wahrscheinlich keine Baugenehmigung.

  • Albert Fiechter sagt:

    Seltsam, dass solche architektonische Denkanstösse immer aus dem Ausland kommen müssen.

  • Christina sagt:

    Abgesehen davon, dass mir dieses Häuschen nicht gefällt, stört mich, dass der Backofen nicht auf Sichthöhe ist! Auch sonst denke ich, dass dieses Granny Pad keineswegs altersgerecht ist: Nur schon mit einem Rollator ist der Eingang ein Hindernis, ganz abgesehen von einem Rollstuhl.
    Und: Selber Oma, denke ich, dass die „Retrostücke“ wohl eher von der Uroma oder gar der Ururoma stammen – nicht einmal meine 91-jährige Mutter (die Uroma!) hat solche alten Möbel…

    • ri kauf sagt:

      Na ja, das ist so ein Ding mit dem Backofen auf Sichthöhe. Hat man den dort, hat man unten einfach etwas anderes das nicht auf Sichthöhe ist. Zudem hat diese Küche keine Oberschränke, was ich persönlich viel schöner finde. Oberschränke sind einfach hässlich. Es stimmt, das Häuschen ist nicht altergerecht gestaltet.

      • Werner Würmli sagt:

        Ja genau. Es gibt übrigens auch Modelle mit Backwagen (also wie Schublade).
        Und überhaupt, wer backt denn schon so oft?
        Zudem ein-/Ausladen fertig.
        Gefährliche, heisse Ware kann man auch über die Brust schütten, da ist bücken weniger gesundheitsgefährlich.
        Das gezeigte Häuschen ist der Hammer, man muss doch nur zulassen, sich daran zu gewöhnen.
        Einziges Problem: Stauraum. Bitte noch eine (ungeheizte) Scheune.

  • Sabina sagt:

    Wunderschönes Haus. Ich würde sofort einziehen.

    • Gloria sagt:

      Was für ein Bijou. Wir hätten gerne so etwas ähnliches bei uns umgesetzt. Allerdings gibt es in der Schweiz immer noch diese leidige “Ausnützungsziffer”. (Wozu eigentlich??) Die verhindert wohl viele solcher Projekte hierzulande.
      Ps: Altersgerecht ist es wirklich nicht umgesetzt. Da gebe ich Christina recht. Dieses vorgestellte Häuschen wäre eher was die die Jungen im Haus. Für die ist es einfach sensationell.

      • Irene feldman sagt:

        Genial!!!!

      • beat graf sagt:

        ja liebe Gloria, die Ausnützungsziffer ist sicher berechtigt. Angenommen Sie wohnen in einem Quartier mit 3-geschossigen Häusern. So, nun kommt der Eigentümer nebenan auf die Idee, sein altes Haus abzureissen und baut ein 7-gesschossiges Wohnhaus. Bei Ihnen, aus mit Sonne, aus mit Ausblick etc. etc. Siehe auch die Angst der Bewohner der Bernoulli-Häuser in Zürich beim geplanten ehemaligen Fussballstadion. Aussicht, Schattenwurf.

  • M.Müller sagt:

    Ich hätte gerne noch einen Blick ins Schlafzimmer und den Gäste Teil geworfen.
    Das Pink ist nicht mein Ding. Beige, oliv oder hellgrau gefielen mir besser.

  • Regula_ch sagt:

    Diese Überlegungen mit dem Stöckli sind DIE Antwort auf einige gesellschaftliche Probleme, wie etwa Zersiedelung, Vereinsamung oder unbezahlbare Altersheime. Ein Mehrgenerationenhaus lehrt alle viel und bietet nebst finanziellen Vorteilen auch sehr viel „Komfort“, lies: Babysitter im Haus, einer kocht, alle essen…
    Wir haben alle profitiert und unser Dreigenerationenhaus über 10 Jahre sehr genossen.

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