Wahlkampf im Club

Blabla statt Bummbumm: Am Samstag treffen sich die Kandidaten für die Stadtratswahl zur Diskussion mit Nightlifern.

Politiker könnten sich sowas ruhig öfter gönnen.

Gleich zwei Events widmen sich diese Woche dem Nachtleben. Zum einen werden morgen Abend auf dem Maag Areal die Swiss Nightlife Awards vergeben, zum anderen findet am Samstag der sechste Tag der offenen Bar und Club Tür statt.

Präsentiert wird der Tag der offenen Bar und Club Tür von der Bar & Clubkommission Zürich (BCK), der Interessengemeinschaft von Kulturunternehmen, die im hiesigen Nachtleben tätig sind. Zwei Themen werden dort im Zentrum stehen. Eines ist die Badenerstrasse, von der viele denken, sie werde im Zuge der Gentrifizierung die Langstrasse als Partymeile ablösen. Schon jetzt befinden sich diverse Bars und auch der eine oder andere Club in Discokugel-Wurfnähe zur Badenerstrasse zwischen Bezirksgebäude und Albisriederplatz. Der Beginn einer Entwicklung?

Das zweite grosse Thema am Tag der offenen Bar und Club Tür sind die Zürcher Wahlen vom 4. März. Eventuell ist dieses nahe Datum der Grund, dass sich eine so illustre Politgesellschaft bereit erklärt hat an der traditionellen Abschlussdiskussion am Samstag in Friedas Büxe teilzunehmen: Mit Richard Wolff (AL), Michael Baumer (FDP), Susanne Brunner (SVP), André Odermatt (SP) und Karin Rykart (Grüne) ist das Podium bestens besetzt. Nur Filippo Leutenegger (FDP) hat seine Teilnahme wieder abgesagt.

Da sitzen nun also am kommenden Samstag diverse Politiker zusammen, die Einfluss aufs Nachtleben nehmen können. Und sie tun das in einem Club, der 2017 an den Swiss Nightlife Awards als bester der Schweiz ausgezeichnet wurde, in dem aber kaum einer der zu Wählenden je gefeiert haben dürfte. Da ist es sicher sinnvoll, wenn man den politisierenden Clubbing-Greenhorns einen Wunschzettel schreibt.

Alexander Bücheli, der Geschäftsführer der BCK, hat einen zusammengestellt: «Wir wünschen uns, dass die liberalen Rahmenbedingungen unangetastet bleiben und, dass bei der Lärm-Diskussion ein Umdenken stattfindet: In England beispielsweise müssen Bauherren künftig Lärmschutzvorrichtungen vornehmen, wenn sich neben ihrem Neubau ein Club befindet. Zudem würde ich es begrüssen, wenn aufregende Nutzungen – wie jene des Koch Areals – auch künftig möglich wären und wenn die sommerlichen Jugendbewilligungen für Outdoor-Partys auch Erwachsenen zu Verfügung stehen würden. Des Weiteren soll der ZVV sein Nachtnetz optimieren. Der Nachtzuschlag von 5 Franken wiederum ist in einer 24 Stunden Gesellschaft überholt und gehört für Abonnemente abgeschafft. Nicht zuletzt sollte die Street Parade wieder zu einem Happening werden, das der ganzen Stadt gehört. Shops und Bars können wieder Boxen rausstelle und für das betreffende Wochenende gilt eine 24stündige Ausnahmeregelung. Zelten am See inklusive. Nicht zuletzt wäre es schön, wenn Aussen-Cafés und Boulevardflächen länger als bis Mitternacht betrieben werden können».

Bleibt zu hoffen, dass es Bücheli nicht wie all den Kindern ergeht, denen das Christkind statt des gewünschten iPads Wollsocken unters Bäumchen legt.

1 Kommentar zu «Wahlkampf im Club»

  • dr house sagt:

    aufregende nutzung des kochareals? wenn sie damit den stress für die anwohner meinen, ja dann ist es „aufregend… „

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