Beiträge mit dem Schlagwort ‘Drama’

Welcome to L.A.

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Januar 2013
Filmplakat

«End of Watch» läuft ab 3.1. im Küchlin und im Studio Central.

Dass das Leben als Cop in Los Angeles kein Zuckerschlecken ist, wissen wir spätestens seit «Training Day» und «Street Kings». Beide stammen aus der Feder von David Ayer. Nun zeichnet der Amerikaner in «End of Watch» ein weiteres schonungsloses Bild von der täglichen Arbeit der Fusssoldaten des LAPD. Dass er gleich auch noch die Regie dabei übernommen hat, ist gut. Sehr gut, sogar. Denn wenn man den Officers Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) bei ihren Patrouillenfahrten beobachtet, dann vergisst man das Bild vom strahlenden US-Cop, das Taylor im Werbeclip-artigen Beginn propagiert, schnell wieder. Das ist Drecksarbeit, die einen jede Minute das Leben kosten kann. Da ist der Zusammenhalt unter den Polizisten das Wichtigste.

Taylor und Zavala

Dynamisches Duo: Taylor und Zavala. (Rialto)

«Fühlst du dich als Held?», fragt denn Taylor seinen Partner auch – und das nach dem verdienten Erhalt der Tapferkeitsmedaille. Dieser schüttelt den Kopf. Platz für Helden ist keiner in der Stadt der Engel. Erst recht nicht in «South Central», dem verruchtesten Stadtteil von L.A. Dennoch ist bereits heldenhaft, wer sich tagtäglich dem Sumpf aus Drogen und Gewalt stellt, den die Gangs fleissig pflegen. Das kann einem durchaus in den Kopf steigen, könnte man denken. Das lässt uns auch Ayer denken, der die beiden Protagonisten zunächst als grossmäulige, gewaltverherrlichende Bullen vorstellt. Diese Fassade erweist sich je länger je mehr als Selbstschutz vor den Grausamkeiten, denen Tayler und Zavala ausgesetzt sind. Und sie beginnt zu bröckeln, indem sie immer mehr zeigen, dass sie trotz vielen lockeren Sprüchen ihr Herz auf dem rechten Fleck haben. Sie retten Kinder auf der Strasse und freuen sich auf ihre eigenen. Auch die Cops, die sich mit Bandenkriegen beschäftigen müssen, sind ganz normale Menschen.

Taylor und Janet

Brian mit seiner Frau Janet (Anna Kendrick).

Und genau an diesem Punkt wird es persönlich, denn das Duo, das einem ans Herz gewachsen ist, gerät auf die Abschussliste eines mächtigen mexikanischen Drogenkartells. Schweisstreibend steuert die Geschichte auf ein ungewisses Ende zu. Durch die verwackelten Aufnahmen der Handkamera wirkt das Ganze noch realistischer und lässt den Zuschauer an einem versöhnlichen Ende zweifeln. Die Storyline ist geschickt aufgebaut, und die Darsteller überzeugen durchs Band. Aber ein Werbesport für die zweitgrösste Stadt der USA ist es einmal mehr nicht. Das unvermeidliche Rassenthema ist auch in «End of Watch» omnipräsent. Welcome to L.A. – die besinnlichen Festtage sind vorbei.

«End of Watch» läuft ab 3. Januar 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Studio Central.

Weitere Filmstarts in Basel am 3. Januar: Die Wand, Les saveurs du Palais, Silver Linings Playbook, The Sessions, The Woman in the Septic Tank.

Leiche im Keller

Fabian Kern am Mittwoch den 21. November 2012

I, Anna

«I, Anna» läuft ab 22. November im Kultkino Club.

Manchmal kann eine flüchtige Begegnung reichen, um Gefühle auszulösen. Chefinspektor Bernie Reid (Gabriel Byrne) erlebt einen solchen Moment, als er einen Wolkenkratzer in einem grauen Londoner Vorort betritt. Noch ahnt er nicht, dass Anna Welles (Charlotte Rampling) mehr mit dem erschlagenen Toten, der auf ihn wartet, zu tun hat, als ihm lieb ist. Vielmehr lässt er jede Professionalität vermissen, als er den Kontakt zu der geschiedenen Frau sucht und die Ermittlungen nicht nur vernachlässigt, sondern gar sabotiert. Deren Gewissen ist jedoch rein. Sie hat nämlich jegliche Erinnerung an den Abend verdrängt, an dem sie das Opfer beim Speed-Dating kennengelernt hat. Anna hat andere Sorgen: Sie muss sich um ihre alleinerziehende Tochter Emmy (Hayley Atwell) und ihre Enkelin kümmern. Doch genau ihre familiäre Situation gibt immer mehr Rätsel auf, je näher ihr der Polizist kommt. Hat Anna vielleicht noch mehr verdrängt als nur jenen fatalen Abend im Hochhaus?

Anna Welles

Was versteckt die labile Anna vor sich selbst? (Bilder: Filmcoopi)

Irgendwie lässt einen das Gefühl nie los, dass die Geschichte in kein gutes Ende nehmen kann. Irgendwie hofft man aber trotzdem darauf, denn die beiden Hauptfiguren sind so einsam und traurig, dass sie einem nur leid tun. Barnaby Southcombe verknüpft in seinem Erstlingswerk drei Genres miteinander. «I, Anna» ist sowohl Drama als auch Thriller und ein wenig Film Noir. Subtil verrät der Regisseur in seiner Verfilmung der amerikanischen Romanvorlage von Elsa Lewin Stückchen für Stückchen das dunkle Geheimnis, welches Anna tief in ihre Psyche verbannt hat.

Bernie und Anna

Findet Bernie die Wahrheit über Anna heraus?

Für die Hauptrolle hat sich der Brite niemand anderen als seine eigene Mutter ausgesucht. Rampling untermauert als Anna ihren Ruf als brillante Charakterdarstellerin. Auch Gabriel Byrne glänzt einmal mehr in einer Rolle als vom Leben gezeichneter Polizist, der die Suche nach dem Glück schon fast aufgegeben hat. Der Ire passt genau zur trostlosen Grundstimmung, die Southcombe dem Film unterlegt – ebenso wie der prägnante Soundtrack. Mit dem Gefühl der Hoffnungsloigkeit wird sich der eine oder andere Zuschauer allerdings schwer tun. Genauso wie mit dem Genre-Mix. «I, Anna» ist handwerklich einwandfrei, kommt aber schwermütig daher wie ein typischer November-Tag.

«I, Anna» läuft ab 22. November im Kultkino Club.

Der Anti-Schwarzenegger

Fabian Kern am Mittwoch den 10. Oktober 2012

Teddy Bear

«Teddy Bear» läuft ab 11. Oktober im Kult.kino Atelier.

Wer Bodybuilding und Kino in einem Satz hört, denkt unweigerlich an einen Namen: Arnold Schwarzenegger. Die «steyrische Eiche» hat mit seiner Hollywood-Karriere die Kraftmeierei salonfähig gemacht. In seinem Kielwasser wollten auch andere Bodybuilder auf die Leinwand. Deren Erfolge sind aber überschaubar. Nun hat mit dem Dänen Kim Kold ein weiterer Muskelberg den Weg in die Kinos gefunden. Doch während Schwarzenegger mit coolen Sprüchen in Actionfilmen, einer Politik-Karriere und einer Affäre mit dem Kindermädchen inklusive unehelichem Sohn die Gazetten füllt, glänzt Kord im dänischen Film «Teddy Bear» mit Zurückhaltung.

Dennis (Kim Kold) in Thailand

Greifbare Einsamkeit: Dennis wird zunächst auch in Pattaya nicht glücklich. (Bilder: Pathé)

Kim und Ingrid

Unter der mütterlichen Fuchtel: Dennis und Ingrid.

Bodybuilder sind extrovertierte Menschen, sollte man glauben. Das extreme Posing auf der Bühne, eingeölt bis in die letzte Pore, ist schliesslich das Ziel der menschlichen Kunstwerke. Nicht so Dennis Petersen (Kim Kold). Der tätowierte Riese, der spontan an Mickey Rourkes Figur Marv aus «Sin City» erinnert, hatte noch nie eine feste Freundin und wohnt mit 38 Jahren immer noch bei seiner Mutter (Elsbeth Steentoft). Um seiner Einsamkeit Abhilfe zu schaffen, folgt er dem Vorbild seines Onkels, dessen Brautschau in Thailand erfolgreich verlief. Doch das aggressive Werben der Thailänderinnen ist nichts für den schüchternen Hünen. Also gibt Dennis sein Vorhaben auf und konzentriert sich auch in fremden Gefilden darauf, was er am besten kann: Bodybuilding. Und prompt verliebt er sich in die Inhaberin seines Gyms in Pattaya. Doch wie soll er das seiner Mutter beibringen, die so sehr klammert, dass sie schon eine Krise kriegt, wenn ihr Sprössling mal einen Abend ausgeht?

Dennis und Toi

Wer nicht mehr sucht, der findet: Dennis und Toi.

«Teddy Bear» legt den Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen. Ein erwachsener Mann sucht auf herzerwärmend hilflose Weise seine wahre Liebe und versucht gleichzeitig, sich von seiner unnatürlich behütenden Mutter zu emanzipieren. Es geht aber auch um Klischees. Ein Berg von einem Mann wünscht sich nichts sehnlicher, als nicht auf seine Muskeln reduziert zu werden, sondern eine Partnerin fürs Leben zu finden. Ausgerechnet in Thailand, das mit Sextourismus gleich gesetzt wird, findet er sie – just nachdem er die Suche enttäuscht abgebrochen hat. Der Regisseur Mads Matthiessen hat seinen Kurzfilm «Dennis» von 2007 zu einem Kinofilm der leisen menschlichen Töne ausgebaut und wurde dafür am Sundance Film Festival ausgezeichnet. Dennis’ Einsamkeit ist beinahe greifbar, man möchte den Hünen an der Hand nehmen und ihn davor behüten, ausgenutzt zu werden. Die Tatsache, dass vorwiegend mit Amateur-Schauspielern an Originalschauplätzen gedreht wurde, verleiht dem Drama einen dokumentarischen Touch.

Die Leistung des Hauptdarstellers ist beeindruckend. Kolds erste Kinorolle könnte den Beginn einer internationalen Karriere markieren. Man darf gespannt sein, welche Rollen sich der Däne in Zukunft aussucht. Den Schritt nach über den grossen Teich wagt der Super-Schwergewichts-Bodybuilder nun schon einmal. Zur Zeit steht Kold für das Actionspektakel «Fast and the Furious 6» vor der Kamera. Vielleicht wird das ja doch noch etwas mit einer Karriere à la Schwarzenegger – wenigstens in filmischer Hinsicht. Der ganze private Mist von Arnie muss ja nicht sein. Aber eines ist nach «Teddy Bear» sicher: He’ll be back.

Hier die Vorgeschichte zu «Teddy Bear», der Kurzfilm «Dennis» aus dem Jahr 2007:

Der rücksichtslose Teenieschwarm

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Mai 2012
Bel Ami

«Bel Ami» läuft ab 3. Mai im Pathé Eldorado in Basel.

Robert Pattinson ist wieder einmal schwer beschäftigt. Nachdem er sich in der Twilight-Serie mit Werwölfen und verräterischen Vampiren herumschlagen und dabei noch um das Herz seiner angebeteten Bella kämpfen musste, gibt der Teeniestar im späten 19. Jahrhundert vollen Körpereinsatz für seinen Aufstieg in der Pariser Gesellschaft. Fünf Jahre nach der Rückkehr aus dem Krieg in Algerien nagt der Bauernsohn Georges Duroy in der französischen Metropole im Jahr 1890 am Hungertuch und trifft durch Zufall auf seinen früheren Kriegskameraden Charles Forestier. Dieser führt ihn umgehend in die besten sozialen Kreise ein, was Duroy als die Chance seines Lebens erkennt. Diesen Beitrag weiterlesen »