Obamas in Öl

Ewa Hess am Dienstag den 13. Februar 2018

Augen zu und durch: Barack und Michelle Obama kurz vor der Enthüllung ihrer Porträts in Washington. Foto: Jim Bourg (Reuters)

Diese Obamas! Als sie am Montag die von ihnen bei afroamerikanischen Malern in Auftrag gegebenen Porträts in der National Portrait Gallery in Washington enthüllten, hatten viele das Gefühl, dass das Paar immer noch Amerika präsidiert. Die Herzen der US-Kulturszene gehören sowieso dem intelligenten und kunstliebenden Ex-Präsidentenpaar. Dazu trägt der erbitterte und auf beiden Seiten gehässige Krieg zwischen dem amtierenden Präsidenten und den Protagonisten der kulturellen Welt noch zusätzlich bei. 

So siehts aus: Die Obamas vor ihren Porträts (Foto via Toofab.com)

Michelle und Barack Obama hatten sich ja für eine Zeit aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Jetzt zeigten sie sich wieder. Zuerst gab Barack der Late-Night-Talk Legende David Letterman ein langes Interview, welches dem Streamingdienst Netflix wieder ein Traumpublikum bescherte. Und jetzt diese Enthüllung der Porträts. Alles wieder vorbildlich, es könnte einen schon fast nerven. (Was es auch auf der Alt-Right-Seite auch gehörig tut, nachzulesen hier).

Er im Busch, sie auf dem Thron: Die neuen Porträts von Barack und Michelle Obama. Fotos: Andrew Harnik (AP)

Aber werfen wir mal einen Blick auf all die Fettnäpfchen, denen die Obamas tänzerisch lächelnd ausgewichen sind:

Die Wahl der Maler

Die beiden ausgewählten Künstler sind goldrichtig. Keine millionenschweren Überflieger der Kunstszene, keine Altmeister, keine aufregenden Hot Newcomer, sondern zwei Persönlichkeiten aus dem mittleren Bereich, solide Fahnenträger des Malerberufs mit nicht zu viel und nicht zu wenig Ehrgeiz.

Kehinde Wiley, der das Barack-Porträt gemalt hat, erlangte schon einige Berühmtheit, als er Michael Jackson in der Pose des König Philipps II malte. Er beherrscht die Kunst, historische Posen mit einem gewissen Augenzwinkern wiederzubeleben. Seine Bilder verkaufen sich gut, aber nicht zu exorbitanten Preisen, also im mittleren fünfstelligen Bereich.

Amy Sherald, der Michelle ihr Konterfei anvertraut hat, ist eine noch wenig bekannte Figur, die sehr ernsthaft wirkende Porträts afroamerikanischer Menschen malt, die eine ruhige Würde ausstrahlen. Für die braunen Hauttöne wählt sie meistens Abstufungen der Farbe Grau, das entschärft die Diskussion um die Hautfarbe und verleiht den Bildern eine angenehme Distanz.

Üblicherweise schlägt die National Gallery bei den Porträts der abtretenden Präsidenten die Maler vor – hier haben die kunstaffinen Obamas aber ihre eigenen Präferenzen eingebracht. Es wird ihnen bekannt gewesen sein, dass die aktuelle Renaissance der figurativen Malerei gerade von den Afroamerikanern stark getragen wird. Diese Tendenz haben sie mit ihrer Wahl sowohl honoriert wie begünstigt. Chapeau!

Barack Obama dankt dem Maler Kehinde Wiley an der Enthüllung in der National Portrait Gallery in Washington (die zur Smithsonian-Gruppe gehört).

Die Porträts

Sie sind in der Tat famos. Gut, man könnte sagen, dass die Ausgestaltung der fertigen Porträts nicht von den Modellen abhängt. Doch das Wesen der Porträtierten ist ein wichtiger Faktor dabei. Auf Kehinde Wileys Bild sitzt ein nachdenklicher Barack Obama auf einem schlichten Stuhl, ohne Machtinsignien, ohne Allüre.

Aber Wiley hat gerade mit seinem Michael-Jackson-Porträt bewiesen, dass er auch anders kann, er könnte also allfällige Grössenfantasien seines Modells durchaus karikieren. Hat er hier nicht. So hatte die bescheidene Art Obamas – ein grosser Kontrast zum Gebaren seines Nachfolgers – durchaus einen Einfluss auf dieses schöne Bild, indem er vor einer grünen Wand sitzt, inmitten einer natürlichen Umgebung, in der grüne Blätter von farbigen Blumeneinsprengseln aufgeheitert werden.

Die Malerin Amy Sherald enthüllt das Porträt von Michelle Obama. Foto: Shawn Thew (EPA)

Michelle Obamas Bild kontrastiert das Porträt ihres Mannes, weil es gar nicht auf Understatement macht. Wie eine Königin sitzt sie in wallender Robe vor einem schlichten blauen Hintergrund (dieser ist übrigens Markenzeichen der Malerein Amy Sherald). In einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Frauen verstärkt um ihre Wahrnehmung als ein souveränes menschliches Wesen (und kein begrapschbares Objekt der Begierde) kämpfen, ist dieses ruhig überhöhende Porträt wohl genau das Richtige. Die an Rodins «Denker» erinnernde Pose unterstreicht dabei die Intelligenz der weiblichen Porträtierten.

Scherzkeks Barack Obama. Foto: Andrew Harnik (AP)

Die Enthüllungszeremonie

Auch diese war höchst angemessen. Barack machte Witzchen über seine grossen Ohren, lobte die «Hotness» seiner Frau und blieb der sympathische Kerl mit einem grossen Lächeln, als der er – zumindest auf der Auftrittsebene – den USA als einem vielleicht doch raffiniert zivilisierten Land stets eine gute Visitenkarte ausstellte. Michelle freute sich, dass ihre königliche Pose den kleinen dunkelhäutigen Mädchen ein Grund zum Ehrgeiz liefern könnte. Dem muss man zufügen, den gibt auch ihr schönes Kleid, gab doch in Sachen Mode die First Lady immer ein besseres Vorbild ab als die oft allzu knapp (und allzu milieumässig) bekleidete Beyoncé.

Michelle Obama, schön angezogen, sowohl auf dem Bild wie an der Enthüllungszeremonie. Foto: Shawn Thew (EPA)

Das Echo

Das ist gewaltig. Was die Obamas anpacken, wird doch wirklich immer zum Knüller. Wie machen die das? Alle berichten über die Porträts! Wann ist so was das letzte Mal passiert? Vielleicht 2006, als der Maler Nelson Shanks auf dem Porträt Bill Clintons für die gleiche National Gallery in Washington einen kurvigen Schatten (den alle für Monica L. hielten) versteckt hat. Nur, dass das Shanks-Porträt ein konventionelles Stück langweiliger Porträtmalerei war. Und die beiden Obama-Bilder wirklich gute Beispiele zeitgenössischer Kunst abgeben.

26 Kommentare zu “Obamas in Öl”

  1. peter miescher sagt:

    die portraits sind kitschig. sie erinnern zudem an die ganz billgen heiligenbilder frueherer zeiten. als “kunst” problematisch, von der thematik her beengt und zu vordergruendig. das passt irgendwie zum ex praesidenten und seinem monumentalen gedaechtnisbau. die geschichte duerfte herrn obama als typischen regierungsvorsteher in zeiten des untergangs sehen; hoechstens eine fussnote wie damals die lange reihe der soldatenkaiser, aber fuer seine zeit mit negativen auswirkungen.

  2. Lori Ott sagt:

    Herrjee, was sind das alles für griesgrämige, frustrierte, ätzende Wichtigtuer hier, welche den beiden Portraits, ohne sie je in Originalgrösse, geschweige denn im Original selbst gesehen zu haben, künstlerische Qualitäten abzusprechen versuchen? Die Ausstrahlung, Symbolik und Ästhetik der zwei Werke können nur wem blind, ignorant, oder beides von dem ist, entgehen!

  3. Tim Roth sagt:

    Obama mag ja ganz gut getroffen sein, über Geschmack und Kunst muss man wohl nicht streiten. Das Bild der First Lady gefällt mir besser, nur stellt sich die Frage, wer ist die Frau auf dem Bild. Die Präsidentengattin ja wohl eher nicht.

  4. Ri Kauf sagt:

    SO und jetzt sage ich es noch einmal auf die Gefahr hin, dass dieser Post nicht gezeigt wird: Mir gefallen die beiden Portraits ausnehmend gut. Auch wenn Obama sicher nicht alles richtig gemacht hat, die beiden waren ein super Präsidenten-Paar!

  5. Manfred Zwygart sagt:

    Das linke Auge von Obama ist vernebelt. Das hat eine sehr wichtige Bedeutung. Schaut genau hin und forscht in google.

  6. Manfred Zwygart sagt:

    Das Bild ist voller Symbolik.Obama tritt z.Bsp. im nächsten Moment mit dem linken Fuss auf die wunderschöne Lotusblume. Ich glaube nicht, dass der Messias vor 2000 Jahren dies gemacht hat.

    • Ewa Hess sagt:

      Tatsächlich haben die Blumen im Bild eine symbolische Aussage: Blaue Lilien repräsentieren Kenia, wo Baracks Vater geboren wurde, Jasmin ist die Blume von Hawaii, wo Barack geboren wurde und die Chrisanthemen symbolisieren Chicago, wo seine politische Karriere begann und wo er Michelle traf.

      • Michael Steiner sagt:

        Welche symbolische Bedeutung hat den das Sperma auf Obamas linker Schläfe? Das ist nicht als Witz gemeint. Das ist wirklich da. Ein Markenzeichen des Künstlers

        • Ewa Hess sagt:

          Zur Klärung: Die Behauptung, die angeschwollene Vene auf der Stirn des Präsidenten sei eine versteckte Darstellung von männlichem Sekret oder einer Zelle davon ist – wie die US-Medien analysiert haben – von den rassistischen Trollen, die sich auf dem Bildkanal 4Chan tummeln, in die Welt gesetzt geworden. Sie entspricht nicht der Wahrheit und wird hier nicht weiter kommentiert.

  7. Thomas Mueller sagt:

    Das Bild von Obama wirkt kitschig wie Malereien von Lunapark, was heutzutage leicht mit Kunst verwechselt werden kann. Da aber ein Bild von dem abgetretenen Messias natürlich nicht als schlecht bezeichnet werden darf, gilt wohl im Zweifel die Kategorie “Kunst”.
    Am Bild von seiner Frau finde ich am bemerkenswertesten, dass sie offensichtlich das Model als sechzehnjährig darstellt.
    Am traurigsten aber finde ich dass man so viele Worte darüber verlieren muss, dass es sich um Werke von afroamerikanischen Künstlern handelt. Wäre es OK, wenn man in umgekehrten Fall betonen würde dass es sich um weisshäutige Künstler handelt?

    • Hanspeter Müller sagt:

      “Wäre es OK, wenn man in umgekehrten Fall betonen würde dass es sich um weisshäutige Künstler handelt?” Waren Sie schon einmal in einem Museum und haben ein Bild von einem nicht weisshäutigen Künstler gesehen (Bild, nicht Foto oder Skulptur)?

    • Ri Kauf sagt:

      Ach,Müeller, was sind Sie doch miesepetrig ! Schlecht machen, wie es nur irgendwie geht! Weil nicht weiss?

    • Schadegger sagt:

      Ihre Abneigung den Obamas gegenüber ist ziemlich durchschaubar, Th. Müller.

  8. Denise sagt:

    Ich finde die Bilder nicht ‘famos’. Die Idee dahinter, die Aussage, ok. Aber maltechnisch ist das unteres Mittelmass.

    • Ewa Hess sagt:

      Liebe Leserin Denise, weder ich noch Sie haben die Bilder im Original gesehen, was unsere Diskussion über ihre Qualität leicht irrelevant macht. Aber ich erlaube mir hier den Pulitzer-Preis gekrönten Kunstkritiker der Washington Post Philip Kennicott zu zitieren, der in seiner Besprechung feststellt: «The Obamas’ portraits are not what you’d expect, and that’s why they’re great», die Porträts der Obamas seien gerade dadurch, dass sie Erwartungen nicht erfüllen, grossartig.

      • max schneider sagt:

        Technische Faehigkeiten in der Malerei ist en schon lange nicht mehr erforderlich, alles ist moeglich.
        Was zaehlt ist das Endproduckt. Obama machte dem Kuestler klar er wolle nicht vor einem Hintergrund voller Drohnen Kriegswaffen gezeigt werden (Drohnen Assasinationen waren Obama’s Forte) dafuer sitzt er im Gruenen umgeben von Blumen. Die Bilder sind decorativ seicht, man kann das Kitsch nennen.

      • Evangelos Zoidis sagt:

        Was für ein elitäres pret-à-porter Argument ist das? Die meisten Leute haben die meisten Kunstwerke der Geschichte der Kunst seit Lascaux nicht im Original gesehen. Heisst das, dass man keine Meinung darüber äussern darf? Es geht gradere nicht um die Plastizität des Farbauftrages…

      • Mike Cadell sagt:

        Na ja, Frau Hess. Der Kritiker würde es auch in den höchsten Tönen loben, wenn es ein Kindergärtner mit Fingerfarben gemalt hätte. Verglichen mit den bisher existierenden 43 Portraits ist es auf Platz 44.

      • Ri Kauf sagt:

        Eva Hess, Danke für diese Antwort UND den Artikel. Ich finde beide Portraits super gut. Bin selber in der Kunst zu Hause und finde es echt anmassend , wie hier Urteile gefällt werden!

        • Schadegger sagt:

          Ich glaube, in den Antworten ist die Zu- oder Abneigung den Obamas gegenüber ablesbar, Ri Kauf. Mir gefallen die Bilder auch: sie spiegeln für mich die Originalität des Präsidentenpaares.

  9. hans sagt:

    Das “Portrait” von Michelle ist allerhöchstens Durchschnittlich. Insbesonders im Vergleich zu den bisherigen Portraits sticht eine fehlende Qualität besonders heraus.

    • Ri Kauf sagt:

      Wie anmanssend sind Sie denn? Das können S I E beurteilen?

      • Mike Cadell sagt:

        Kann er. Wesshalb massen sie sich an, zu bestimmen was er kann oder nicht kann? Obamas Portrait ist eine Katastrophe. Die Anatomie ist völlig falsch. Obama hat 6 Finger auf einer überdimensionierten Hand. Der Hintergrund wurde mit Photoshop erstellt. Die Krone ist das Geschenk auf der Stirn. Der Maler hat keine Klasse, sorry.

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