Wie löst man sich vom Vater, zumal wenn er übermächtig ist und man ihm alles verdankt?

Nein, Sie lesen nicht den neusten Mamablog-Eintrag. Die Fragestellung gilt aber für einmal gleichermassen und im Schweizer Politalltag beschäftigt sie derzeit vor allem die zweite Reihe der SVP. Noch immer rebelliert sie leise, vereinzelt gibt es Rücktrittsforderungen an die Adresse der Parteispitze, an Christoph Blocher. Dabei müsste doch der Aufstand nach dieser Niederlagen-Serie viel grösser sein.

Man kann sie aber auch verstehen, die SVP-Parlamentarier, die sich nicht trauen, den Vater – König? – zu stürzen. Er war es, der die SVP zu dem machte, was sie heute ist, nämlich die mit Abstand wählerstärkste Partei der Schweiz. Innert drei Jahrzehnten verdreifachte sich die Anzahl Nationalratsmandate, waren es 1975 noch 21, so kam die SVP 2007 auf 62. Von einst 11 Prozent Wähleranteil noch Ende der 80er kratzte man 2007 an der 30 Prozent-Marke. Und immer war es Blochers führende Hand, die hinter dem Erfolg stand. Das ist einmalig in den letzten Jahrzehnten der Schweizer Politik, dass eine Person eine ganze Epoche dermassen geprägt hat. Dies sind beeindruckende Zahlen – aber gleichzeitig auch erdrückende.

Geschickt hat Blocher den Partei-Benjamin an die Spitze gesetzt und damit jedem Generationen-Meckerer das Mikrofon abgestellt.

Toni Brunner (l.), Christoph Blocher (M.) und Caspar Baader (r.) am 14. Dezember.

Die Angst, dass man ohne schützende Hand des Vaters versagt, ist verständlich: Toni Brunner (l.), Christoph Blocher (M.) und Caspar Baader (r.) am 14. Dezember.

Erdrückend für diejenigen, die jetzt den Wechsel anstreben, die aber davon profitiert haben, dass einer vorne den Karren zog, wenn nötig das Portemonnaie öffnete, sich in jede Schlacht warf und für jede Geschmacklosigkeit den Kopf hinhielt. Sie profitierten alle davon, dass die Politik der Scharfmacherei über Jahre hinweg aufging, dass Schäfchen-, Raben- und Burka-Plakate Stimmen brachten. Und mit den Stimmen kamen die Mandate und mit den Mandaten Ruhm, Macht und Geld.

Doch jetzt stehen sie da mit einem älter werdenden Übervater, der sie noch immer dominiert, den sie nicht loswerden. Dabei merken sie, dass es schon lange Zeit ist für einen Machtwechsel. Doch wie tun? Jeder, der aufsteht, gibt sich dem Vorwurf preis: «Du hast doch auch profitiert!»

Geschickt hat Blocher den Partei-Benjamin an die Spitze gesetzt und damit jedem Generationen-Meckerer das Mikrofon abgestellt. Sein Abgang aber wird dennoch kommen. Wenn nicht freiwillig, so erzwungen. Es mehren sich nämlich die Stimmen derer, die eine Erneuerung wünschen. Und ohne Erneuerung geht auf die Zeit jedes System unter.

Ob dereinst die neue Parteiführung den Erfolgskurs der SVP halten kann, ist wieder eine andere Geschichte. Die Angst nämlich, dass man ohne schützende Hand des Vaters versagt, ist verständlich. Aber mit ihr muss jedes Kind leben, das sich von den Eltern löst.

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