Das Volk entwaffnen? Ja, bitte!

Nicht ohne meine Armbrust: Schützenvereine sehen das verschärfte Waffenrecht als Wegbereiter zur Tyrannei. Foto: Keystone

Das freie Schweizertum steht kurz vor dem Abstieg in die Untiefen Gesslerscher Knechtschaft. Das wollen uns jedenfalls die Gegner des verschärften Waffenrechts weismachen, über das am Wochenende abgestimmt wird. Bei einem Ja zur Vorlage werde «das Volk entwaffnet», und von da ist es gemäss den Schützenvereinen und ihrem politischen Anhang nur noch ein kleiner Schritt bis zur Tyrannei. Schliesslich schütze nur die gut sortierte Waffensammlung im Kleiderschrank den Bürger verlässlich vor den Aggressoren aus Brüssel – und vor der eigenen, übergriffigen Regierung in Bern.

So abwegig diese Behauptungen sind, sie öffneten doch den Raum für eine wichtige Debatte: Ist privater Waffenbesitz heutzutage wirklich noch opportun? Oder läuft er nicht vielmehr in eklatanter Weise dem Grundsatz des staatlichen Gewaltmonopols entgegen?

Dass die Befürworter des Waffenrechts auf diese Debatte nicht einstiegen, gehört zu den verpassten Chancen des zu Ende gehenden Abstimmungskampfs. Eindringlich warnen der Bundesrat und seine Verbündeten stattdessen, dass man bei einem Nein aus dem Schengen-Verbund fliege. Und sie heben hervor, welch weitgehende Ausnahmen man in den Verhandlungen erwirkt habe. Nur sehr wenige Schweizer Waffenbesitzer seien von den Verschärfungen effektiv betroffen.

Unser aller Sicherheit ist bedroht

Es mag sein, dass die Taktik dieser Kampagne kurzfristig aufgeht und die eine oder andere Nein-Stimme aus konservativen Kreisen verhindert. Doch wäre es wichtig gewesen, die Tatsachen auch einmal ungeschminkt zu benennen. Dass ausschliesslich staatliche Organe das Recht besitzen, physische Gewalt auszuüben, gehört zu den überragenden Errungenschaften der abendländischen Zivilisation. Waffen jedoch sind Tötungsinstrumente, und sie bleiben das auch, wenn sie zu Sportzwecken genutzt werden. Aus diesem Grund haben sie in den Händen von Privatpersonen nichts verloren. Die Gleichsetzung von Waffenbesitz mit Freiheit oder gar Sicherheit kehrt die Verhältnisse geradezu schmerzlich in ihr Gegenteil.

In Wahrheit ist heute die Sicherheit eines jeden Einzelnen dadurch bedroht, dass Schiesswütige oder latent Gewalttätige ganz legal ihre Arsenale im Keller horten dürfen. Im Gegensatz zu den Umsturzfantasien der Waffennarren (das «wehrhafte Volk», das sich der «tyrannischen Obrigkeit» entgegenstellt) ist diese Bedrohung tagtäglich in den Polizeistatistiken ablesbar. Statistisch nachgewiesen ist auch, dass schärfere Waffengesetze effektiv einen Gewinn an Sicherheit bringen. Zweifelsfrei widerlegt ist damit das oft gehörte Gaga-Argument, ein Mordwilliger würde ohne Feuerwaffe eben mit Küchenmesser, Schraubenzieher oder Nagelfeile zur Tat schreiten.  

Statt auf diese Zusammenhänge hinzuweisen, agieren die Befürworter des Waffenrechts verschämt-defensiv: alles halb so wild mit den Verschärfungen. Dabei ist dies tatsächlich der einzige Makel, den die Abstimmungsvorlage vom Sonntag aufweist: Sie ist gegenüber Waffenbesitzern immer noch viel zu lax. Es wäre an der Zeit, deren Kleiderschränke und Keller gründlich auszuräumen – für unser aller Sicherheit.