Sind welsche SVPler nicht zürcherisch genug?

Die SVP sucht Kandidaten für den Bundesrat und findet sie anscheinend nicht. Die SVP fordert einen zweiten Bundesratssitz – der von keiner Partei formell bestritten wird – im Namen des sakrosankten Konkordanzprinzips und ihrer Resultate in den Wahlen vom Oktober. Denn mit 26,6 Prozent der Stimmen auf nationaler Ebene bleibt die SVP weiterhin die stärkste politische Kraft des Landes, mit einem Vorsprung von 8 Prozent auf die SP. 

Aber die SVP hat ein grosses Problem, von dem täglich in der Deutschschweizer Presse zu lesen ist: die wirren Äusserungen von Christoph Blocher und der obersten Parteileitung. Sie kann keine Kandidaten aufstellen. Der Basler Caspar Baader steht nicht zur Verfügung. «Nein Danke!», antwortet der Thurgauer Roland Eberle auf die drängenden Fragen und erinnert sich zweifellos an die bittere Niederlage aus dem Jahr 2000. Ein anderer Thurgau, der «Topshot» der Industrie Peter Spuhler, weist die Möglichkeit einer Kandidatur klar von der Hand: «Ich stehe nicht zur Verfügung!» 

Deshalb drehen sich national weitgehend unbekannte Personen wie der Zuger Heinz Tännler und der Appenzeller Köbi Frei im Moment auf dem Medienkarussell. «Und ich, und ich, und ich!» könnten die welschen SVP-Mitglieder nach der Melodie von Jacques Dutronc singen und der Refrain wäre dann «Sechs Millionen Deutschschweizer und ich, und ich, und ich!» Aber seit dem 23. Oktober nimmt weder die Leitung der SVP noch die Deutschschweizer Presse dieses Lied auf. Jeder tut so, als ob es den Freiburger Jean-François Rime und den Waadtländer Guy Parmelin nicht gäbe… 

Es ist wahrhaft erniedrigend, dass Jean-François Rime und Guy Parmelin, zwei erfahrene Parlamentarier, die noch nicht genug von Bundesbern haben, nur letzte Wahl sind. 

Gehört trotz seiner Erfahrung nicht zum engen Favoritenkreis: SVP-Nationalrat Jean-François Rime.

Gehört trotz seiner Erfahrung nicht zum engen Favoritenkreis: SVP-Nationalrat Jean-François Rime.

Oder fast nicht… Manchmal werden die beiden tapferen Soldaten des Blochertums in der Welschschweiz doch erwähnt. Wenn der Angriff auf den BDP-Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf scheitert, wird die SVP mit einem welschen Kandidaten den FDP-Sitz von Didier Burkhalter angreifen. Jean-François Rime würde in diesem Plan B den Winkelried spielen und zum dritten Mal antreten. Und da es der SVP nicht an guten Ideen mangelt, gibt es sogar eine Alternative zu Plan B: Guy Parmelin. Offensichtlich sind die Welschen bei der SVP nur zweite Wahl. 

So fällt die SVP nach dem für sie überraschenden Rückgang der Stimmenzahl vom Regen in die Traufe. Es ist wahrhaft erniedrigend, dass Jean-François Rime und Guy Parmelin, zwei erfahrene Parlamentarier, die noch nicht genug von Bundesbern haben, nur letzte Wahl sind. Indessen stehen ihre Kompetenz, ihr politischer Stammbaum und ihre Bilanz im Bundeshaus jenen der so genannten «Papabili» in keiner Weise nach. Eine noble Geste der SVP ihnen gegenüber schliesst ja Kandidaturen aus der Deutschschweiz keineswegs aus und wäre ein gutes Omen für den zweiten Bundesratssitz, den die wählerstärkste Partei so sehr wünscht. 

Diese Geste könnte zum Beispiel mit der Vertretung der Sprachgebiete begründet werden. Alle grossen Parteien mit zwei Bundesratssitzen hatten je einen Bundesrat aus der Deutschschweiz und aus der lateinischen Schweiz. Nicht so die SVP von 2003 bis 2007. Aber Samuel Schmid war ja nur ein halber Bundesrat. Das war bereits ein Ausdruck der Geringschätzung gegenüber einem Mitglied, das nicht die reine Lehre der Zürcher SVP predigte. Ihr steht nun heute mit dem Erfolg der BDP das Wasser bis zum Hals. Wenn die SVP nicht auf die welsche Karte setzt, begeht sie denselben Fehler gleich noch einmal: Sie verpasst die Chance, sich in der Westschweiz durchzusetzen und zu einer wirklich gesamtschweizerischen Partei zu werden. 

// <![CDATA[
document.write("„);
// ]]>