Das Protokoll

Bei Pascal Broulis, Philippe Leuba und Jacqueline de Quattro gilt künftig: Mein Telefon ist euer Telefon. (Foto: Keystone)

Die Waadtländer Regierung hat kürzlich entschieden, sich selbst zu durchleuchten. Grund ist, dass der «Tages-Anzeiger» Interna aus einer Regierungssitzung bekannt gemacht hatte. In dieser Sitzung wurde Finanzdirektor Pascal Broulis (FDP) von den Kollegen aufgefordert, seine Steuererklärung öffentlich zu machen. Broulis, der wegen Steueroptimierung in der Kritik steht, hat sich vergeblich gewehrt und emotional reagiert.

Nachdem dies alles im «Tages-Anzeiger» zu lesen war, entschied die Regierung, dass alle Staatsräte ihre Telefonkontakte der letzten zwölf Monate offenlegen müssen, um das Informationsleck zu finden. So weit die Fakten.

Was, wann und mit wem?

Die Skurrilität dieser Massnahme hat uns dazu bewogen, nach einem solchen Telefonüberwachungsprotokoll zu suchen. Wir sind fündig geworden – auf dem Feld der Satire. Und halten damit, wie von der Waadtländer Regierung gewünscht, fest, mit wem die einzelnen Staatsräte kürzlich telefoniert haben:

7.24 Uhr: Pascal Broulis telefoniert mit Mario Fehr. Broulis will wissen, wie oft man mit Journalisten telefonieren soll. Fehr rät ihm, es pausenlos zu tun – und erzählt, wie er damit der beliebteste und bestgewählte Regierungsrat geworden sei.

9.18 Uhr: Jacqueline de Quattro telefoniert mit Johann Schneider-Ammann. Sie möchte in Erfahrung bringen, wann er endlich zurücktritt. Schneider-Ammann begrüsst sie mit «Salut chère Isabelle», worauf de Quattro aufhängt.

9.40 Uhr: Pascal Broulis telefoniert immer noch mit Mario Fehr.

10.31 Uhr: Pierre-Yves Maillard telefoniert mit Isabelle Moret und Pierre Maudet. Sie verabreden für den Abend ein Treffen der Selbsthilfegruppe «Conseil fédéral sans moi».

11.16 Uhr: Philippe Leuba telefoniert mit FC-Basel-Präsident Bernhard Burgener. Der frühere Schiedsrichter erinnert Burgener daran, wie der FCB 2002 dank seines Elfmeter-Entscheids Cupsieger wurde. Nun will er sich als Sportchef ins Gespräch bringen.

12.06 Uhr: Pascal Broulis beendet das Gespräch mit Mario Fehr, nachdem ihm dieser wiederholt vergeblich versucht hatte, das Wort «Bierdusche» auf Französisch zu übersetzen.

13.36 Uhr: Jacqueline de Quattro telefoniert mit Petra Gössi, um die Flyer für ihren nächsten Bundesratswahlkampf zu besprechen. Gössi weist sie an Doris Fiala weiter. Fiala habe für sich selbst bereits kiloweise Flyer gedruckt und könne sicher weiterhelfen.

15.21 Uhr: Philippe Leuba telefoniert mit Christian Constantin. Der Walliser will wissen, wie man Schiedsrichter behandeln muss, wenn man wieder mal Cupsieger werden will.

16.43 Uhr: Pascal Broulis meldet sich bei Regierungspräsidentin Nuria Gorrite ab. Er müsse sich kurz an seinem Steuerdomizil Sainte-Croix zeigen.

17.58 Uhr: Staatskanzler Vincent Grandjean gibt ausgewählten Journalisten brühwarm Interna aus den Regierungssitzungen preis.

19.13 Uhr: Jacqueline de Quattro gibt ihrer Familie Bescheid, man solle ohne sie mit dem Nachtessen beginnen. Sie telefoniere seit drei Stunden mit Doris Fiala.

20.31 Uhr: Pascal Broulis bestellt die Staatskarosse nach Sainte-Croix, um sich zurück nach Lausanne fahren zu lassen.

23.54 Uhr: Pierre-Yves Maillard bestellt ein Taxi zur Pinte Besson, um nach Bursins zu fahren.

0.48 Uhr: Pierre-Yves Maillard telefoniert mit seinem Anwalt. Er sei zusammen mit Moret und Maudet von der Polizei angehalten worden, als sie die Garageneinfahrt von Guy Parmelin mit dem Schriftzug «On aurait mieux fait!» versprayten. Man möge ihn bitte abholen.

 

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