Kinder kosten, schaden und bringen nichts

Politblog

Wie viel besser wäre die Welt ohne sie! Kinder am ersten Schultag in Zürich-Affoltern. Foto: Sabina Bobst

Die Welt ist gross und verwirrend. Im «Tages-Anzeiger» heisst es am Donnerstag, dass die UBS ihren Vaterschaftsurlaub ausbauen möchte. «Jüngere Mitarbeiter wollen mehr Flexibilität», sagt ein Banker. In «20 Minuten» kündigt Vujo an (er ist offenbar in jene Schweizer Prominentenkategorie aufgestiegen, in der man auf Nachnamen verzichten darf: Emil, Polo, Vujo), dass er mit seiner 24-jährigen Freundin, die momentan noch Jus studiert, zehn Kinder haben möchte. Wahrscheinlich hat Vujo ein Angebot von der UBS. Und wahrscheinlich hat Vujo, safe guess, die NZZ nicht gelesen, die ebenfalls am gleichen Tag eine Seite mit folgendem Titel brachte: «Kinder sind ein Ego-Projekt».

Wer die Seite gelesen hat, die ganze, der kann eigentlich nicht anders, als sich zu entschuldigen.

Es tut mir leid, liebe NZZ. Ich habe zwei Söhne. Und ich habe mir nichts dabei gedacht.

Kinder als Klimasünde

Das schlechte Gewissen nimmt während der Lektüre Zeile um Zeile zu. Die Autorin beginnt mit Ökonom Reiner Eichenberger. Der sagt: «Rein finanziell betrachtet, kostet ein Kind die Gemeinschaft im Durchschnitt mehr, als es ihr bringt.» Die Nettobilanz pro Kind: negativ. Sorry!

Und dieses Kind kostet nicht nur, es schadet sogar (in meinem Fall: doppelt). Eine Forschergruppe in Schweden hat herausgefunden, dass nicht Kontinentalflüge oder Rindsfilets aus Argentinien unsere grössten Klimasünden sind. Sondern: meine Söhne. «Ein Kind ist die mit grossem Abstand höchste Umweltbelastung, die ein Mensch auslösen kann.» Für die NZZ-Autorin ist klar: Weniger ist mehr. «Ist es – gerade in der Schweiz – für das Individuum und seine persönliche Lebensgestaltung nicht besser, dass der begrenzte Raum, die begrenzten Ressourcen sich auf eine kleinere als auf eine grössere Zahl von Einwohnern verteilen?» Sie meint Ja, auch «aus liberaler Sicht».

Vorbild China

Sollte man also tatsächlich den ungehörigen Gedanken in sich tragen, ein Kind auf diese Welt zu bringen und damit die Lebensqualität von uns allen (und besonders von NZZ-Redaktorinnen) aufs Spiel zu setzen, sollte man vorher einen «unverstellten Blick» ins Innere werfen. Bin ich für Kindererziehung geeignet? Habe ich den richtigen Partner? Denn, aufgepasst, gescheiterte Paarbeziehungen kosten uns alle wieder viel Geld (dazu sei ergänzend die Lektüre der «Weltwoche» empfohlen, die ebenfalls am Donnerstag schreibt, der Sozialstaat sei schuld an den vielen alleinerziehenden Müttern. Vielleicht sollte dieser Sozialstaat auch einmal einen «unverstellten Blick» in sein Inneres werfen).

Wir fassen zusammen: Kinder schaden. Kinder kosten. Kinder nehmen Platz weg. Kinder bringen nichts. Und falls es denn wirklich, wirklich!, notwendig sein sollte, zur Selbstbefriedigung seines Egos ein solches KIND auf die Welt zu bringen, dann wäre es gut, wenn die Eltern dieser verabscheuungswürdigen Kreaturen zumindest vernünftige, gut ausgebildete und vermögende Menschen wären (und nicht Vujo heissen).

Vielleicht müsste man in diesem Zusammenhang auch an die Chinesen denken. Die machen es nämlich richtig. Eine Familie, ein Kind (höchstens). Wäre vielleicht auch ein gutes Modell für die Schweiz. So aus liberaler Sicht.