Zweiter SVP-Bundesrat: Es kann nur einer sein

Die SVP hat ein Riesenproblem: Sie hat keine Kandidaten für die Bundesratswahl. Seit Wochen führt die Partei in aller Öffentlichkeit ein Trauerspiel auf. Caspar Baader sagte ab, obwohl von Blocher auf den Schild gehoben; Jean-Francois Rime begeistert niemanden; Roland Eberle mag nicht nochmals eine Bundesratswahl-Schlappe einziehen. Und das Schlimmste am Ganzen: Das beste Pferd im Stall bockt. Peter Spuhler wehrt sich seit Jahr und Tag gegen das Amt, von welchem 99 Prozent der Politiker im Land träumen.

Spuhler erfüllt alle Kriterien für eine absolute Topkandidatur. Seine Führungserfahrung hat er mit dem Aufbau eines weltweit agierenden Bahnkonzerns unter Beweis gestellt. Er ist der einzige SVP-Mann, der für Parlamentarier anderer Parteien wählbar ist, weil er sich hinter die Bilateralen Verträge stellt. Und – was nicht unwichtig ist – Spuhler ist äusserst populär.

Spuhler ist eine Art zweiter Nicolas Hayek. Er hat sich erfolgreich gegen den Untergang einer traditionsreichen Industrie gestemmt. Wer in der Schweiz Eisenbahnen baut, ist ein Held.

Peter Spuhler an einer Presskonferenz seiner Stadler-Rail.

Er ziert sich noch: Peter Spuhler an einer Pressekonferenz der Stadler Rail Group, Mai 2010.

Spuhler ist eine Art zweiter Nicolas Hayek. Er hat sich erfolgreich gegen den Untergang einer traditionsreichen Industrie gestemmt. Wer in der Schweiz Eisenbahnen baut, ist ein Held, ganz besonders, wenn alle anderen dies resigniert aufgegeben haben. Klar hat Spuhler auch Tolgen im Reinheft: Sein kurzer UBS-Abstecher war kein Ruhmesblatt und beim Verkauf von Bahnmaterial an Weissrusslands Diktator Lukaschenko musste er wohl beide Augen zudrücken. Seinen Erfolg vermag dies aber nicht zu trüben.

Bei der SVP weiss man ob des schweizweiten Status’ von Spuhler. Und deshalb wird der Thurgauer wohl auch parteiintern bekniet. Mit Verweis auf sein Unternehmen, das er nun durch eine stürmische Phase führen müsse, winkt der Thurgauer kategorisch ab. Man nimmt es ihm ab. Er kann sein Kind nicht loslassen. Aber für dieses Problem sollte sich doch eine Lösung finden lassen.

Die SVP kann noch so lange suchen, einen wie Spuhler findet sie nicht. Darum sollte sie mit aller Kraft auf den Thurgauer einwirken. Blocher kann ihm zeigen, wie man eine Firma in andere Hände übergibt. Selbst von den anderen Bundesratsparteien dürfte man ein Lobbying beim Thurgauer erwarten.

Im Hickhack um die Bundesrats-Gesamterneuerungswahl zeichnet sich ab, dass die FDP auf einen zweiten Sitz verzichten muss. Sie kann mit nur 15 Prozent Wähleranteilen schlicht und einfach keinen Anspruch mehr rechtfertigen. Ein Ja von Spuhler würde das Hin und Her wohl ein für allemal beenden. Eine Wahl in die Landesregierung hätte er praktisch auf sicher. Der Weg wäre frei für Jahre der Stabilität im Bundesrat. Und was kann die Schweiz für die kommende Zeit der Unsicherheit besser brauchen? Genauso wie die SVP Spuhler braucht, so braucht auch die Schweiz den besten hiesigen Patron der Neuzeit an den wichtigsten Schalthebeln der Macht im Bundesrat. Auch wenn Spuhler gestern im «Blick» abermals abwinkte: Das sollte ihm Verpflichtung sein.

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