Der «Integrations-Vertrag» – und die Fussnoten dazu

Jeder nimmt am Schweizer Alltag teil, das ist laut «Blick» Pflicht: Fahnenschwinger am Appenzeller Schwingfest 2016. Foto: Benjamin Manser (Keystone)

Der «Blick» hat den Ausländern in der Schweiz den Tarif durchgegeben – mit einem «Integrationsvertrag», den doch alle Migrantinnen und Migranten unterschreiben mögen. Wir finden: Es gibt da noch ein paar Unklarheiten. Gerne helfen wir mit einigen Präzisierungen (kursiv) nach.

INTEGRATIONS-VERTRAG

DIE RECHTE

  1. Das Schweizer Recht gilt in der Schweiz für alle.
    Stimmt schon. Nur: Manche sind vor dem Gesetze gleicher als andere. Als Ausländer ist es darum hilfreich, Sie haben ein paar Millionen auf der hohen Kante. Dann erhalten Sie eine Niederlassungsbewilligung auch ohne lästige Deutschkurse.
  2. Das Recht steht über der Religion.
    Hier kennen wir tatsächlich kein Pardon. Deshalb verbieten wir den Bau von Minaretten.
  3. Mann und Frau sind gleichberechtigt.
    Nun gut, das mit dem Stimmrecht dauerte ein wenig länger. Und ja, mit dem gleichen Lohn für gleiche Arbeit hapert es auch noch. Aber es geht ums Prinzip!
  4. Jede und jeder geniesst hohe persönliche Freiheit.
    Aber wir halten es da ganz mit Kant: Auch bei uns endet die Freiheit dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Das heisst: Das mit dem Rasenmähen lassen Sie am Samstag schön bleiben. Nach 22 Uhr wird nicht mehr geduscht. Und Ihr Glas entsorgen Sie nicht am Sonntag.
  5. Alle dürfen über alles reden.
    Sie fragen nach meinem Lohn? Gehts noch? Ich sage Ihnen aber gerne jenen meines Kollegen.

DIE PFLICHTEN

  1. Jeder beherrscht oder lernt eine Landessprache.
    Finden Sie sich damit ab. Oder ziehen Sie ins Wallis.
  2. Jedes Kind besucht die Schule – und respektiert die Regeln.
    Das Kind darf man gerne auch mit dem Offroader dorthin fahren. Falls es sich als schwacher Schüler entpuppt: Schicken Sie es in den Nachhilfeunterricht. Oder auf eine Privatschule.
  3. Jeder nimmt am Schweizer Alltag teil.
    Sie beginnen den Tag auf dem Melkschemel und lassen ihn am Alphorn ausklingen. Dazwischen erscheinen Sie pünktlich zur Arbeit. Oder so ähnlich.
  4. Jeder verteidigt die Freiheit.
    Als anständiger Schweizer tragen Sie deshalb ein Sackmesser auf sich – unser Verteidigungsminister hat es dieser Tage im «Migros-Magazin» vorgemacht.
  5. Jeder sorgt für sich selbst.
    Die Anbauschlacht aus dem Weltkrieg steckt uns noch in den Genen: Pachten Sie einen Schrebergarten. Und lassen Sie Ihre ebenfalls frisch zugezogenen Nachbarn auf der Parzelle nebenan gleich den «Blick»-Integrationsvertrag unterschreiben. Die Portugiesen-Fahne bei Familie Oliveira können Sie dabei gleich abhängen.

DIE NORMEN

Hier gibts den Integrations-Vertrag zum Download.

  1. Man zeigt sein Gesicht.
    Ausser, Sie gehen an die Fasnacht. Oder fahren Töff. Oder treffen sich am Rande des Fussballmatchs zur gepflegten Prügelei mit Gleichgesinnten.
  2. Man reicht einander bei der Begrüssung und zum Abschied die Hand.
    Ausnahmen sind möglich in der Grippesaison – oder wenn Ihr Gegenüber einer von denen ist, der nach dem Toilettengang die Hände nicht wäscht.
  3. Man behandelt Amtspersonen, ob Frau oder Mann, korrekt und mit Respekt.
    Ausser, es handelt es sich um einen Vertreter der Kesb. Da wird ziviler Ungehorsam patriotische Pflicht!
  4. Man hält Ordnung, Ehrlichkeit und Anstand hoch.
    Nicht zu verwechseln mit Steuerehrlichkeit. Das leben wir auch an der Spitze des Landes vor. Wie sagte doch schon Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann? «Steuern optimieren ist sehr schweizerisch.»
  5. Man trägt Konflikte aus anderen Ländern und Kulturen nicht in die Schweiz.
    Es sei denn, damit lassen sich am hiesigen Kiosk ein paar Zeitungen verkaufen. Mit einer Boulevardkampagne rund um das Referendum in der Türkei zum Beispiel.