Blochers Energie hat keine Zukunft

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Mit Blochers Strategie nimmt die Abhängigkeit vom Ausland zu, nicht ab: Das umstrittene belgische Atomkraftwerk Tihange. Foto: Oliver Berg (DPA, Keystone)

Mit Blochers Strategie nimmt die Abhängigkeit vom Ausland zu, nicht ab: Das umstrittene belgische Atomkraftwerk Tihange. Foto: Oliver Berg (DPA, Keystone)

Nicht sehr entspannt waren die Festtage wohl für Albert Rösti. Er muss die notwendigen Unterschriften für das Referendum gegen die «Energiestrategie 2050» zusammenbringen – und es harzt. Verständlich, gehören doch gerade die Bauern zu den Gewinnern der Energiestrategie: Biomasse-, Wind- und Sonnenenergie schaffen neue Geschäftsfelder. Auch viele SVP-Wähler finden es richtig, auf einheimische Energie statt auf importiertes Erdöl und Uran zu setzen. Um dennoch die nötigen Unterschriften zu sammeln, versuchte die SVP vor Weihnachten noch mit einer Pressekonferenz Staub aufzuwirbeln. Die einzigen Kronzeugen, die sich für diese Aktion einspannen liessen, waren eine Alt-Ständerätin und ein emeritierter Professor.

Hohe Selbstversorgung gefordert

Zu Recht liess das die Medien kalt: Einige Tage davor hatte Christoph Blocher bereits die Katze aus dem Sack gelassen. In einem bemerkenswerten Interview mit dem «Tages-Anzeiger» gab er sich als treibende Kraft hinter dem SVP-Referendum zu erkennen und skizzierte seine Vision für die Schweizer Stromversorgung.

Alt-Bundesrat Blocher fordert eine hohe Selbstversorgung mit Strom und ein Nein zur Energiestrategie. Wie passt das zusammen? Ohne Energiestrategie nimmt die Selbstversorgung ab und die Abhängigkeit vom Ausland zu, weil weniger in einheimische Erneuerbare und Energieeffizienz investiert wird. Auch wenn das Parlament bei der AKW-Sicherheit beide Augen zudrückt; die Betreiber werden ihre Uralt-AKW früher oder später abstellen müssen – der Heimat zuliebe sollte die SVP auf «früher» plädieren.

Niemand glaubt an neue AKW

Wieso erkennt Herr Blocher nicht, dass die Selbstversorgung ohne Energiestrategie abnimmt? Grund ist wohl sein (Irr-)Glaube, in der Schweiz könne ein neues AKW gebaut werden. Das führt ihn zum zweiten Widerspruch: Die Energiestrategie 2050 wegen der angeblich zu hohen Kosten kritisieren und gleichzeitig Subventionen für bestehende Wasserkraft und AKW fordern. Mal abgesehen davon, dass AKW-Subventionen WTO-widrig sind und nicht – wie von Herrn Blocher behauptet – die Unterstützung von Erneuerbaren, ist dieser Vorschlag viel teurer! Wie andere Politiker, welche die Energiestrategie bekämpfen, hat der SVP-Stratege offensichtlich nicht mitbekommen, wie grundlegend sich die Kosten der Produktion im Strommarkt verändert haben. Während neue erneuerbare Energien wie Solarstrom, Wind und Biogas sowie Speicher wie Batterien oder Wasserstoffsysteme immer günstiger werden, werden AKW immer teurer.

Der Bau neuer AKW kann deshalb nur staatlich erzwungen werden – mit Milliarden von Steuergeldern. Nicht einmal in der Stromwirtschaft glaubt noch jemand ernsthaft an neue AKW. Über die Subventionen würde sich als AKW-Lieferantin die Atommacht Frankreich und natürlich Blochers Freund Martin Ebner freuen, welcher eifrig Alpiq-Aktien kauft; doch mir ist lieber, das Geld fliesst in Technologien, welche unsere Hochschulen entwickeln und die unser Gewerbe installiert. Das hat Zukunft.