Ein Bischof für Zürich – Anzeichen einer Lösung

Politblog

Die Liebfrauenkirche ist ein möglicher Sitz für eine Zürcher Konkathedrale. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Die vom Churer Bischof Vitus Huonder in Auftrag gegebene Umfrage über die Errichtung eines Bistums Zürich hat neben den beiden voraussehbaren Ergebnissen dank der Reaktion des Bischofs auch zwei erstaunliche Resultate gezeitigt. Erwartet werden konnte, dass im Kanton Zürich ein eigenes Bistum deutlich befürwortet wird. Selbst der Regierungsrat und der reformierte Kirchenrat begrüssten den Vorschlag und wiesen zudem darauf hin, dass ein Mitspracherecht der Zürcher Katholiken bei der Bischofswahl wünschbar sei. Ebenso deutlich ist die Ablehnung in den sechs anderen Bistumskantonen, die sich gegen ein Ausscheiden von Zürich aus dem Bistum Chur aussprachen.

Unerwartet ist jedoch, dass Bischof Huonder in seiner Stellungnahme zum Umfrageergebnis auch den immer wieder geäusserten Vorschlag der Errichtung eines Doppelbistums Chur-Zürich «definitiv als erledigt» bezeichnet. Da er eine Übersiedlung des Bischofs nach Zürich entschieden ablehnt – wie übrigens auch die Bündner Regierung –, bestünde die Neuerung lediglich darin, dass Zürich im Bistumsnamen erschiene und eine Zürcher Kirche den Rang einer Konkathedrale erhielte. Für Zürich hätte ein Doppelbistum nach Meinung von Bischof Vitus Huonder daher lediglich symbolische Bedeutung. Er drückt damit diplomatisch aus, was schon immer als Etikettenschwindel bezeichnet wurde.

Noch überraschender ist, dass es Bischof Huonder trotz der Umfrageresultate verfrüht scheint, das Projekt Bistum Zürich für beendigt zu erklären, und er sich fragt, wie es allenfalls weiterzuverfolgen sei. Er habe den Zürcher Generalvikar Josef Annen gebeten, im Gespräch mit der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich zu klären, ob eine Kommission einzusetzen sei, die das Projekt «Bistum Zürich» weiter prüfe, so Huonder. Die Adressaten der Bitte sind ein Hinweis, wie Zürich erneut Sitz eines Bischofs werden könnte wie schon in den Jahren 1993–2009, als zuerst Bischof Peter Henrici und danach Bischof Paul Vollmar als regionale Generalvikare in Zürich tätig waren.

Ende 2009 brüskierte Bischof Huonder ohne vorhergehende Absprache mit dem Synodalrat die Zürcher Kantonalkirche mit der Mitteilung, als Nachfolger von Vollmar habe der Papst Marian Eleganti zum neuen Weihbischof ernannt. Hier kannte praktisch niemand den Mönch und Abt des Klosters der Missionsbenediktiner in Uznach, das zur Kongregation des bayrischen Klosters St. Ottilien gehört. Und umgekehrt war Eleganti mit den Verhältnissen in Zürich in keiner Weise vertraut. Auf Drängen des Synodalrates verzichtete er daher auf das Amt des Generalvikars und begnügte sich mit pastoralen Aufgaben. Zwar nahm er an den Sitzungen von Synode und Synodalrat teil, das Amt und die Befugnisse des Generalvikars blieben jedoch bei Josef Annen. Huonder berief daher den praktisch kompetenzlosen Weihbischof schon nach einem Jahr als Leiter des Priesterseminars wieder zurück nach Chur. In Zürich gab es nach 17 Jahren keinen Bischof mehr.

Mit der Ernennung eines Weihbischofs als regionaler Generalvikar für den Kanton Zürich, diesmal im ausdrücklichen Einvernehmen mit dem Synodalrat, würde Zürich wieder Sitz eines Bischofs. Es ist anzunehmen, dass Bischof Huonder das Geschäft noch vor seinem Rücktritt im nächsten Jahr bearbeiten will.

8 Kommentare zu «Ein Bischof für Zürich – Anzeichen einer Lösung»

  • breitenmoser sagt:

    Wenn die katholische Kirche mehr Frauen als Bischöfinnen wählen könnte,,hätte sie weniger Probleme.

  • Murer-Zuber Pia sagt:

    Bischof Vitus Huonder erweckte mit seiner Umfrage den Anschein nach Offenheit und Volksnähe. Dahinter ahne ich eine gefährliche Strategie. Denn ich befürchte, dass Bischof Huonder mitbestimmen will, wer in Zürich Bischof werden soll. Und noch schlimmer: Der Churer Bischof kann dann in Rom für den knapp 50-jährigen Grichting als sein Nachfolger lobbyieren.
    Es darf uns nicht gleichgültig sein, was dann im Bistum Chur geschieht. Darum bin ich im gegenwärtigen Zeitpunkt gegen ein Bistum Zürich. Kommt dazu, dass auch der amerikanische Erzbischof Nuntius Edward Gullickson in Bern als Gegner der demokratischen Strukturen gilt. Erst wenn die Nachfolge von Bischof Huonder bestimmt ist, könnte man wieder über ein Bistum Zürich nachdenken. Pia Murer-Zuber, Urdorf

  • Robert F. Reichmuth sagt:

    Ein Bischof für Zürich – ein Bistum in Zürich? Meine Jung- und Altvorderen hören mein Brummen:
    .
    Bei anhaltender Massenzuwanderung von kulturfernen Arbeitskräften, wird ein Z-Bistum nicht zu verhindern sein, zumal viele unserer christlichen „Immo-Häscher“ auf anhaltenden Nachschub an Menschenmaterial für die einschlägigen GEWERBE angewiesen sind.

  • Walter Boshalter sagt:

    Ein Bistum Zürich macht nur Sinn, wenn durch einen passenden Staatsvertrag Schweiz-Vatikan zur Landeskirche die Bischofswahl über einen von der Synode ausgewählten Kandidaten läuft welchen Rom nur noch bestätigen kann. Dies wird der eigentliche Knackpunkt bei der ganzen Bistumsfrage.

  • Jacques Taitinger sagt:

    Sofort einverstanden. Nach der Wahl einer amerikanischen Päpstin.

  • K. Keller sagt:

    Kirche heute = Religionsfolklore
    2015 waren von den 1,463 Mio. Einwohnern im Kanton Zürich bereits über 42% konfessionsfrei. In der Stadt über 49%. Bald werden über 50% keiner Kirche angehören. Das heisst, Konfessionsfreiheit wird zur überwiegenden Norm. Säkularisierung sei Dank. Wer keiner Religion angehört, gilt deshalb weder als religions- noch als gottlos, noch als ungläubig, sondern als säkular. Identitätsstiftend ist heute nicht mehr Religiosität, sondern Säkularität. Im Zeitalter der Säkularität sind Kirchen in erster Linie nicht-säkulare Gebilde. Die heutige Bedeutung von Kirchen beschränkt sich auf blosse Religionsfolklore (Kirchgang zu Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Hochzeiten und Beerdigungen), vergleichbar mit einem Trachtenfest (Zürcher Sechseläuten).

    • P. Berger sagt:

      Gut, sagt das jemand. Sie haben völlig Recht. Es geht noch weiter:
      1. Selbst zu ihren genannten kirchenfestlichen Anlässen gehen immer weniger Menschen.
      2. Kirchliche Hochzeitszeremonien sind beliebt, dennoch verzichten immer mehr darauf.
      3. Beerdigungsrituale ohne Kirche und Pfarrer werden vermehrt nachgefragt.
      4. Was Religiosität bedeutet, bestimmen nicht mehr die Kirchen, sondern jeder einzelne für sich.
      5. Das Wichtigste: Kirchen haben den Status als moralische Institution längst verloren. Verlautbarungen ihrerseits bezüglich (christlicher) Ethik und Moral gelten bloss noch als eine Meinung unter vielen.
      Das war absehbar. Wie heisst es doch: „Säkularisierung schafft Raum für säkulare Ethik und Ethik ist wichtiger als Religion.“

  • E. Hugentobler sagt:

    Die Brüder aus Chur wollen dort sein, wo es viele Brüder gibt und das trifft insbesondere auf Zürich zu. Der Wunsch eines Zürcher Bistums liegt demnach in der Pflege warmherziger Brüderlichkeit.
    Die Zahl der kirchlichen Brüder, welche in Zürich leben wollen, dürfte sehr gross sein. Die menschliche Natur kann man nun mal nicht unterdrücken.

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