Einfach kein Fleisch mehr essen?

Während das Land immer weiter in den Wahlkampf-Taumel verfällt, rückt gleichzeitig ein Dossier mit strategischer Tragweite in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der nächsten Legislatur: die Agrarpolitik 2014-2017.

Die Aufwertung der landwirtschaftlichen Produktion steht nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit ganz oben auf der politischen Agenda. Der konstante Anstieg der Weltbevölkerung, die Verknappung von kultivierbarem Land und Wasser und vor allem die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten aufgrund eines höheren Lebensstandards in den aufstrebenden Ländern bewirken eine stetige Abnahme der weltweiten Getreidevorräte. Gleichzeitig hat die internationale Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) berechnet, dass die weltweite Fleischproduktion jedes Jahr um 5 Tonnen ansteigen wird. Das entspricht der 12-fachen Produktion der gesamten Schweiz! China produziert jetzt schon gleich viel Fleisch wie die EU und die USA zusammen. In Indien sieht es ähnlich aus.

Man kann jetzt über die ethischen Aspekte streiten, aber diese Tatsachen müssen erst einmal schonungslos festgestellt werden. Dazu kommt, dass gewisse Länder, die Getreide exportieren, Opfer von Klimakatastrophen wurden (etwa von anhaltenden Dürren und Überschwemmungen etc.). All diese Faktoren sorgen für eine Instabilität der Nahrungsmittelpreise an den internationalen Märkten und drücken diese weiter in die Höhe. Die Konsequenz ist leider, dass die Anzahl hungerleidender Menschen auf der Welt seit einigen Jahren wieder ansteigt.

Bis jetzt haben uns Dumpingpreise, Produktions-Überschüsse auf dem Weltmarkt und unsere hohe Kaufkraft vor Versorgungsproblemen bewahrt. Das wird sich in Zukunft jedoch ändern.

Die steigende Fleischproduktion verteuert auf den Weltmärkten die Getreidepreise: Karnivore Grillfreuden im Sommer.

Durch die steigende Fleischproduktion wird Getreide immer teurer: Sommerliche Grillade.

Mit diesen Realitäten konfrontiert, tanzt die Schweiz wieder einmal aus der Reihe, indem sie systematisch das Gegenteil von dem tut, was die internationale Gemeinschaft unternimmt. Obwohl die Schweiz schon jetzt Weltmeisterin im Nahrungsmittel-Import ist, stützt sie weiterhin ihre zukünftige Agrarpolitik auf einer immer stärkeren Abhängigkeit vom Ausland ab. Mit anderen Worten, die Produktivität des Schweizer Agrarsektors wird unerbittlich weiter geschwächt. Dies zu Gunsten einer immer stärker geförderten Extensivierung. Dabei wendet die Schweiz bereits jetzt 7 Prozent ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche für verschiedene unerlässliche Massnahmen im Bereich des Wasser-, Tier- und Umweltschutzes auf. Dies wird zwar im Projekt des Bundesrats erwähnt, aber unter der harmlosen Bezeichnung «Beiträge zur Anpassung». Dabei sollten diese Massnahmen doch eigentlich bereits umgesetzt sein.

Bis jetzt haben uns Dumpingpreise, Produktions-Überschüsse auf dem Weltmarkt und unsere hohe Kaufkraft vor Versorgungsproblemen bewahrt. Das wird sich in Zukunft laut Meinungen renommierter internationaler Experten jedoch ändern. Und wenn unser Land diese Politik weiterführt, die im Grunde den eigenen Interessen widerspricht, könnte die Rechnung letztendlich sehr gesalzen daherkommen.

Die Agrarpolitik 2014-2017 wird eine landesweite Diskussion auslösen, die weit über rein landwirtschaftliche Fragen reicht. Das ist gut so und auch dringend nötig. Dass man doch einfach kein Fleisch mehr essen soll, um alle Probleme zu lösen, ist wohl eher ein Witz. Für die Zukunft unserer Versorgung wird vor allem die Aufwertung der einheimischen Nahrungsmittelproduktion entscheidend sein. Denn es geht nicht nur um Hunderte von Arbeitsstellen, die in unserem Land auf dem Spiel stehen, sondern auch um die Kohärenz unserer Klimapolitik.

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