Befiehlt jetzt die Wirtschaft an den Hochschulen?

Seit Jahren wollte das Parlament ausdrücklich, dass das Bildungswesen unter einem Dach, in einem Departement vereint ist. Jetzt ist es so weit. Die Regierung hat bekannt gegeben, dass Hochschulbildung und Forschung in das Wirtschaftsdepartement übertragen werden. Die meisten Beteiligten haben diesen Entscheid begrüsst. Ich für meinen Teil bleibe in meinen Erwartungen enttäuscht.

Ob diese Zusammenführung erfolgreich sein wird, hängt davon ab, wer dabei mehr Einfluss haben wird. Der für das Departement zuständige Bundesrat oder die Wirtschaftswelt? Diese Frage ist umso mehr berechtigt, wenn man die Haltung der Berufsverbände in der Rechtsdebatte über die Hochschulen betrachtet. Economiesuisse und der SGV haben ihre politischen Verbindungen und ihre Vertreter aktiviert, um im Hochschulrat nicht nur eine Beraterstimme, sondern ein Stimmrecht zu erhalten. Damit wollen sie sich auf die gleiche Stufe wie der Bundesrat und die Universitätskantone hieven und demonstrieren damit auf arrogante Weise ihren Willen, die Hochschulen dieses Landes zu lenken. Sie haben – zum Teil mit Erfolg – zahlreiche Vorschläge platziert, welche die öffentliche Unterstützung für die Universitäten von ihren Fähigkeiten, den Anforderungen des Marktes zu entsprechen, abhängig machen.

Bau eines Satelliten an der ETH Lausanne.

Soll nur noch Rentabilität bestimmen, was unterrichtet oder geforscht wird? – Bau eines Satelliten an der ETH Lausanne.

Wie soll man da nicht befürchten, dass dieser Transfer der Hochschulbildung zur Wirtschaft künftig die Aufgaben unserer Hochschulen und den Inhalt des Unterrichts verzerrt? Unterstützung der «echten» Wissenschaften zum Nachteil der Geisteswissenschaften, kurzfristiger «Ertrag» einzelner Fachbereiche anstatt Wertschätzung der Vielseitigkeit der akademischen Institutionen, Beschäftigungsfähigkeit als Kriterium der Finanzierung, härtere Selektion, Erhöhung der Studiengebühren etc.

Wie soll man da nicht befürchten, dass die Hochschulen plötzlich aus finanzieller Willkür dem Profit geopfert werden und dass die Forschung den kurzfristigen Zielen des Marktes unterworfen werden – in einem Land, wo die Berufsbildung ein Grundstein der Gesellschaft darstellt? Die Schweiz ist heute das einzige Land ist, wo Forschung und Wirtschaft dem gleichen Departement unterstellt sind. Es fragt sich, ob der Bundesrat die Unabhängigkeit der Forschung, die Autonomie der Hochschulen und die Vielseitigkeit der akademischen Bildung bei seiner Entscheidungsfindung wirklich genügend berücksichtigt hat.

Abschliessend noch zur eigentlichen Bildungsreform: So sehr sich die Politiker mit Ideen übertreffen, wenn sie um einen Bundesratssitz buhlen, und so sehr sie sich darüber ergiessen, was erreicht worden sein sollte, wenn sie pensioniert werden, so sehr üben sie sich in Untätigkeit während ihrer Amtszeit. Der eigentlich simple Transfer der Bildung zur Wirtschaft zeigt, dass in dieser Regierung alle wieder für sich alleine arbeiten. Johann Schneider-Ammann wird jetzt beweisen müssen, dass er mit seiner neuen Verantwortung besser umgehen kann…

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