Besser verdichten, um Kulturland zu erhalten

Zwischen 1935 und 2002 nahm die Wohnzone insgesamt dreimal schneller zu als die Wohnbevölkerung. Während die durchschnittliche Wohnfläche 1980 noch 34 m² pro Einwohner betrug, hat sie seither stetig zugenommen und beträgt heute 45 m² pro Einwohner. Zum Teil kann diese Zunahme mit gesellschaftlichen Faktoren (Scheidungen, alleinstehende Senioren) erklärt werden, der Hauptgrund ist allerdings bei den politischen Gewichtungen in Sachen Raumplanung und Wohnungspolitik zu suchen.

Jedes Jahr werden 9000 Einfamilienhäuser unkoordiniert gebaut

Themenbild Zersiedelung / WohneigentumIn  Aeugst am Albis wird gebaut.

Zersiedelung zerstört Kulturland: Auch in Aeugst am Albis wird fleissig gebaut. Foto: Keystone

Die offiziellen Statistiken stützen in aller Klarheit die Position, die wir schon seit Jahren vertreten: Nicht das Bevölkerungswachstum ist hauptverantwortlich für die Zersiedelung, sondern unser stets steigender Verbrauch an Ressourcen wie der Wohnfläche pro Einwohner.

Die Zersiedelung bringt zahlreiche Nachteile mit sich: Verlust von Kulturland, anarchische Mobilität, Energieverschwendung, Anonymisierung der Dörfer und Gentrifizierung der Städte. Diese Probleme wurden schon wiederholt aufgegriffen und ihre Folgen von zahlreichen Fachleuten ausführlich dargestellt. Leider löst das Raumplanungsgesetz das Hauptproblem nicht, nämlich den Verlust von Kulturland. Letzteres kann je nach Bedürfnissen immer noch ausgezont werden. Aus diesem Grund haben die Jungen Grünen vor zwei Monaten eine Volksinitiative lanciert, welche die Zersiedelung stoppen soll.

Unser Projekt visiert zwei zentrale Ziele an: einmal den Schutz von Kulturland durch das Einfrieren der Bauzonen auf dem heutigen Stand, zweitens die Einführung von gesetzlichen Rahmenbedingungen, die nachhaltige Quartiere fördern – ein im Hinblick auf eine sinnvolle Verdichtung der Quartiere unverzichtbares Instrument. Jedes Jahr werden 9000 Einfamilienhäuser unkoordiniert gebaut. Wie die gigantischen, sich nur über ein einziges Stockwerk erstreckenden Einkaufszentren stellen sie ein enormes Hindernis für eine Politik dar, die den natürlichen Boden erhalten, eine ehrgeizige Energiewende bewerkstelligen und eine kohärente Mobilität ermöglichen will.

Die Erhaltung von Landwirtschaftszonen von hoher Qualität mit intakten Böden in relativer Nähe zu Städten erlaubt auch eine nachhaltige Versorgung der Städte: kurze Transportwege, Direktverkäufe, nachhaltige Mobilität und lokal hergestellte Lebensmittel. Diese Art von Handel wird bereits in zahlreichen nachhaltigen Quartieren praktiziert, in direkter Verbindung mit den regionalen Produzenten, die von einer festen Kundschaft und Verkaufspreisen ohne Zwischenhändler profitieren können und deren Arbeit von den Konsumentinnen und Konsumenten besser anerkannt wird. Wir stehen vor einer wichtigen gesellschaftspolitischen Entscheidung. Unsere Initiative für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung bietet eine Möglichkeit, Kulturland zu erhalten, indem die Zersiedelung gebremst wird – durch verstärkte Unterstützung von kooperativen, ökologisch nachhaltigen Wohnprojekten, die eine Umgebung fördern, in der es sich gut leben lässt.