Wenn Mann 70 wird

Da klingelt das Telefon. Am Apparat der Kundenberater der Bank. Er gratuliert freundlich, ganz sympathisch zum Geburtstag, obwohl es einige Zeit her ist, seit der Mann am anderen Ende der Leitung 70 Jahre alt wurde und den Geburtstag gebührend feierte. Ansonsten hat er am Tag danach eigentlich keine Veränderung verspürt, alles nahm seinen gewohnten Lauf.

Doch weit gefehlt: Der Mann der Bank macht höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam, dass es nun Zeit sei, die 3. Säule definitiv aufzulösen. Er müsse sie ausbezahlen, das sei Gesetz und deshalb unausweichlich. Das zuständige Steueramt werde in der nächsten Zeit den Betrag mit der gesetzlich festgelegten Sondersteuer, die weit tiefer sei als eine Einkommenssteuer, belegen und eine entsprechende Rechnung schicken, völlig unabhängig von der normalen Besteuerung.

Ab jetzt kann der Mann auch nichts mehr in die dritte Säule der Altersvorsorge einbezahlen, obwohl er eigentlich weiterarbeiten will, weiter im Erwerbsleben zu bleiben gedenkt. Er kommt also nicht mehr in den Genuss des entsprechenden Steuerabzuges, er muss sein Einkommen ohne diesen Abzug versteuern. Auch in die AHV hat er weitere Beiträge einzubezahlen, obwohl er schon längst das Maximum erreicht hat und so seine AHV-Rente durch die Beiträge nicht mehr erhöhen kann.

Es braucht Anreize zum Arbeiten über das 65. Altersjahr hinaus.

RENTNER, SENIOR, RENTE, PENSIONSALTER, ALTE, AELTERER MANN, AELTERE MAENNER, ALTER MANN, ALTE MAENNER, MANN, MAENNER, TREPPE, TREPPEN, PENDLER, VERKEHR, OEV, OEFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL, BAHNHOF, BAHNHOEFE,  SBB,

Plötzlich türmen sich finanzielle Hindernisse vor einem auf. Foto: Keystone

Immerhin sind ab dem 65. Altersjahr vom Einkommen pro Arbeitgeber rund 1400 Franken pro Monat AHV-zahlungsbefreit. Wichtig sind also mehrere Arbeitgeber.

Auch kann jeder Mann und jede Frau ab dem gesetzlich festgelegten Renteneintrittsalter 64/65 auf die Auszahlung der AHV-Rente bis zum 70. Altersjahr verzichten. In der Zeit bis zum 70. Altersjahr wird die Rente dadurch jährlich um 5,2 Prozent auf rund 30 Prozent erhöht.

Von dieser Möglichkeit machen aber nur ganz wenige Gebrauch, weil ganz genau berechnet werden kann, was es bedeutet, in diesen fünf Jahren auf die Auszahlung der AHV-Rente zu verzichten: Bei einer alleinstehenden Person sind es rund 26’800 Franken pro Jahr, das ergibt in fünf Jahren 134’000 Franken.

Diese 134’000 Franken sind in Beziehung zu setzen zu der erhöhten AHV-Rente von rund 30 Prozent, also um 8000 Franken pro Jahr, die dann ab 70 zusätzlich zur ordentlichen Rente zur Auszahlung gelangen. Die Person, die bis 70 arbeitet und deshalb auf die AHV-Rente verzichten kann, muss also mindestens 87 Jahre alt werden, damit sich der Aufschub der AHV-Rente zu lohnen beginnt.

Es gibt also Anreize, doch sie sind bescheiden und animieren kaum jemanden, länger im Arbeitsprozess zu verbleiben. Es sind vor allem Anwälte, Architekten, Freischaffende im Allgemeinen, Berater, Publizisten, Journalisten, Politiker, aber auch Taxifahrer, im Gastgewerbe Tätige, Leute auch, die einfach ein Zubrot verdienen müssen, die sich das zumuten wollen – oder eben müssen, um schlicht zu überleben.

Zwar wird der Ruf immer lauter, das Renteneintrittsalter auf 67 zu erhöhen, um die sozialen Werke auch in Zukunft zu sichern. Dies ist aber ein zu einfacher Weg. Es braucht Anreize zum Arbeiten über 65 hinaus, und es braucht vor allem eine Flexibilisierung des Renteneintrittsalters. Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten mussten, müssen die Möglichkeit haben, ohne Einbussen früher in Rente gehen zu können. Es braucht künftig auch eine Solidarität innerhalb der älteren Generation, auch die gehört zum umfassenden Generationenvertrag. Innovative Ideen sind also gefragt, gerade auch von uns.