Den Röstigraben nicht vertiefen

Pünktlich zum Schulanfang ist die Debatte zum Fremdsprachenunterricht neu lanciert worden. 2004 erst hat die eidg. Erziehungsdirektorenkonferenz entschieden in den Primarschulen zwei Fremdsprachen zu unterrichten. Nun will der Kanton Thurgau in der Primarschule, gegen den Willen seiner Regierung, nur noch eine Fremdsprache – und zwar Englisch. Der Schaffhauser Kantonsrat hat kürzlich ein Postulat überwiesen mit derselben Idee. Ob die erste Fremdsprache Englisch oder Französisch sein soll lässt er offen. Obwalden und St. Gallen tendieren in die gleiche Richtung. Und die Nidwaldner Regierung will das Frühfranzösisch ebenfalls abschaffen.

Darüber hinaus steht ein bildungspolitischer Mammut an – der Lehrplan 21. Bis Ende 2014 soll dieser den Bundesverfassungsartikel 62 zur Harmonisierung der Volksschulausbildung konkretisieren. Der Lehrplan 21 verlangt explizit, dass die erste Fremdsprache ab der 3. und die zweite Fremdsprache ab der 5. Primarklasse unterrichtet werden soll. Und das ist auch gut so. Obwohl die Bildungshoheit bei den Kantonen liegt, sollten die gröbsten Parameter durch die nationale Politik (Parlament und Volk) vorgelegt werden. Die aktuellen Bestrebungen aus der Ostschweiz erachte ich daher als falsch. Denn für den Schweizer Zusammenhalt muss für uns Deutschschweizer das Französisch und für die Romands Deutsch erste Fremdsprache bleiben. Dieser rein staatspolitische Entscheid ist dem zeitlichen Faktor – also wann konkret mit den Fremdsprachen begonnen wird – vorzuziehen. Sicherlich ist Französisch schwieriger zu erlernen und wird weniger gebraucht als Englisch. Doch wenn wir unsere Viersprachigkeit stets hochhalten, so muss die erste Fremdsprache zwingend eine Landessprache sein.

Persönlich gewichte ich Französisch für die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Land höher.

ARBEITER, BAHNHOFANSCHRIFT, MONTAGE, BAHNSTATION, SBB,

Die erste Fremdsprache muss zwingend eine Landessprache sein: Ein Arbeiter montiert ein zweisprachiges Ortsschild. Bild: Keystone

Das Englisch (und damit auch die Amerikanisierung) hat durch die Globalisierung, die neuen Medien, Internet, Facebook, aber auch die offenen Grenzen und Reisemöglichkeiten für die jüngere Generation bedeutend an Einfluss gewonnen. Dieser Wandel ist nicht per se verwerflich. Doch für die Willensnation Schweiz und ihre Identität, Kultur, Werte, Tradition und Kohäsion nicht sonderlich förderlich. Vom Frühenglisch profitiert letztlich insbesondere die (internationale) Wirtschaft. Persönlich gewichte ich jedoch Französisch für die gesellschaftliche Entwicklung und die Zusammengehörigkeit in unserem Land höher.

Mein Besuch der Ecole Supérieure de Commerce in Neuchâtel sowie der MBA-Abschluss an der jesuitischen Fordham University in New York erlaubt mir eine differenzierte Betrachtung zur Bedeutung dieser zwei Fremdsprachen. Als Unternehmer und Politiker, aber auch als Bürger, bin ich tagtäglich mit beiden Sprachen konfrontiert. Im Ständerat referiert jeder in seiner Muttersprache; selbst in den Kommissionssitzungen wird nichts übersetzt. Und auch das ist gut so. Es zwingt uns Parlamentarier uns in Sachen Sprachen weiterzuentwickeln, wollen wir unsere Kollegen verstehen oder selbst gehört werden.

Sprachgewandtheit, im stark konkurrenzierenden Umfeld, ist und bleibt für ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz von ganz zentraler Bedeutung. Trotz vieler Migrantenkinder, für die bereits Deutsch die erste Fremdsprache darstellt: Eine Nivellierung gegen unten wäre verheerend. Englisch wie Französisch – und nebenbei gäbe es übrigens noch das Italienisch – müssen ihren Platz in unserem guten Schulsystem beibehalten. Um den Röstigraben nicht zu vertiefen, soll indes das Französisch erste Wahl bleiben.

55 Kommentare zu «Den Röstigraben nicht vertiefen»

  • Schneider sagt:

    immer wieder erstaunlich wie der fremdsprachenunterricht für den röstigraben herhalten muss. den röstigraben haben wir den politikern zu verdanken die die französische schweiz lange links liegen lies und diese wirtschaftlich und verkehrstechnisch zu lange nicht erschloss.

  • Rolf Zitt sagt:

    Das ist völlig richtig. Daher unterstütze ich das voll und ganz. Mir liegt Englisch auch näher und ich brauche es häufiger als Französisch jedoch darf der Röschtigraben nicht breiter werden.

    • Mark Keller sagt:

      Rolf Zitt, der Röschtigraben hat NICHTS mit der Sprache zu tun. Auch wenn die Deutschschweizer alle Französisch und ide Welschen alle Deutsch sprechen würden, würde sich an der Mentalität der beiden rein gar nichts ändern! Für den Röschtigraben sind die Mentalitätsunterschiede verantwortlich.

      Um sein Gegenüber zu verstehen, muss man nicht dessen Muttersprache sprechen. Aber beide müssen eine gemeinsame Sprache fliessend beherrschen. Dazu benutzt man am Besten die bedeutendste Weltverkehrssprache: Englisch.

      • Andreas Spring sagt:

        Die bedeutendste Weltverkehrssprache ist seit dem 2. Weltkrieg Englisch. Kennen Sie denn auch die zweithäufigste Weltsprache? Genau, Französisch.

        • Tömu sagt:

          @Spring: Nichts gegen Französisch, aber die Anzahl Sprecher einer Sprache führt gemäss http://de.statista.com/statistik/daten/studie/150407/umfrage/die-zehn-meistgesprochenen-sprachen-weltweit/
          zu folgender Rangliste:

          1. Englisch
          2. Chinesisch
          3. Hindi
          4. Spanisch
          5. Französisch
          (10. Deutsch)
          Wenn man das pöse Englisch verteufeln will, dann drängt sich fast Frühchinesisch für alle auf. Oder Spanisch. Andererseits ist irgendwie egal, welche Sprache die Schüler letztlich doch nicht lernen im Frühunterricht, u.a. weil die Lehrer überfordert sind. Aber Hauptsache Fremdsprachenunterricht.

          • Die gleiche Quelle sagt aber auch: „Die großen Sprachen Chinesisch (Mandarin), Französisch, Englisch, Russisch und Spanisch sind seit 1946 Amtssprachen der Vereinten Nationen. (mit Stand per 15.7.2014) 1973 kam Arabisch als sechste Amtssprache hinzu.“
            Weiter ist Schottland Paradebeispiel, dass eine gemeinsame Sprache als besseres Verständigungsmittel und besseres gegenseitiges Einfühlungsvermögen nicht zwingend zutreffen muss.

        • Mark Keller sagt:

          Wenn sie sich nicht in einer ehemaligen französischen Kolonie aufhalten, dann sprechen die Leute primär als erste Fremdsprache Englisch.
          Wer gerne Französisch lernen will der kann dies; es wird ja nicht verboten. Die Zeit wird kommen, wo die EU eine gemeinsame Sprache wird einführen müssen. Und wetten wir, dass dies weder französisch noch Deutsch sein wird! Dann wird auch die Schweiz, wohl oder übel, diese gemeinsame Sprache übernehmen (müssen).

          • Lorenz Reimann sagt:

            Zieht man ehemalige britischen Kolonien ab, sieht’s für ihre schöne (leider nicht sehr aussagekräftige Statistik) dann aber mit Englisch auch ziemlich düster aus. Genau das gleiche gilt für Spanisch. Und ihr Behauptung mit Englisch als gemeinsame EU-Sprache ist doch sehr fragwürdig – wie auch der Rest aller Beiträge mit denen Sie uns überschütten.

          • Simon Matter sagt:

            Nun die Forderung nach einer Weltsprache oder oder eben EU Sprache erfolgte schon oft. Ich glaub kaum, dass wir darauf spekulieren sollten, dass Englisch sowieso die einzige Sprache sein wird. Die Sprache ist ein wichtiger und sehr schöner Teil ein jeder Kultur. Jeder schätzt es in der örtlichen Sprache angesprochen zu werden. Ich erzähle immer stolz von der Schweiz als Land mit 4 Landessprachen, peinlich wenn wir keine davon können und Englisch miteinander sprechen. Englisch ist wichtig, doch ist relativ schnell erlernt. Noch etwas zum Deutsch: Wo findet keine Verwendung als Relativpronomonen

          • Mark Keller sagt:

            Dass Englisch die bedeutendste Weltverkehrssprache ist, können Sie nun mal nicht abstreiten, Lorenz Reimann. Und die EU wird kaum eine andere Sprache wählen, da nicht D und F entscheiden werden, sondern alle EU-Staaten gleichberechtigt. Die meisten EU-Staaten dürften sich gegen D und F aussprechen, und da liegt Englisch als gemeinsame erste Fremdsprache auf der Hand. Es ist de facto ja bereits so.
            Simon Matter, eine Weltverkehrssprache hat nichts mit einer Weltsprache zu tun. Sie ersetzt auch keine Muttersprachen. Es gibt Länder mit weit mehr als 4 Landessprachen. Die CH ist nichts besonderes.

      • C.von Waldkirch sagt:

        Genau deswegen, wegen den Mentalitätsunterschieden, ist die Kenntnis der Landessprachen zentral. Denn über die Sprache des anderen lernen wir auch ihre Mentalität und ihre Sensibilitäten kennen und schätzen. Und das braucht es, um mit ihnen ins Geschäft zu kommen.

        • Mark Keller sagt:

          Mit Verlaub, dies ist Quatsch. Um einander zu verstehen, muss man NICHT die Muttersprache des anderen sprechen können. Die zwei müssen sich in einer gemeinsamen Sprache fliessend unterhalten und eine Diskussion führen können!

      • „Um sein Gegenüber zu verstehen, muss man nicht dessen Muttersprache sprechen. Aber beide müssen eine gemeinsame Sprache fliessend beherrschen. Dazu benutzt man am Besten die bedeutendste Weltverkehrssprache: Englisch.“

        Diese Auffassung wird am Beispiel Schottland gerade widerlegt!

        • Mark Keller sagt:

          Nicht alles was hinkt ist auch ein Vergleich! Schottland, Irland und England können nicht als Beispiel herangezogen werden, wenn es um eine gemeinsame Sprache zur Verständigung geht. Was England, Schottland und Irland trennt, hat mit Sprache nicht viel zu tun, sondern liegt in deren Geschichte begründet. Hätte sich der Jura nicht vom Kanton Bern getrennt, wenn die Deutsch-Berner besser Französisch gesprochen hätten?

          • Nicht ausweichen, Herr Keller. Der Vergleich ist absolut gerechtfertigt. Deshalb habe ich Sie auch wortwörtlich mit Ihren eigenen Worten zitiert. Warum sind Sie nicht einfach ehrlich und geben Ihre wahren Gedanken preis?

          • Mark Keller sagt:

            Sie wollen wohl nicht allen Ernstes die Situation Schottland/England mit der Situation Welsch/Deutsch vergleichen? Haben Sie einen internationalen Bekannten- und Freundeskreis in welchem rund zehn verschiedene Sprachen gesprochen werden? Müssen wir jetzt die Muttersprache eines jeden einzelnen Sprechen, um einander verstehen zu könnnen? Wohl kaum!

            In Indonesien werden rund 200 Sprachen und Dialekte gesprochen, deren Sprecher sich ohne eine gemeinsame Sprache – Bahasa Indonesia – nicht verständigen können. Es musste erst mal eine gemeinsame Sprache eingeführt, unterrichtet und gelebt werden!

  • Scheu sagt:

    Es fragt sich, ob es besser ist, wenn unsere jungen, auf teufel komm raus, auch französisch können, dafür im berufsleben später von einem billigeren ausländer bevorzugt bescäftigt werden. Auch der so sehr hochstilisierte zusammenhalt der schweiz wird mit einem schweiz. Arbeitslosen mehr kaum von bedeutung sein. Das ganze ist eine politische zwängerei. Der ch zusammenhalt wäre mit weniger ausländer, wie früher, viel besser, die können weder die zweite landessprache, noch kaum englisch, sind dafür nur jünger und schlicht und einfach billiger, was heute entscheidend ist. ‚

    • Anh Toan sagt:

      Also die Ausländer sind „nur jünger und schlicht und einfach billiger“, also sind im Umkehrschluss die Schweizer nur älter und schlicht und einfach teurer.

      Wenn die Schweizer, ausser Englisch noch eine zweite Fremdsprache können, sind sie eben nicht nur teurer als die Ausländer, sondern gerade für einen Job in der Schweiz besser qualifiziert. Statt unsere Kinder besser zu qualifizieren, können wir auch die Grenzen dicht machen, dann sind unsere Kinder die Besten der Sonderschule Schweiz.

      Nein, wir wollen nicht unsere Kinder gut qualifizieren. wir wollen sie vor den Ausdlkändern schützen:

      • Anh Toan sagt:

        Wir schaffen einen geschützen Werkplatz Schweiz, lernen nicht mehr Deutsch nach Duden sondern „Schwyzertüütsch“ nach Arthur Baur oder nach Sonderegger-Bührer, Verena: „Schwiizertüütsch für Fremdspròòchigi“, Hauptsache niemand sonst spricht diese Sprache:

        So halten wir die Konkurrenz erfolgreich fern von unserem Arbeitsmarkt, die anderen sprechen nicht mal unsere Sprache.

  • HANSPETER AMSTUTZ sagt:

    Lieber Herr Minder
    Als Reallehrer sehe ich die Jugendlichen mit ihren unterschiedlichen Begabungsprofilen vor mir. Da sind sehr viele, die sich mehr hingezogen fühlen zu Realienfächern wie Natur und Technik, Geschichte oder Geografie. Zwei Fremdsprachen schaffen sie einfach nicht mit Erfolg, und das ist gefährlich für die ganze Einstellung zur Schule. Das Gleiche gilt für Primarschulkinder. Eine Fremdsprache schaffen die meisten, wenn genug Lektionen angeboten werden. Mit dem Mini-Englisch und dem Mini-Französisch von je zwei Wochenlektionen ist das aktuelle Sprachenkonzept aber ein Flop.

    • Mark Keller sagt:

      Die Herren und Frauen Politiker sollten auf Lehrer wie Hr. Amstutz hören! Die Muttersprache richtig lernen und dazu eine Fremdsprache (flächendeckend in der ganzen Schweiz die bedeutendste Weltverkehrssprache Englisch) unterrichten und auch im Unterricht nutzen, nicht nur einige wenige, spezifische Lektionen, mit Ziel mind. B2, wenn nicht sogar C1.

    • Emilio sagt:

      Dies ist genau der Punkt. Fremdsprachen sind äusserst wichtig. Aber das heisst nicht, dass die Kinder schon in der dritten Klasse damit beginnen müssen. Vorrang hat die Muttersprache. Eine Fremdsprache ab der fünften Klasse genügt. Eine zweite Fremdsprache kann in der Oberstufe folgen. Dafür soll im Sprachunterricht auch zentral an der Sprache gearbeitet und nicht nur die Zeit vertrieben werden. Dass eine der Fremdsprachen eine Landessprache sein soll, halte ich für vertretbar aber nicht für zentral.

  • Martin Frey sagt:

    Grundsätzlich hat Minder recht. Eine zweite Landessprache ist unabdingbar. Die Frage ist jedoch legitim und darf gestellt werden, wann und wie die Schüler daran herangeführt werden. Eine politisch motivierte Alibiübung auf Kosten unserer Kinder kann nämlich nicht die Lösung sein. Und wie wir aus der Medizin schon lange wissen, kann kein signifikanter Benefit mit 2 Wochenlektionen erreicht werden. Das Problem ist doch vielmehr, dass weder Politik noch Journaille auf die Mediziner hören will. Aber was für ein Schulsystem ist das denn, in welchem >50% eine Förderung irgendwelcher Art brauchen?

    • Floe sagt:

      Eine sehr einfache und praktikable Lösung ist doch ein Sprachaufenthalt in einer anderen Sprachregion, auch hier in der Schweiz
      Ich habe in der Sek. nur rudimentär Franz. gelernt, im Welschland war ich am Anfang völlig aufgeschmissen. durch den Aufenthalt dort habe ich serh vieles gelernt-nicht nur die Sprache sondern auch deren Mentalität. In meinem Welschlandjahr habe ich für das restliche Leben sehr viel mitnehmen können.
      Uebrigens mein durchaus akzeptables Englisch habe ich so nebenbei, im täglichen Umgang/Gebrauch und mit wenigen Schulstunden erlernt, damit komme ich in jedem Land zurecht

      • Martin Frey sagt:

        Grundsätzlich eine gute Idee, wenn auch flächendeckend-obligatorisch kaum praktikabel. In der Tat ist es so, dass erst durch intensivierten Gebrauch eine Sprache gut gelernt werden kann. Und bei Französisch ist die Kommunikation am Anfang harzig, die Sprache wird erst mit zunehmenden Kenntnissen etwas einfacher. Bei Englisch ist es, etwas pauschalisiert, genau umgekehrt. Englisch auf einfachem Niveau kommunizieren kann schnell jemand, die Schwierigkeiten offenbaren sich erst mit vertieften Kenntnissen.

      • Mark Keller sagt:

        Die englische Sprache erlernt man nicht einfach so nebenbei im täglichen Umgang und mit wenigen Schulstunden. Es sei denn Sie leben in einem englischsprachigen Umfeld. Dann hat dies mit nebenbei nichts mehr zu tun.

        Mit nebenbei erlerntem Englisch führt man wohl kaum eine fundierte Diskussion zu einem Thema, welche zum gegenseitigen Verständnis erforderlich ist.

  • Berta Müller sagt:

    Wie polemisch von Englisch gleich auf Amerikanisierung zu kommen. Viele Literatur wurde in englisch abgefasst noch bevor die USA überhaupt bestand.
    Viele unserer deutschschweizer Politiker können ja nicht einmal anständiges Deutsch, wie sollen die dann auch noch französisch und englisch sprechen.
    Und wie auch das Forum hier (Zitat: „… themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen (ausser Französisch) …“ habe ich das Italienische vergessen.

  • Thomas Sanders sagt:

    Im Grunde kann ich Herr Minder inhaltlich nur zustimmen. Aber was soll denn bitte immer dieses bräsige, eindimensional-stockkonservative Gestänkere gegen den angelsächsischen Kulturraum. Herr MInder scheint während seines Auslandsstudiums den Campus nie verlassen zu haben. Der klassische Liberalismus, auf den sich sein Politmilieu immer gern beruft, um das eigene Unternehmertum hochzuhalten, ist übrigens eine schottisch/englische Erfindung.

  • wetter sagt:

    Wenn wir weiter so streiten um die 2.Landessprache dann müssten wir fairerhalber auch Rätromanisch und Italienisch in der Schule anbieten, also ich bin dafür das alle als 2.Sprache Englisch lernen, dann könnte man sich innerhalb der Schweiz verständigen und ausserhalb

    • Floe sagt:

      Na klar – ich kann dann im ratoromanisch sprechenden Teil der Schweiz mein Bier auf Englisch bestellen!

      • Mark Keller sagt:

        Sie haben den Sinn nicht verstanden! Was die Schweiz (und Europa) braucht, ist eine GEMEINSAME Sprache, die gleichwertig zur Mutttersprache gelebt wird. Dann können wir vielleicht mit dem Zusammenleben beginnen. Denn jetzt leben die Sprachregionen nicht zusammen, sondern nebeneinander her; quasi vier Parallelgesellschaften. Aber vielleicht ist es ja gerade dieses Nebemeinander, das die Schweiz wirklich zusammenhält.

  • Floe sagt:

    Es solte unser Bestreben sein, mind. die drei allerwichtigsten/leichtesten Landessprachen, wenigstens ansatzweise, verstehen/sprechen zu können.
    Wir SchweizerInnen sind in der privilegierten Lage im eigenen Land vier Sprachen zu haben – also provitieren wir von dieser Vielfalt.
    Sprachen, möglichst viele unterschiedliche, bereichern unser Leben und öffnen Türen in andere Sitten und Gebräuche. Mit jeder zusätzlichen Sprache erleichtern uns und den anderen das gemeinsame Tun.

    • Mark Keller sagt:

      Mit ansatzweise eine Sprache sprechen zu können, führt man keine Diskussion oder Debatte, die zum gegenseitigen Verstehen nötig ist! Dazu braucht es schon mehr.

  • Birgit Moser sagt:

    Wann geht die Diskusion endlich wieder von den Kindern, ihren Bedürfnissen und ihren Fähigkeiten aus? Ich bin Englisch Lehrerin (Sek und Primar) und habe wiederholt erlebt, wie viele Kinder bereits in der Primarschule mit dieser ‚leichteren‘ Fremdsprache schlicht überfordert sind. Ohne wirkliche Motivation kein Lernerfolg – verheerend für den Schulerfolg insgesamt, wenn zum falschen Zeitpunkt Leistungen erwartet werden, denen viele Kinder noch gar nicht gerecht werden können. Politische Überlegungen müssen bei dieser Diskusion zweitrangig sein. Das Wohl der Kinder muss oberste Priorität haben!

  • Sven E. sagt:

    Den Roestigraben nicht vertiefen? Dann also Englisch. Der Roestigraben wird immer da sein. Wir ticken anders, denken anders, arbeiten anders, leben anders. Wir sind anders. Aber wenn wir die vielbeschworenen Graeben im Land zuschuetten wollen, dann lasst alle Kinder von frueh an Englisch lernen. Nurs so koennen es der Deutschweizer mit dem Romand und dem Tessiner und dem raetoromanischen Buender gleichzeitig an einem Tisch; und darueber hinaus auch mit dem ganzen Rest der Welt. So muss das.

    • Mark Keller sagt:

      Tja Sven E., wie recht Sie doch haben. Scheinbar bin ich doch nicht der Einzige, der so denkt. Hoffentlich werden wir bald in der Mehrheit sein. Wer das Französische mit solchen absurden Argumenten verteidigt, wie dies gewisse Kommentarschreiber tun, der kann keinen intenationalen Bekanntenkreis haben, in welchem ein Dutzend Sprachen gesprochen werden.

      • Anh Toan sagt:

        In meinem internationalen Bekanntenkreis befinden sich Vietnamesen, die Englisch und Deutsch oder Englisch und Französisch können, besser als mein Vietnamesisch ist es bestimmt, wäre ich in Französisch schlechter, würde ich mich schämen.

        Je früher wir Sprachen lernen, umso einfacher fällt es uns, ich kenne eine Menge Kinder, die drei oder vier Sprachen fliessend sprechen, ohne eine einzige formelle „Lektion“ in dieser Sprache, aus Kinderkrippe, getrennt sprachigen Eltern, Cousins usw.

        Französisch und Englisch geht beides für die Kinder, schon im Kindergarten, überfordert sind die Lehrer.

        • Mark Keller sagt:

          Das Erlernen einer Sprache im (Klein)kindesalter unterscheidet sich wesentlich vom Lernen einer Sprache ab dem schulischen Alter. Vielleicht liegt der Hund hier begraben. Im Übrigen ist es jederman freigestellt soviele Sprachen wie gewünscht zu erlernen. Dies kann jedoch nicht Aufgabe der Schule sein.

          • Anh Toan sagt:

            Aufgabe der Schule ist Bildung. Bildung beginnt mit Sprache. (Die Tauben blieben früher doof, heute können wir Ihnen Sprache lernen, was Ihnen ermöglicht, „Gedanken zu formulieren“ sie können denken). Ohne präzise Sprache kann keine Naturwissenschaft betrieben werden.

            Um etwas (hier Sprache) zu verstehen, muss es mit anderem, ähnlichem verglichen werden, Französisch zu lernen verbessert auch die Deutsch und Englisch Kenntnisse.

            Der Volksmund sagt, in der Schule lernt man Lesen und Schreiben, und Rechnen: Lesen und Schreiben, die Sprache kommt vor dem Rechnen, ohne Sprache keine Mathe.

  • Anh Toan sagt:

    Die Schweiz als „Willensnation“: Es war Napoleons Wille, der die Schweiz zu einer Nation machte, dann wurde dieser Wille den katholischen konservativen Kantonen im Sonderbundskrieg nochmals eingehämmert. Die wollten gar nie eine Nation sein, weder mit der Romandie, noch mit den liberalen Städten.

    „Willensnation“: Wessen Wille sollte man fragen.

    (Friedrich Engels: Der Schweizer Bürgerkrieg: http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_391.htm)

    • Anh Toan sagt:

      Der Graben durch die Schweiz ist primär nicht die Sprache, sondern zwischen:
      – den konservativen, katholischen, subventionierten und sich, frei nach Gotthelf, hinter den Bergen vor dem Wandel der Zeiten, dem Wandel der Menschen versteckenden Bergtalbevölkerung
      – und der liberalen, reformierten, weltoffenen, in Veränderungen Chancen suchenden und Weltmarktfähigen Stadtbevölkerung.

      In der Romandie ist die Bergtalbevölkerung eine kleine Minderheit, dominierend ist das Genferseebecken, welches häufig mit den Städten Basel, Zürich, Bern und sogar Thun oder St. Gallen stimmt. Warum gibts BL und BS?

      • Mark Keller sagt:

        BL und BS gibt es, weil die Städter die Ländler nicht ernst genommen und unterdrückt haben.

        • Anh Toan sagt:

          Das ist nicht falsch, aber zu sehr vereinfacht: Die Trennungsabsichten wurden angeführt von den Basel zugeschlagenen Teilen des ehemaligen Bistums Basel (Birseck, Laufental), der grösste Teil wurde Bern zugeschlagen, die brauchten länger für einen eigenen Kanton (Jura).

          Verwirrend ist insbesondere der Sarnerbund, die Stadt Basel mit den konservativen Innerschweizer Kantonen: Genau wie sich schon in der 8 bis 13 ortigen Eidgenossenschaft die Städte mit den Innerschweizer Kantonen verbunden haben, damit diese sich für sie die Köpfe einschlagen lassen oder die Köpfe ihrer Feinde einschlagen.

  • Tömu sagt:

    Die Politik würde sich besser darum kümmern, dass echter Austausch (z.B. Welschlandjahr) gefördert würde. Nach meinen Erfahrungen bringt der Frühfranz-Unterricht wenig bis gar nichts. Und wenn man nach der Schule mangels Anwendungsmöglichkeiten kaum noch Französisch spricht, bröckeln die paar Brocken Schul-Franz derart fröhlich vor sich hin, dass innert kürzester Zeit so gut wie gar nichts mehr vorhanden ist, ausser – bestenfalls – dem guten Willen zu versuchen Französisch zu sprechen…

  • Peter M. Linz sagt:

    Es spielt doch keine Rolle, ob Frühfranzösisch oder Frühenglisch. Um einigermassen eine Sprache zu beherrschen, benötigt man einen Aufenthalt von mindestens einem Jahr in einem Sprachgebiet. Ich habe Erfahrung mit einer Austauschgymnasiastin aus Südfrankreich, die Deutsch als Hauptfach studierte. Sie konnte keine 2 Sätze in Deutsch parlieren. Ob Französisch nun in der Primarschule oder später erlernt wird, ist Nebensache. Der nationale Zusammenhalt ist eher gefährdet durch Klassen, die mehrheitlich fremdsprachige Schüler aufweisen, denen man zuerst die hiesige Sprache beibringen muss.

  • sepp naef sagt:

    In den Schulen und im Kindergarten müssen mehr Sprachen gelernt werden und nicht Weniger. Der Turnunterricht könnte in
    Französisch oder in einer anderen Sprache abgehalten werden. Auch der Unterricht im Rechnen wäre geeignet in einer an-
    deren Sprache durchgeführt zu werden. Der Unterricht könnte spielerisch gestaltet werden. Sprachen brauchen wir in unserem
    Leben. Doch 70% was die Schüler in anderen Fächern lernen, können sie nach einer Prüfung wieder vergessen, denn sie be-
    nötigen dieses Wissen in ihrem Leben nicht mehr. Deshalb, Lernt mehr Sprachen .

  • Hanspeter Amstutz sagt:

    Geht es bei der Sprachenfrage eigentlich um die Kinder oder das Befinden profilsuchender Politiker? Aufgrund der Beiträge entsteht der Endruck, dass pädagogische Überlegungen oft ausgeblendet werden. Als Lehrer frage ich mich, welche Bildungsinhalte von Kindern und Jugendlichen am besten aufgenommen werden können. Man kann nicht einfach über die Köpfe der Betroffenen hinweg etwas beschliessen und dabei noch meinen, man tue für unser Land etwas Gutes. Es ist Zeit, dass sich die Politik den pädagogischen Erfahrungen nicht länger verschliesst. Sonst bekommen wir einen traurigen Scherbenhaufen.

  • Soleil sagt:

    In der ganzen Deutschschweiz unbedingt zuerst F (evt. zuerst ohne Noten wie früher). E in der Sekundarstufe. Reicht vollkommen (wie früher) und ist für viele sowieso leichter zum Erlernen. Zudem wird E im Alltag viel gehört (Musik, Computer, TV usw.).
    War bei mir genau so – später kam für mich noch Italienisch als weitere Landessprache dazu.
    Der nationale Zusammenhalt ist sehr wichtig!
    Sprechen unter Landsleuten in einer Landessprache gehört für mich dazu.

    • Soleil, Sie sagen es absolut richtig. Wir leben in der Schweiz und nicht in Anglosaxon-Länder. In der deutschen Schweiz reden wir schweizerdeutsch, in der Romandie und Tessin wollen wir ihre Sprache nicht nur respektieren, sondern auch mit diesen Leute kommunizieren können. Absolut elementar.

    • Mark Keller sagt:

      Wenn flächendeckend Englisch unterrichtet und auch gelebt wird, dann wird Englisch zur zweiten Landessprache für alle, nebst der Muttersprache. Mir liegt der Zusammenhalt der Schweiz auch am Herzen. Der wird aber nicht damit sichergestellt, dass die alemannisch Sprechenden alle ein kaum brauchbares Schulfranzösisch lernen! Welchen Level in Französisch hat heute ein Schüler nach neun Jahren obligatorischer Schulzeit?

  • Sepp Naef, spielerisch lernen die Kleinen besser und schneller. Was die Fächer anbelangt, möchte ich mitteilen, dass einige für die Füchse sind, z.B. Religion und turnen, sei es man weiss schon als „Binggis“ ich werde Theologe oder Turnlehrer. 12 Jahre später, bestimmt nicht mehr…!

    • Anh Toan sagt:

      Man könnte eben „turnen“ auf französisch unterrichten, in der Skischule gemeinsam mit welschen Kindern lernen deutschschweizer Kinder auch französisch, ganz einfach.

  • Wassmer Hans sagt:

    Unbedingt Frühfranzösisch fördern, Englisch lernen die Leute sowieso. Lernt schon jedes Kleinkind Englisch als erste Fremsprache geht nicht nur der nationale Zusammenhalt verloren, Hauptverlierer ist nämlich die hochdeutsche Sprache. Can I have lunch wird auch in Berlin oder Wien leichter zu sagen sein als „kann ich ein Mittagessen bestellen.

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