Die Vignette sollte mindestens 200 Franken kosten

Den Preis für die Vignette von 40 auf 100 Franken zu erhöhen ist ein Minimum. Eigentlich müsste der kleine Autobahn-Aufkleber 200 oder 300 Franken kosten. Man kann natürlich die Augen vor der Zukunft verschliessen und am Status Quo festhalten: Ein Preis von 70 oder 80 Franken reicht zurzeit gerade noch aus, um die neuen Strassen, die unter die Zuständigkeit des Bundes fallen, zu betreiben. Aber Bundesbern wird in den kommenden Jahrzehnten auf finanzielle Mittel zugreifen können müssen, um den Unterhalt, die Anpassung und den Ausbau des Strassennetzes bewerkstelligen zu können. Alleine schon die Umfahrungs­strassen, die für ein paar Städte vorgesehen sind, werden über 10 Milliarden verschlingen.

In einem Punkt haben jene, die das Referendum ergriffen haben, Recht: Die Gebühren­erhöhungen nerven. Ich benutze die Strassen auch, und ich empfinde die Steuern, die die öffentliche Hand auf meinem Benzin erhebt, als saftig. Eigentlich möchte man ausrufen: «Es reicht jetzt, wir wollen nicht länger die Milchkuh spielen!» Das scheint zudem auch ein Weg zu sein, sich Freunde zu schaffen: Das Referendum gegen die Vignette konnte innert drei Monaten mehr als 100’000 Unterschriften verzeichnen.

Die Strasse gegen die Schiene auszuspielen, ist Blödsinn.

SVP-Nationalrätin Nadja Pieren mit Referendumsunterschriften. (Keystone/Peter Schneider)

Sämtliche Transportmittel sollten gefördert werden: SVP-Nationalrätin Nadja Pieren mit Referendumsunterschriften. (Keystone/Peter Schneider)

Als Strassenbenutzer bin ich aber auch Opfer von Staus und stockendem Verkehr. Ich will genügend und gut unterhaltene Strassen. Ich kann mich mit einem Preis von 100 Franken für die Vignette abfinden. Wenn ich mein Gesamtbudget für den Transport betrachte, reisst dieser Betrag kein grosses Loch. Und wer schon einmal Frankreich oder Italien durchquert hat, der hat sicher auch mitbekommen, dass die Maut auf den Autobahnen sehr viel mehr kostet als einen blauen Lappen.

Die Gegner einer Preiserhöhung bei der Vignette sitzen einem Irrtum auf, wenn sie die Strasse gegen den öffentlichen Verkehr ausspielen. Es stimmt zwar: Die Autofahrer haben in den vergangenen Jahrzehnten ihren Beitrag an die Bundeskasse geleistet, die den ÖV subven­tioniert. Es würde den Autofreunden bestimmt gut anstehen, ab und an einen grossen SBB-Bahnhof aufzusuchen, am besten montags zwischen 7 und 8 Uhr. Die unüberblickbaren Menschenmassen würden ihnen die Augen öffnen: Wenn die Leute alle in ihrem Privatauto zur Arbeit fahren würden, käme der Verkehr auf den Strassen völlig zum Erliegen. Ich benutze aber – auch – den ÖV, und ich stelle fest, dass mein Zugsabonnement ständig teurer wird und dass es immer schwieriger wird, in den Stosszeiten einen freien Sitzplatz zu ergattern.

Die ÖV-Benutzer ihrerseits und mit ihnen auch sämtliche Steuerzahler haben ebenfalls ihren Beitrag an den Strassenverkehr geleistet. Der Gotthard-Basistunnel wird schon bald Tausende von Fahrzeugen vom Norden in den Süden transportieren – der Souverän wollte es so. Die Strassenbenutzer werden davon profitieren. Man wird mir entgegnen, dass die Transportunternehmer eine Gebühr entrichten müssen – stimmt, aber jeder Schweizer hat dazu beigetragen, die für den Bau des Tunnels benötigten Milliarden einzuschiessen.

Die Strasse gegen die Schiene auszuspielen, ist Blödsinn. Die Schweiz verzeichnet jeden Tag über 3,5 Millionen Pendler – die wenigstens von ihnen unternehmen einfach eine Reise. Für die Zukunft des Landes ist es unabdingbar, dass sämtliche Transportmittel ausgebaut werden, was viel Geld kosten wird. Die Gegner der Vignette sollten sich das einmal ganz genau überlegen – anstatt Krokodilstränen zu vergiessen.

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