Die Minder-Initiative tut der Schweiz gut

Die internationale Presse zeichnet ein äusserst sympathisches Bild der Schweiz, wenn sie von der Minder-Initiative berichtet, und den Schweizer Bürger als arbeitstüchtigen, sparsamen und bescheidenen Zeitgenossen beschreibt – als eine Art verantwortungsbewussten Übermenschen, der sich trotz seines weltweit einzigartigen Reichtums dem Wert des Geldes sehr wohl bewusst ist. Am kommenden Sonntag wird die Schweiz den exzessiven Löhnen der Firmenchefs von börsenkotierten Unternehmen nun eine Absage erteilen.

Die Schweiz als eine Art Verfechterin der Leistungsgesellschaft – so erklärt das «Time Magazine» seinen amerikanischen Lesern unser Land. Dieses Schlüsselprinzip des amerikanischen Traums überzeugt im Land der «Success Stories» natürlich ganz besonders. In der Schweiz werde Geld noch immer als Ernte harter Arbeit wahrgenommen, und nicht als eine von den Märkten diktierte Prämie, meint das US-Magazin.

Der Schweizer ist also mehr Unternehmer als Banker, denn selbst wenn er keine Probleme hat, über Geld zu sprechen: Die bezogenen Löhne müssen nachvollziehbar sein. Ansonsten, so meint Reuters, bringe er sein Missfallen in den Wahllokalen zum Ausdruck, was weder Neid noch ideologische Kämpfe widerspiegele, sondern eher den Willen nach der Widerherstellung eines Gleichgewichts ausdrücke.

In der Schweiz wird Geld noch immer als Ernte harter Arbeit wahrgenommen, und nicht als eine von den Märkten diktierte Prämie.

Der parteilose Ständerat Thomas Minder während der Herbstsession, 27. September 2012. (Foto: Keystone/Peter Klaunzer)

Hat viel für ein gutes Image der Schweiz im Ausland getan: Der parteilose Ständerat Thomas Minder während der Herbstsession, 27. September 2012. (Foto: Keystone/Peter Klaunzer)

Die internationale Presseschau lässt sich beliebig fortsetzen –  der Spiegel, den uns ausländische Medien vorhalten, ist äusserst schmeichelhaft. Die Genialität der direkten Demokratie punktet sogar dort, wo mächtige Staatschefs scheitern: «Wir müssen den Kapitalismus moralisieren!», posaunte einst Nicolas Sarkozy. Thomas Minder, so scheint es, ist gerade dabei, genau dies über die Stärkung der Aktionärsrechte zu erreichen.

Die französische Wirtschaftspresse um «Le Monde» und «Les Echos» sieht die Schweiz gar als baldige Weltmeisterin der guten Regierungsführung. Eine sehr positive Wahrnehmung unseres Landes, die auch Nicolas Bideau freuen dürfte: Als Direktor von Präsenz Schweiz ist er für das positive Image der Schweiz im Ausland zuständig.

Somit hat der Schaffhauser Thomas Minder dem Genfer Nicolas Bideau zu einer unverhofft mächtigen PR-Aktion verholfen. Zwei Männer aus zwei Kantonen, die mehr Grenzen mit grossen Nachbarländern als mit anderen Kantonen teilen. Zwei Schweizer Grenzregionen in einem Europa, das die Schweiz allzu oft zur Karikatur reduziert.

Aber lassen wir uns nicht den Spass verderben. Dieses sehr positive Bild ist zweifellos ein wenig trügerisch. Genauso verwirrend war auch die Wahrnehmung der Schweiz als rassistisches und borniertes Land, als per Volksinitiative der Bau von Minaratten verboten wurde.

Eins ist sicher, und dessen sind sich auch die Journalisten der internationalen Presse sehr wohl bewusst: Die politischen Institutionen der Schweiz funktionieren. Sämtliche Stimmen verweisen darauf, dass selbst die Ablehnung der Minder-Initiative mehr wirtschaftlicher Gerechtigkeit gleichkommen würde, weil auch der vom Parlament ausgearbeitete Gegenvorschlag übertriebene Löhne einschränken könne. Uns soll es recht sein: Die Schweiz hat ihr Lob verdient.

// <![CDATA[
document.write("„);
// ]]>