Wieso setzt der Bundesrat nicht auf die Schiene?

Im nächsten Jahrzehnt wird der Gotthard-Strassentunnel saniert. Ein einschneidendes Ereignis. Bereits in vier Jahren wird der 57 Kilometer lange Neat-Basistunnel eröffnet. Ein historisches Ereignis. Rund 19 Milliarden Franken investiert die Schweiz in das Jahrhundertbauwerk und seine Zubringer. Die Schienenkapazität wird verdoppelt, die Reisezeit von Zürich nach Lugano von 2 Stunden 40 Minuten auf 1  Stunde 50 Minuten verkürzt. Dieser Ausbau entspricht dem mehrfach geäusserten Willen des Stimmvolks.

Das Verlagerungsziel in der Verfassung und eine möglichst hohe Auslastung der Neat sollten deshalb die Leitlinien für den alpenquerenden Verkehr der nächsten Jahrzehnte sein. Und nicht die Sanierung des Gotthard-Tunnels. Der Bundesrat sieht das anders. Er setzt auf eine zweite Röhre, die weiteren Verkehr anziehen wird. Zwar will die Regierung gesetzlich verankern, dass jeweils nur eine Spur pro Richtung offen ist. Man hört diese Botschaft wohl, allein es fehlt der Glaube. Wer Milliarden in einen neuen Tunnel steckt, will ihn richtig nutzen. Wenn sich der Verkehr kilometerlang vor einer geschlossenen Spur staut, wird der in- und ausländische Druck für deren Öffnung immens.

Wer Milliarden in einen neuen Tunnel steckt, will ihn richtig nutzen.

Verkehr am Gotthard. (Keystone)

Die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene ist in der Verfassung verankert: Gotthard-Portal. (Keystone)

Auch wenn die Verfassung eine Erhöhung der Transitstrassen-Kapazität in den Alpen verbietet, werden sich Wege für eine Spurfreigabe finden lassen – indem man etwa eine temporäre Öffnung zu Spitzenzeiten nicht als Kapazitätserhöhung definiert. Spätestens dann werden die gestrigen Äusserungen von Doris Leuthard als ebenso falsch in die Geschichte eingehen wie die Worte von Bundesrat Hans Hürlimann. Dieser versprach 1980 bei der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels, der Tunnel werde «niemals ein Korridor für den Schwerverkehr sein». Es sollte anders kommen.

Die Gotthardsanierung liefert den Promotoren der zweiten Röhre verlockende Argumente. Unter dem Strich überzeugen sie nicht. Die Sanierung ist vielmehr eine Chance, den Auto– und Güterverlad zu forcieren und die Idee einer Alpentransitbörse voranzutreiben, wie es das Parlament will. Es ist nicht einzusehen, weshalb die Verladestationen nicht auch nach der Tunnelsanierung in Betrieb bleiben sollen. Und wer wirklich etwas für die Sicherheit tun will, saniert unfallträchtige Strassenabschnitte. Und verbaut nicht Milliarden für einen Tunnel, der angeblich nur halb geöffnet sein soll.

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