Mensch Maurer!

«Auf gut Deutsch als verdammte Sauerei», befluchte Bundesrat Ueli Maurer am Montag die Informationslecks in seinem Departement. Was war passiert? Offenbar ist im VBS der Widerstand von bestimmten Leuten so gross, dass diese die Medien mit vertraulichen Informationen über den zu beschaffenden Kampfjet Gripen füttern. Konkret mit Informationen, welche die schwedische Maschine in einem schlechten Licht zeigen. Für Maurer ist das ein Riesenärgernis – und droht in der Konsequenz die Kampfjetbeschaffung abzuschiessen.

Der Frust darüber ist offenbar dermassen gross, dass der Magistrat dazu nur noch Kraftwörter fand – «verdammte Sauerei» eben. Solches sind wir uns von Mitgliedern der Landesregierung nicht gewohnt. Prompt fragte der Berner Politberater Mark Balsiger per Twitter: «Dürfen Bundesräte in Mikrofone fluchen? Falls ja, wo liegt die Grenze?»

Bei Micheline Calmy-Rey hörten wir auch immer «merde» zwischen den Zeilen, weil Merz die Sache in der Wüste versiebt hatte.

Bundesrat Ueli Maurer in Jassbach am 14. Mai 2012. (Keystone)

Darf ein Magistrat fluchen? Bundesrat Ueli Maurer in Jassbach am 14. Mai 2012. (Keystone)

Klar dürfen auch Bundesräte fluchen und mit Kraftausdrücken um sich werfen. Nur hats in den letzten Jahren keine/r mehr getan. Darum auch jetzt das Erstaunen. Wie waren Sie doch beherrscht, obwohl es nur zu oft Grund genug gegeben hätte, die Façon zu verlieren. «Putain», muss es wohl im Kopf von Hans-Rudolf Merz herumgeschwirrt sein, als er von Muammar al-Ghadhafi mit Koffern und leeren Händen aus Libyen nach Hause geschickt wurde. Und bei Micheline Calmy-Rey hörten wir auch immer «merde» zwischen den Zeilen, weil Merz die Sache in der Wüste versiebt hatte.

Und was mag wohl Simmonetta Sommaruga über die widerspenstigen Bettwiler gesagt haben? Die Alphatiere Pascal Couchepin und Christoph Blocher über sich gegenseitig? Und was Eveline Widmer-Schlumpf über die turnschuhbesohlten Ledernacken ennet des Atlantiks, die sie seit Jahren mit einer Lösung im Steuerstreit auflaufen lassen? Wir wissen es nicht. (Klar, zumindest im internationalen Verkehr gebietet die Diplomatie den gepflegten Umgang miteinander)

Ganz selten gibt es kleine Ausrutscher. So geschehen jüngst Infrastrukturministerin Doris Leuthard im Fluglärmstreit mit Deutschland. Sie schimpfte die deutschen Fluglärmgegner «Taliban» – und entschuldigte sich umgehend dafür.

Auf der anderen Seite der Skala haben wir die Anti-Flucher, die Beherrschten. Angeführt wird diese Fraktion von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Wenn immer er öffentlich etwas von sich gibt, dann geht es im Kern primär darum, ja keine und keinen auch nur im leisesten Ansatz zu kritisieren. Wir alle leiden mit, wenn Schneider-Ammann etwas sagen möchte, und sich doch nicht recht traut (zugegeben, er hat sich in jüngster Zeit verbessert).

Nur einmal in der jüngeren Zeit des Bundesrates kam einer so richtig aus dem Busch. «Dä huere Scheiss» und «die verzapft doch irgend en Scheiss», sagte der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger im Vorfeld eines Interviews mit «TV3» (er wusste nicht, dass die Mikrofone eingeschaltet waren). Wenn auch für den Magistraten äusserst peinlich, lachte das ganze Land über den Ausraster – Youtube sei Dank. Die Geschichte zeigte vor allem eines: Auch Bundesräte sind nur Menschen. Und versuchten sie noch so sehr, sich immer zu beherrschen. Ueli Maurer hat davon jetzt wieder einmal ein Muster abgegeben. Eben: Mensch Maurer.

Welcher Meinung sind Sie? Darf ein Bundesrat so fluchen, oder muss er sich – zumindest in der Öffentlichkeit – immer beherrschen?

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