Integration? Welche Integration?

Der Bundesrat plant Integrationsprogramme für reiche Ausländer. Dafür sollen auch ein paar Millionen fliessen. Mit Steuergeldern sollen also die integriert werden, die blöd wären, wenn sie es täten. Weil es ihnen nichts bringt.

«Wir erwarten die Bereitschaft, sich auf unser Niveau herabzulassen.» Die Karikatur von Schaad bringt es auf den Punkt. Der reiche Ausländer soll gefälligst nicht allzu weltmännisch auftreten und sich mehr für Schweizer Traditionen interessieren. Und er soll bitteschön darauf verzichten, seine Kinder auf Elite-Schulen zu schicken.

Wir machen die Faust im Sack und jammern, statt die vielfältigen politischen Mittel einzusetzen, die wir als Schweizer Bürger haben, um den Status quo zu unseren Gunsten zu ändern.

Frau mit Goldschmuck an der Zürcher Bahnhofstrasse. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Aus Neid sollen erfolgreiche Ausländer gebremst werden: Frau mit Goldschmuck an der Zürcher Bahnhofstrasse. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Es geht nicht darum, dass die reichen Ausländer sich an Schweizer Gesetze halten sollen – das tun die meisten, oder dass sie sich mit Schweizern verständigen können – das können die meisten ebenfalls. Es geht darum, dass die reichen Ausländer des Schweizers Neid wecken. Kriegen nicht sie die Topjobs und die tollen Wohnungen? Ist die Welt nicht ungerecht?

Dass wir am Status quo selber schuld sind, blenden wir dabei geflissentlich aus.

Während wir uns im Bewahren übten, hat sich die Welt nämlich weitergedreht. Sie ist in der Schweiz angekommen, der Platz im Mittelstand ist auch für den strebsamen Schweizer plötzlich nicht mehr garantiert.

Doch statt sich der Welt anzupassen, um ein Stück des feinen Kuchens zu ergattern, erwarten wir, dass sich die Welt der Schweiz anpasst, sind aber – siehe Bankgeheimnis und Steuerstreit – nicht stark genug, um uns durchzusetzen. So kommt man bestimmt weiter.

Wir machen die Faust im Sack und jammern, statt die vielfältigen politischen Mittel einzusetzen, die wir als Schweizer Bürger haben, um den Status quo zu unseren Gunsten zu ändern. Etwa, indem wir die Politikerinnen und Politiker wählen, die sich für fortschrittliche Bildungs- und Arbeitsbedingungen einsetzen.

Wir verharren in verstaubten Traditionen, indem wir beispielsweise für Mundart im Kindergarten abstimmen und dabei ausblenden, dass Français fédéral oder broken English – das, was bei den meisten herauskommt, wenn sie Fremdsprachen erst später lernen – bei der Bewerbung um einen Topjob nicht gerade förderlich sind.

Wir investieren stur mehr Zeit in den Aufbau oder die Aufrechterhaltung unserer Work-Life-Balance, statt in unsere Karriere und wundern uns dann, dass gebildete, topmotivierte Ausländer, die bei Überzeit nicht gleich an die Kompensation derselben denken, das Rennen machen.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass «Made in Switzerland» ein Synonym für Innovation, Präzision und Qualität war. Schweizer Arbeitnehmer waren wegen ihres Know-hows und ihrer Zuverlässigkeit begehrt. Es ist noch nicht lange her. Nur haben die anderen aufgeholt. Es liegt an uns, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wir im Wettbewerb mit gut ausgebildeten Ausländern reüssieren. Wem das zu mühsam ist, sollte wenigstens darauf verzichten, die Erfolgreichen auf sein Niveau herabziehen zu wollen.

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