Fünf Mittel gegen den inneren Schweinehund

Schlammiges Vergnügen: Biken im Regen. (Bild: Keystone)

Tut gut: Biken im Regen. (Bild: Keystone)

Während den kalten Monaten habe ich am Donnerstagabend ein Problem. Ich fühle mich müde und hab keine Lust, mit dem Bike hinein in die nasse, kalte Nacht zu fahren. Trotzdem tue ich es. Dabei kann es vorkommen, dass der Regen durch Falten und Nähte dringt, dass ich mir den Kuhnagel an den Fingern einfange oder auf einer gefrorenen Pfütze stürze.

Trotzdem bereue ich es nie. Wenn ich am Ende des Trails wieder auf die Strasse rolle, muss ich grinsen. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue. Nicht nur über den Kopf, den ich während der Fahrt leeren oder die nassen Wurzeln, die ich bezwingen konnte. Ich freue mich auch, dass ich den inneren Schweinehund überwinden konnte. Denn obwohl ich das gute Gefühl nach einer Trailfahrt kenne, muss ich mich bei schlechtem Wetter jedes Mal überwinden.

Besonders schwer ist das, wenn das milde Märzwetter verschwunden ist. Der Regen spült die Motivation im Nu wieder weg. Dagegen gibt es fünf Mittel:

Zusammen fahren
Auch wenn Biken ein Sport für Egos ist, die gerne ihre eigene Linie fahren: Zusammen macht es mehr Spass. Besonders an dunklen Abenden fällt einem die Ausfahrt zu zweit oder in einer Gruppe viel leichter als alleine.

Zusammen ists einfacher: Fahren, wenns garstig ist. (Bild: Reuters)

Zusammen einfacher: Fahren, wenns garstig ist. (Bild: Reuters)

Wenn sich niemand aus dem Umfeld motivieren lässt, auch in den Sattel zu steigen: nächstgelegenen Veloladen oder Verein suchen und nach Biketreffs fragen. Viele Infos sind auch im Netz zu finden.

Wichtig: Eigenes Können richtig einschätzen und sich erkundigen, ob man damit in eine neue Gruppe passt. Nichts ist demotivierender, als abgehängt zu werden – oder dauernd warten zu müssen.

Endlich kaufen, was lange fehlte
Für den Spass auf dem Trail ist nicht die neuste und teuerste Ausrüstung nötig, doch ohne funktionelles Material geht es nicht. Besonders wenn die äusseren Bedingungen harsch sind, motiviert ein neues Teil, das die Fahrt schneller oder angenehmer macht. Das können ein neuer Reifen, ein paar gute Handschuhe oder ein Schutzblech sein. Letzteres ist wieder angesagt. Aber nur, wenn es auch wirklich hält.

Wichtig: Gute Qualität lohnt sich. Bewährtes Material ist oft nicht billig, aber am Ende günstiger als Ramsch, der nichts aushält. Lieber das vorhandene Budget für wenige, dafür gute, Kleidungsstücke oder Teile einsetzen.

Bikepflege organisieren

Dringend nötig: Reinigung und Pflege. (Bild: Reuters)

Dringend nötig: Reinigung und Pflege nach der Schlammpackung. (Bild: Reuters)

Eine grosse Hürde im Winter ist der viele Schmutz, der das Bike regelmässig überzieht. Am einfachsten ist es, wenn der noch feuchte Dreck gleich nach der Fahrt abgespritzt werden kann.

Wer diese Möglichkeit nicht hat, sollte sich unbedingt vor der Ausfahrt überlegen, wo das Bike bald gereinigt werden kann. Vielleicht rückt der Hausabwart einen Schlauch raus oder es gibt eine Waschanlage in der Nähe.

Wichtig: Bike nicht wochenlang vor sich hinmodern lassen. Nicht mit Hochdruck auf Lager und Federelemente spritzen. Unbedingt Ketten ölen und bewegliche Teile schmieren. Richtige Pflegemittel sind nicht teuer, aber wichtig.

Lampe
Wer regelmässig auf den Trail will, kommt früher oder später nicht darum herum, sich eine gute Lampe zu kaufen. Nur so kann man unter der Woche nach der Arbeit sicher über Stock und Stein fahren. Am effektivsten ist es, wenn die Lampe auf dem Kopf montiert wird.

Wichtig: Auch starke Kletter- oder Jogging-Lampen sind auf dem Bike nur als Warn- oder Notleuchte zu gebrauchen. Gute Lichter sind nicht billig, erhöhen den Spassfaktor aber erheblich.

Starkes Stück: Eine gute Lampe ist der beste Begleiter. (Bild: Reuters)

Starkes Stück: Eine gute Lampe ist der beste Begleiter. (Bild: Reuters)

Wollen, nicht sollen
Wenn sich der innere Schweinehund trotz allem nicht niederringen lässt, könnte es an der falschen Motivation liegen. Dann aufs Bike zu steigen, wenn der Schönwetterfahrer längst abwinkt und sich aufs Sofa setzt, braucht einiges an Antrieb. «Ich sollte was tun und nicht immer rumsitzen», kann zwar eine Motivation sein. Aber oft reicht sie nicht weit. Fragen Sie sich in einer ruhigen Minute, was sie wirklich wollen.

Der Trail ist das Ziel. (Bild: Keystone)

Der Trail ist das Ziel. (Bild: Keystone)

Vielleicht sind Sie lieber ein Fitnessbiker, der im Frühling die Pneus aufpumpt und sich freut, japsend den nächstgelegenen Hügel zu bezwingen. Vielleicht wollen Sie aber jede Woche raus, abschalten, den Puls spüren und den Wald riechen, grinsen und sich noch am Tag danach besser fühlen.

Wichtig: Überlegen ist gut, ausprobieren ist besser. Gute Fahrt und viel Spass.

Kann konsumieren tatsächlich zum Biken motivieren? Was bringt Sie regelmässig auf den Trail? Oder halten Sie Biken für einen Sommersport?

29 Kommentare zu «Fünf Mittel gegen den inneren Schweinehund»

  • Michu sagt:

    @Josip: Bin ganz deiner Meinung aber was Rolf angeht, so hat er auch recht! Manche müssen halt verprügelt werden, damit sie Einsicht erlangen. Heute verkommt alles zum Egoismus, daher muss man sich auch dementsprechend wehren. Nur das wir uns richtig verstehen: Ich möchte niemanden eine Abreibung verabreichen, aber manchmal bin ich bei einigen Biker wirklich nahe dran und deshalb kann ich Rolf sehr gut verstehen!

  • Josip sagt:

    Ich bike grundsätzlich auch das ganze Jahr über, sofern die verhältnisse es einigermassen zulassen. Trotzdem gehört die Dämmerung prinzipiell dem Wild. Das habe ich bis jetzt weitestgehend respektiert und werde es auch zukünftig tun. Halogenscheinwerfer und andere Stadionbeleuchtungen gehören meiner bescheidenen Meinung nach genausowenig in den Wald wie MX-Fahren.

    Liebe Prügelknaben: Zieht lieber in die Wüste und bastelt euch eure eigene Diktatur, wenn Ihr eure Mitmenschen nicht respektieren könnt, braucht ihr auch keinen Respekt zu erwarten.

  • Adam sagt:

    Hallo,
    ich bin am Ueberlegen, dass ich ein 29er Mountain bike kaufe. Bis jetzt bin ich immer Rennrad gefahren, aber ich möchte in einem schlechteren Wetter oder im Wald auch fahren.
    Hat jemand Erfahrung mit 29er? Soweit habe ic Specialized Rockhopper angeschaut.
    Danke
    Adam

  • beat sagt:

    Ich fahre auch das ganze Jahr über Bike. Mir fällt es nicht schwer mich zu überwinden, weil ich Sport an frischer Luft ganz einfach zum leben brauche…

    Nachts im Wald mit heftigen Scheinwerfern finde ich wegen der Wild-Thematik nicht so der Bringer. Bei so dreckigen Bedingungen wie auf den Fotos zu sehen ist, würde ich auch vor allzu teueren Edelteilen am Bike abraten. Der viele Dreck und Matsch ist Gift für diese Teile. Ausserdem sind viele meiner Trails auch Wanderwege und die beschädigt man bei matschigen Bedingungen (und vor allem in Gruppen) einfach so sehr, dass Ärger und Sperrungen bald folgen. Bei Schnee und gefrorenem Boden ist biken super und auch im Wald kein Problem.

    Wenn ich nachts fahre, fahre ich auf der Strasse (es gibt genügend wenig frequentierte Nebenstrassen). Das ist sauberer und auch ungefährlicher. Die Samstagstrainingstour passen wir den Witterungs- und Bodenverhältnissen an und fahren dann halt auch öfters nur auf Schotter- und Waldstressen. Für ein ordentliches Training reicht das allemal und die Lust auf richtig technische Trails steigt dadurch auch wieder.

  • carl jung sagt:

    bez. ‚innerer Schweinehund‘: da ich diesen Begriff schon einige Male gehoert habe, waere ich sehr froh, wenn mir jemand, vielleicht der Autor selber, den ‚inneren Schweinhund‘ einmal erklaeren koennte. Habe ich selber auch einen ‚inneren Schwinehund‘? Und wenn ja, wie erkenne ich meinen ‚inneren Schweinehund‘? Faengt er an zu bellen, oder wie genau werde ich auf ihn aufmerksam? Und wenn ich auf ihn aufmerksam werde, muss ich ihn dann bekaempfen, niederringen, unterdruecken? Und was kann passieren wenn er sich bemerkbar macht und ich nichts unternehme?

  • Springer sagt:

    Ihr seid doch alle Masos! :-)

    *malbieraufmachtundsichbeimerstenschluckdenktdassesgutistdassmansowasnurmachtwennmanwillundnichtdazugezwungenwerdenkann*

  • Rainer sagt:

    Wenn es keinen Schnee hat, fahre ich per Bike in die Firma.
    Sind nur 11km, davon 5.5 das Triemli runter.

    Zurück ist wesentlich anstrengender ;-)

  • Quer sagt:

    Während den Wintermonaten gibt es für mich nur eines! Radquer! Da reichen Waldwege, Treppen für Laufpasagen etc.
    Sehr gut eignet sich der VitaParcour. Ich habe vier Strecken auf denen ich oder wir Trainieren. Eine Stund reicht föllig aus wenn man ordentlich gas gibt, ist man danch platt. Während den kurzen aber intesiven Laufpasagen werden auch ander Muskelgruppen beansprucht, was für ein Wintertraining optimal ist. Fazit, Quer macht Spass und gibt imens Power und Mukis!
    Gute Fahrt!

    • Biker Toni sagt:

      Voll einverstanden. die Abwechslung macht’s aus. Treppen, Bachläufe oder so sind gut fürs Gleichgewichtstraining. Beim Unterholz auf Äste achten, sonst aber sausen lassen, dann kommt die Übung. Für den Abend habe ich mir einen Megascheinwerfer gekauft, das Ding war sauteuer, macht aber alles taghell. Vorteil dieser Saison: Es hat kaum Leute im Weg, sowohl im Wald oder an den Bachläufen.

  • Peter Zürcher sagt:

    Klar ist es schöner auf Trails zu fahren. Aber viel wichtiger ist, egal was für ein Bike es auch immer ist, dass man/sie raus geht und den inneren Schweinehund überwindet. Es ist doch schlussendlich egal, ob man auf Wald- oder Asphaltstrassen fährt. Hauptsache man/sie überwindet sich. Auf Waldstrassen ist es halt doch etwas sicherer als auf öffentlichen Strassen, da im Wald in der Regel weniger Autos anzutreffen sind und daher etwas sicherer sind. Ich wünsche allen Biler/innen eine schöne Saison 2011!

  • Andreas sagt:

    @ Prügler-Rolf:
    das mit dem Wild wird aus meiner Sicht überbewertet. Ein Wildtier in unseren zivilisationsnahen Wäldern stirbt nicht gleich, nur weil es mal flüchten muss. Die sind doch andauernd in Bewegung. Im Tiefschnee des Hochgebirges ist das viel gravierender, dort kann ich es nachvollziehen.
    Viel bedenklicher als die paar Biker, die auch im Winter biken, finde ich eigentlich solche Typen, die gleich Prügel androhen…

    • Rolf sagt:

      So, so…. ein paar Biker! Gehen Sie doch mal im Sommer zu Fuss an die Aare, dann würden Sie wohl auch die Geduld und Rücksichtnahme verlieren!

  • Rolf sagt:

    Solche sollten schon nur aus den vorangegangenen, aufgezählten Gründen aus dem Wald geprügelt werden. Ebenso die Snowboarder, die im Winter im Wald das Wild aufschrecken. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ein mehrfach im Winter aufgeschrecktes Wild, den Winter nicht überstehen wird.

    • Dave sagt:

      Aha die Biker und die Snowboarder, dasselbe rücksichtsloses Saupack? Prozentual gesehen gibt es sehr viel mehr Skifahrer und dies auch bei den Jungen! Also warum bitte scheuchen nur die Snowboarder das Wild auf? Aber klar, das Wild sollte geschont werden, damit die Jäger auch was vor die Flinte kriegen und man im Hirschen nicht auf das Rehragout verzichten muss!!!

      • Rolf sagt:

        Es sind vorwiegend Snowboarder und ebenso sind es vorwiegend Biker! Wie Sie es schön vormuliert haben: Das selbe Saupack, richtig!

  • Werner Oberhozer sagt:

    Es muss ja nicht immer Mountainbiken sein: Wenn die Temperaturen gegen null tendieren, strömender Regen herrscht oder es schon dunkel ist, dann kann man doch auch etwas anderes, der Lage angepassteres unternehmen. Z.B. eine Trainingseinheit auf dem Ergometer (dazu die neuste Folge seiner Lieblingsserie ansehen). Oder wie wäre es mit 45 Minuten Crawl-Training in der Schwimmhalle? Den Schweinehund besiegen ist immer eine gute Sache, allerdings muss es für mich nicht auf Biegen und Brechen eine Bike-Tour sein.

  • phil sagt:

    SCHOENWETTERFAHRER!!!

  • Lucky_Looser sagt:

    Naturtrails sollten nur befahren werden, wenn sie trocken sind!!

    • Toby sagt:

      Genau! Und mit einer starken Lampe im Winter am Abend das Wild aufscheuchen, ist genau so rücksichtslos.

      • thomas maier sagt:

        Studien haben gezeigt, dass das Wild von Fussgägnern, die durchs Unterholz wandern, weitaus stärker „gejagt“ wird als von Bikern auf Wegen mit Lampe im Dunkeln. Die Biker werden vom Wild meist ignoriert, da es gelernt hat, dass von diesen keine Gefahr ausgeht. Anders sieht es bei Fussgängern aus, noch deutlich schlimmer bei Fussgängern mit nicht angeleinten Hunden. Aber Hautpsache, Sie konnten einfach mal etwas behaupten um Stimmung zumachen, gell.

        • Stevee sagt:

          Da kann ich dir nicht zustimmen, bei meiner letzten fahrt im dunkeln habe ich leider zwei Wild-Tiere aufgeschreckt.

          • Kathy sagt:

            Es hat ja auch immer massenhaft Spaziergänger am Abend im Wald, die durchs Unterholz wandern… aber Hauptsache, sie können auch was sagen, gäll!?

        • Cybot sagt:

          „Studien haben gezeigt“ – das kann jeder schreiben. Kannst du diese Studien auch genauer angeben oder ist das nur die übliche Ausrede, die wissenschaftlich klingen soll? Das klingt nämlich sehr erfunden. Und selbst wenn, man findet fast zu jedem Blödsinn eine Studie.

    • tömsi sagt:

      Blödsinn! Warum das, weil man nachher das Velo putzen muss? Das dir Trails kaputt gehen ist auch keine Ausrede.

  • Martin Brennwald sagt:

    Wieviel Leute wohnen in der nähe eines „Trails“ ? Vielleicht 10% der Schweiz ? Aufs Rennvelo wenns eindunkelt, ganz einfach.

  • Martin Brennwald sagt:

    Ich fahre auch Rennen. Ich frage mich bei obigem Text, wieso die Leute nicht einfach wie ich aufs Rennvelo sitzen wenns Nacht ist. Der Spassfaktor auf den dünnen Pneus ist besser als Ihr es Euch vorstellen könnt – Viele Biker wissen das einfach nicht – ich wehrte mich auch lange dagegen, weil ich (anfangs!) mit der Rennveloeinstellung (Überhöhung etc) Mühe hatte. Aber man kann zB auf einem Crosser mit langem Steuerrohr anfangen wo der Lenker fast gleich hoch ist wie der Sattel (Spacer). Es lohnt sich, ist weniger gefährlich (keine Stürze) und verbrennt meist sogar mehr kcal, was super gegen das Bäuchlein wirkt.

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