Nie mehr frieren dank cleverem Schichten

So kommen Sie durch den Winter: Ohne Schweiss, ohne Gänsehaut – und ohne Erkältung.

Eierlegendewollmilchsau? In der kalten Jahreszeit sind die Ansprüche von Aktivsportlern an ihre Bekleidung maximal. Foto: iStock

Wer im Winter aktiv draussen ist, kennt das Gefühl: Man bewegt sich, man schwitzt, und irgendwann klebt das Funktionsunterhemd nasskalt am Oberkörper. Unangenehm ist untertrieben. Und schon eine leichte Brise reicht, um sprichwörtlich in Windeseile auszukühlen. Zu warm, zu kalt – es ist ein schmaler Grat von durchgeschwitzt bis zum Zähneklappern.

Gerade in der kalten Jahreszeit sind die Ansprüche von Aktivsportlern an ihre Bekleidung maximal. Sie muss wärmen und gleichzeitig überschüssige Wärme vom Körper ableiten, sie soll Feuchtigkeit fernhalten und parallel den Schweiss nach aussen transportieren. Und darin liegt das Problem. «Das eine Teil, die ‹Eierlegendewollmilchsau› in Textil, das gibt es so leider noch nicht. Abhilfe kann man da nur schaffen, wenn man das ‹Zwiebelprinzip› zu Hilfe nimmt, sprich die clevere Kombination aus Unterwäsche, Zwischenschicht und Wetterschutz», weiss Marcus Liss, Verantwortlicher Textileinkauf beim Bergsportspezialisten Bächli Bergsport. Damit kommen Outdoor-Sportler wohltemperiert durch die kalte Jahreszeit, können auf Skitour oder beim Winterwandern bequem Bekleidungsschichten aus- oder anziehen und so ihr individuelles Komfortklima selbst regulieren.

Nervige Zwiebel

Die Basis bildet dabei enganliegende Unterwäsche, der sogenannte Baselayer. «Er spielt eine entscheidende Rolle, da er als einzige Schicht mit der Haut in Berührung kommt und damit für den Wohlfühlfaktor sowie Abtransport von Schweiss verantwortlich ist», erklärt Marcus Liss: «Je intensiver die Aktivität, desto wichtiger ist das Material.» Die klassische Baumwolle ist hier eher ungeeignet. Sie speichert Unmengen an Feuchtigkeit und braucht ewig, um diese wieder abzugeben. Bei intensiven sportlichen Aktivitäten eignen sich Baselayer aus Kunstfaser, da sie durch die glatten Fasern und fehlenden Hohlkammern nur wenig Schweiss aufnehmen, sondern ihn direkt an den Midlayer abgeben. Ein guter Kompromiss aus Funktion und Tragekomfort ist Unterwäsche aus einer Merinowolle-Polyester-Mischung. Textilexperte Philipp Osterwalder, Abteilungsleiter Textil in der Bächli-Bergsport-Filiale Volketswil, kennt zudem noch einen weiteren praktischen Vorteil: «Textilien aus Merinowolle riechen nicht. Bei mehrtägigen Wanderungen oder Skitouren ist das ein entscheidender Vorteil.»

An, aus, an, aus – wer sich nach dem Zwiebelprinzip kleidet, weiss, dass diese Schichtarbeit auch anstrengend ist, ja manchmal sogar ein bisschen nerven kann. Philipp Osterwalder hat dabei aber auch eine gute Nachricht: «Mit einem hochwertigen Midlayer kann man das An-Aus-Prozedere auf ein Minimum reduzieren. Abhilfe schaffen sogenannte Hybridjacken. Sie kombinieren unterschiedliche Materialeigenschaften und verschiedene Isolationsstärken und verfügen so über ein breiteres Einsatz- und Temperaturspektrum.» Ausserdem sind sie durch ihren partiellen Aufbau charakterisiert. Für Skitourengeher sind sie beispielsweise an den Armen und am Rücken weniger stark gefüttert als an der Rumpfvorderseite.

Kombiniert man die richtigen Bekleidungsschichten, ist man für jedes Wetter gerüstet. Foto: iStock

Da es bei Isolationsmaterialien deutliche Unterschiede gibt, lohnt sich hier ein kleiner Exkurs: Wolle ist eine der nachhaltigsten Optionen und hat gerade für Outdoor-Aktivitäten im Winter einen entscheidenden Vorteil, sie wärmt sogar im nassen Zustand. Daunen sind die erste Wahl, wenn man auf der Suche nach dem besten Verhältnis von Isolation, Gewicht und Kompressionsfähigkeit ist. Daunenjacken bieten eine sehr gute Wärmeleistung bei kleinem Packmass. Ihr Nachteil: Wenn sie einmal nass werden, bilden die Daunen Klumpen und wärmen nicht mehr. Kunstfasern sind die künstliche Kopie der Daune und bieten einen guten Kompromiss: «Sie sind unempfindlich, einfach zu pflegen, wärmen sogar im nassen Zustand, und auch ihr Packmass wird immer besser», sagt Bächli-Bergsport-Experte Marcus Liss.

Gerüstet für jedes Wetter

Manche Midlayer kombinieren wind- oder wasserabweisende Materialien und atmungsaktive Zonen sogar so geschickt miteinander, dass es die dritte Schicht eigentlich gar nicht mehr benötigt. Dabeihaben sollte man die Hardshell-Jacke als Wetterschutz aber auf jeden Fall, auch wenn sie nur als Notfall-Back-up im Rucksack landet. Sie ist die effektivste Möglichkeit, um Regen, Wind und Eis vom Körper und den anderen Bekleidungsschichten fernzuhalten.

Zwar gibt es das eine Oberteil noch nicht, das für jede Aktivität und jede Temperatur ideal passt. Kombiniert man jedoch die richtigen Bekleidungsschichten durchdacht miteinander, ist man für jedes Winterwetter optimal gerüstet. Ohne Schweiss, ohne Gänsehaut – und ohne Erkältung.

Eins, zwei, drei – oder vielleicht sogar vier? Wie viele Schichten tragen Sie beim Outdoor-Sport im Winter? Diskutieren Sie mit und teilen Sie Ihre Bekleidungserfahrungen.

Dieser Beitrag wurde unterstützt von Bächli Bergsport. 

5 Kommentare zu «Nie mehr frieren dank cleverem Schichten»

  • theo massari sagt:

    MTB & N-Walking: Merino Baselayer und eine Hardshell Jacke gegen Wind & Nässe, und zum runterfahren: ersatz Merino Baselayer und Kappe. Falls Interesse an Touren Ideen: https://ayvri.com/profile/r7j0rwgqjy

  • Martina sagt:

    Was ich aus diesem Artikel mitnehme ist das neue wunderbare Wort für Unterwäsche: „Baselayer“. Auch Midlayer und Hardshell macht richtig Freude.
    Ansonsten glaube ich nicht an das Wohlgefühl mit Kunststoff als Layer auf der Haut.

    • Oskar sagt:

      Der Grund für synthetische Fasern steht im Artikel. Wer lesen kann ist klar im Vorteil werte Martina. Als Wintervelofahrer kann ich möglichst wenige Schichten empfehlen. Ein Unterhemd, es kann auch ein sehr warmes sein, und eine Jacke. Fertig. So kann die Feuchtigkeit besser verdampfen. Auch wenn es sich anfangs kühl anfühlt, der Körper gewöhnt sich an Kälte besser als an Hitze. Eine dünne Windjacke oder ein Gilet nehme ich für den Notfall immer mit. Sollte es einmal nicht reichen. bin ich gerüstet.

      • Anna Meier sagt:

        Kunstfaser mag seine Vorteile haben aber der grosse und für mich im Vordergrund stehende Nachteil ist, dass man damit innert kürzester Zeit gruselig stinkt.

    • Lisa sagt:

      Viel Spass mit dem nass geschwitzten Baumwollleibchen auf der Bike- Berg- oder Skitour…

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