Mit der Bahn in die Bergwelt

Bezaubernde Aussichten: Im Spätsommer locken die Berge. Foto: SBB

Gehen ist die langsamste Art, sich fortzubewegen – und gleichzeitig die schönste. Vor allem, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Das Gefühl, oben angekommen zu sein, den Anstieg geschafft zu haben und der Ausblick auf die umliegenden Berggipfel: unbezahlbar. Nur leider ist beim Wandern der Entfernungsradius limitiert – schliesslich muss man spätestens am Abend wieder unten im Tal sein. Zumindest, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.

Nutzt man den öffentlichen Verkehr (ÖV), sieht es schon wieder ganz anders aus. Dann muss man nicht mehr zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren, kann sich auf ein grösseres Abenteuer begeben und einfach vom nächsten oder übernächsten Bahnhof nach Hause fahren.

Immer weiter

Normalerweise startet man seine Wanderung an irgendeinem Parkplatz, erklimmt einen Gipfel und kehrt dann wieder zurück zum Start. Eine Wanderung im Kreis. Wer mehr entdecken will, macht eine Tagestour von A nach B. Zum Beispiel die Gratwanderung zum Chasseral, dem höchsten Punkt des Berner Jura. Mit dem ÖV kommt man bis nach Frinvillier-Taubenloch, von wo aus man direkt losgehen kann. Alternativ nimmt man den Bus nach Les Prés-d’Orvin Bellevue, um sich die ersten steilen Höhenmeter durch den Ort zu sparen. Ab hier warten saftige Sommerwiesen, über die man sich stetig nach oben arbeitet – das weitläufige Bergpanorama immer fest im Blick.

Hat man den Anstieg hinauf zum Chasseral-Gipfel mit seiner markanten Antenne geschafft, schaut man auf das Highlight der Tour hinunter: die Drei-Seen-Region mit Bieler- und Murtensee sowie den Jurabogen. Neben der Aussicht wartet aber noch eine zweite Belohnung für die Anstrengung: die Bergwirtschaft La Jobert. Frisch gestärkt und erholt steht dem Abstieg hinunter zur Bushaltestelle am Hôtel Chasseral nichts mehr im Wege, wo man entspannen oder wieder die Heimreise mit dem ÖV antreten kann.

Mehr Tage, mehr Spass

Wer das ganze Wochenende Zeit hat, sollte auf seiner Wanderung eine Übernachtung einplanen und weiter wandern – also von A nach B nach C. Am besten auf einem Höhenweg, immer fernab vom Trubel im Tal. Das Angebot an Routen, deren Start- und Zielorte mit Bahnhöfen des ÖV verknüpft sind, ist riesig (finden Sie Beispiele auf www.sbb.ch/wandern oder www.schweizmobil.ch). Online lässt sich die An- und Abreise sowie die gewünschte Strecke ganz einfach und flexibel planen.

Gleichzeitig ist eine Wochenend-Wanderung der ideale Einstieg in den Bereich der Mehrtagestouren. Wer eine solche kleine Fernwanderung ausprobieren möchte, für den empfiehlt sich der Sentiero Cristallina. Der mittelschwere 17 Kilometer lange Weg bietet viel Abwechslung und überwindet in zwei Etappen die Strecke von Airolo im Val Bedretto nach Bignasco im Valle Maggio. Am Wegesrand warten wunderschöne Ausblicke auf den Basòdino und Cristallina sowie zahlreiche glasklare Bergseen. Unterkünfte gibt es gleich mehrere, wer zwischendrin schwächelt, findet also genügend Möglichkeiten, um zu pausieren oder zu unterbrechen.

Hat man sich selbst und sein Material auf einer ausgiebigen Wochenendtour ausprobiert und genug trainiert, wartet dann nur noch die grösste Herausforderung: ein Fernweg wie dem Via Sett von Thusis über den Septimerpass nach Chiavenna, dem Vier-Quellen-Weg vom Kanton Uri nach Graubünden ins Tessin und Wallis oder dem Wanderklassiker Strada Alta von Airolo nach Pollegio (Biasca). Mehrere Tage in den Bergen, mehrere Tage ohne Autos, ohne Sorgen, ohne Stress – diese Wunschvorstellung lässt sich in jedem Schweizer Kanton erleben und mit dem ÖV erreichen.

Rundum sorglos

Den Rucksack packen und aus dem Alltag ausbrechen: das geht am einfachsten mit einer Rundwanderung oder einer Tagestour. Auf dem Portal der Schweizerischen Bundesbahn sbb.ch/wandern lassen sich Wanderungen einfach planen und buchen. Dann muss man nur noch in den Zug einsteigen, in der Natur aussteigen und geniessen. Die Berge, die Seen, die Wälder – alles wartet darauf, zu Fuss erkundet zu werden. Und am Ende des Tages fährt man voll bepackt mit Erlebnissen wieder zurück. Zum Beispiel von folgenden Touren:
4-Seen-Wanderung
Braunwald-Oberblegisee
Passwanderung Sunnbüel-Gemmi
Voralpenquerung Tamaro-Lema

Haben Sie Tourentipps für Mehrtageswanderungen? Diskutieren Sie mit!

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10 Kommentare zu «Mit der Bahn in die Bergwelt»

  • Maike sagt:

    Mich stösst es, das mir der SBB Anfangs- und Endzeit meiner Wanderung vorgibt. Ist für mich Stress pur. Termine habe ich in der Woche schon mehr als genug. Ich will einfach nur Wandern, etwas schönes sehen und vielleicht mal 3 Stunden einfach nur auf einer Bank hocken, je nach Lust und Laune.

    • Aquila Chrysaetos sagt:

      Komisch, wenn ich buche wird keine Anfangs- oder Endzeit angegeben. Wir sind jeweils völlig frei.

      Ausser bei Sparbilleten, aber da ist es ja klar warum.

      Wo buchen Sie denn?

  • Joel Rüegg sagt:

    Schön und gut wenn man ein GA oder Tageskarte hat. Für alle anderen wird es teuer und kompliziert, vor allem für Familien die weder Halbtaxabo noch einen Stapel Kinderkarten haben. Bei einem Urlaub im Allgäu habe ich festgestellt, dass es auch einfacher geht: Das Bayern Ticket kostet EUR 25.- für die erste Person, jede weitere EUR 5.- und Kinder bis 14 Jahre fahren umsonst mit. Einfach und Kundenfreundlich, ohne Halbtax, Kinder- oder Enkelkarten. Diverse Privatbahnen bieten sogar den hierzulande unbekannten Service des Ticketverkaufs IM Zug entweder beim Zugbegleiter oder Automaten.

    • Simon Schmutz sagt:

      Also zumindest eine Juniorkarte hat jede mir bekannte Familie, die kostet ja nichts (30.- pro Kind und Jahr). Somit wäre dieses Problem schon mal gelöst. Und das Halbtax rechnet sich auch ab einigen wenigen Wandertagen etwas weiter von der Haustüre entfernt. Schliesslich will man ja ev. auch mal noch jemanden besuchen gehen, einen Tag oder zwei Skifahren oder in die Ferien, somit ist der Preis für ein Halbtax schnell rausgeholt. Und nach einigen solchen Ausflügen kommt man auf den Geschmack und merkt, dass man mit einem Familien-GA sogar günstiger fährt als mit einem Auto (Steuern und Versicherungen auch einrechnen, nicht nur den Treibstoff).

  • Vera In-Albon sagt:

    Im Benutzerkonto auf der Website der Schweizer Wanderwege kann man seinen Wandertag auf Basis unserer Wandervorschläge mit Pausen mit dem aktuellen SBB-Fahrplan planen und man weiss genau, wann man wieder zu Hause ist.
    schweizer-wanderwege.ch -> anmelden -> kostenloses Benutzerkonto erstellen -> Meine Wanderungen -> Wanderung mit ÖV planen
    Bitte gern geschehen. ;)

  • yvonne sagt:

    Vom Vier Quellen Weg habe ich gelesen und die Route studiert. Leider hat es noch nicht geklappt. Doch der ist sicher auch ganz schön.

  • Gregor Lissek sagt:

    Hallo, bei der vorgestellten Wanderung sollte man nicht vergessen, es fahren nur sechs Busse von Chasseral ab. Der letzte schon um 1650. Man sollte als diese anstrengende Wanderung nicht zu spät anfangen. Warum wird nur das Restaurant Jobert erwähnt. Grade am Wochenende gibt es noch weire Restaurants die auf der Strecke liegen oder über ein kurzen Umwege zu erreichen sind.

  • Simon Schmutz sagt:

    Da sind ein paar schöne Tipps dabei, danke! Etwas schräg aufgefallen ist mir der Satz „Normalerweise startet man seine Wanderung an irgendeinem Parkplatz“. Ich kenne niemanden, der auf die Idee kommen würde, mit dem Auto wandern zu gehen. Ist ja ein Widerspruch in sich, die Natur geniessen zu wollen, und sie gleichzeitig zu zerstören… Gibt es tatsächlich so viele Leute, denen dies nicht bewusst ist, dass dieses Verhalten schon als „normal“ bezeichnet wird?

    • Aquila Chrysaetos sagt:

      Man zerstört nicht die Natur, wenn man ab und zu das Auto benutzt um zum Ausgangspunkt einer Wanderung zu gelangen. Ich mache das manchmal, vor allem wenn es sehr früh los geht am morgen.

      Klar ist die Co2-Bilanz der Eisenbahn besser, aber auch die fährt nicht nur mit Liebe. Ihnen ist schon bewusst, dass es z.B. sowohl im Reusstal wie in der Leventina Stauseen gibt einzig für die Bahn gibt. Dafür haben wir ganze Täler geschwemmt.

      Als wir letzthin eine längere Strecke zu Dritt in einem grossen Postauto zurücklegten, dachte ich mir schon, dass es mit dem eigenen Auto nun wesentlich „Co2-günstiger“ gewesen wäre.

      Am besten würden wir alle ganz aufs Wandern verzichten.

      Das Ganze ist eben nicht so simpel um plakativ ein Verkehrsmittel an zu prangern.

Kommentar

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