Biken mit Batterie – Betrug oder clever?

Outdoor

Für eingefleischte Biker gewöhnungsbedürftig: Ein E-Mountainbiker am Flüelapass. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Wer kennt die Situation nicht: Nur mit seiner Beine Kraft kurbelt man den Trail hinauf, plagt sich mit der Steigung, dem Schotter, den Wurzeln und der Hitze. Und dann taucht da am Ende des Trail-Horizonts ein anderer Biker auf. Der sichtlich älter ist als man selbst, untrainierter (zumindest optisch) noch dazu – aber verdammt schnell. So schnell, dass man ihn nicht einholt. Chancenlos! Die Verzweiflung ist gross – ist man wirklich mittlerweile so schwach?

Dann der Moment der Erleuchtung: Da ist Extra-Power im Spiel! Nicht wenige, die jetzt behaupten: Ganz klar, der betrügt – die anderen Mountainbiker und sich selbst! Denn schliesslich würde er ohne Motorunterstützung diesen Anstieg ja ganz sicher nicht packen. Oder? Selbst die Wanderer, noch vor kurzem in ihrer Masse nicht gerade als Mountainbike-Freunde bekannt, grüssen den Bio-Biker mittlerweile fast anerkennend. Ganz nach dem Motto: «Der Typ packts noch ohne Motor, der ist einer von uns!»

E-Bikes machen auch bergauf Spass

Doch E-Mountainbiker sind ja nicht die einzigen, die auf Unterstützung setzen. Bikeparks boomen, immer mehr Mountainbiker nutzen angelegte Trails – und die Liftanlagen. Mit den Bergbahnen gehts bequem nach oben. Immer wieder. Wieder andere nutzen ein Shuttle und lassen sich und ihr Bike mit dem Transporter nach oben bringen.

Der E-Biker tritt zwar mit Unterstützung, aber immerhin tritt er selbst. Die Motor-Unterstützung macht unabhängiger, der Bewegungsradius erweitert sich und man kann sich in einem Umfeld sportlich betätigen, das man ohne E-Unterstützung vielleicht so nicht erreichen würde. Dem gegenüber steht die Ansicht, dass sich auf einmal Leute im Gelände wiederfinden, die nicht die technischen Fähigkeiten haben, um mit einem schweren E-MTB sicher auf den Trails unterwegs zu sein. Vor allem dann nicht, wenn es bergab geht. Gleichzeitig verbessert sich die Technik der Bikes von Jahr zu Jahr. Sie werden leichter, einfacher zu steuern, verzeihen immer mehr Fahrfehler.

Und was unbestritten ist: der Fahrspass nimmt zu. Egal, ob rauf oder runter, mit dem E-MTB ist man immer im Flow. Mittlerweile gibt es sogar speziell angelegte Trails, um bergauf Spass zu haben. Oder wie der Bündner Bergführer Marco Benz, für den das E-Velo den Zustieg zur Arbeit erleichtert, und dabei richtig Spass macht.

Damit kann es eine berechtigte Alternative zu einem unmotorisierten Mountainbike sein. Noch dazu erweitert es die Zielgruppe. Allerdings erhöhen mehr Fahrer auf den Trails natürlich den Nutzungsdruck. Nicht wenige, die behaupten, dass die Berge ja schon heute völlig überlaufen sind. Hier hilft dann nur der Appell an einen respektvollen und gemeinschaftlichen Umgang zwischen Wanderern und Mountainbikern, mit und ohne Motor. Denn dann kommen auf den Wanderwegen und Trails am Ende alle auf ihre Kosten.

Haben Sie schon ein E-MTB oder treten sie als Bio-Biker mit Muskelkraft? Diskutieren Sie mit.

11 Kommentare zu «Biken mit Batterie – Betrug oder clever?»

  • Peter Meier sagt:

    Unter solchen Artikeln kommt immer die gleiche leidige Diskussion. Herr und Frau Intoleranz schimpfen über unfitte E-Mountainbiker, die ja gar keinen richtigen Sport betreiben. Dabei verstehen die gar nicht, dass man sich meist aus anderen Beweggründen fürs E-MTB entschieden hat. Ich habe nicht den Anspruch, mich mit einem Biobike steile Berge hochzuquälen. Das habe ich früher gemacht und beherrsche deshalb die Fahrtechnik auch im Downhill durchaus gut. Beim E-Biken gehts um was anderes. Es macht einfach riesig Spass, man kommt in kürzerer Zeit weiter, kann Passagen Uphill fahren, wo man ohne Motor schlicht nicht hoch kommt. Selber Schuld, wenn man es nie ausprobiert hat.

  • Urs sagt:

    Ich selber fahre schon über 10 Jahre Fahrrad mit E-Unterstützung.
    Die ersten Jahre fuhr ich nur mit E-Unterstützung. Mittlerweile fahre ich oft im Intervall Training. Motor ausschalten, bis zum Puls Limit, dann wieder erholen mit Motorunterstützung.
    Mittlerweile fahre ich unter vier Stunden 70km weit und 2800 Höhenmeter.
    So kann ich eine grosse Tour machen, und vor oder nach der Tour den Rest vom Tag mit der Familie verbringen.
    Egal was und wie man etwas macht, es muss einem Spass machen.

  • Addi sagt:

    Ich bin stolz auf mein Muscle- Bike, deswegen fahre ich ja. Was ist denn ein Workout mit Elektromotor? Etwas für Weicheier natürlich. Mich stören die nicht, ich machs ja für mich. Meine Wochenend Touren dauern 4.5 bis 6 Stunden, beim E-Bike ist der Saft nach 2 Stunden raus. Von wegen damit kommt man weiter!

  • Hans Minder sagt:

    Es geht hier weniger um Betrug als Nachhaltigkeit. Wenn ich beim Naturerlebnis eben dieser Natur schade, dann ist dies nicht förderlich. Der Lithium-Abbau für Batterien zerstört ganze Gebiete in Südamerika. Ausgediente Batterien können nur zu ca. 65% recycliert werden. Der Lebenszyklus (Entstehung bis Wiederverwertung) von Batterien konsumiert viel Energie inklusive Gefahrentransporte infolge Explosionsrisiko. Stromherstellung geschieht mittels Technologien mit ähnlich aufwendigen Lebensyzklus wie Batterien (Solar), eingriffen in die Natur (Wind/Wasser) oder mit Atomstrom. Weshalb? Damit der Biker etwas eleganter und mit mehr fun in die Berghöhen gelangt? Dies ist meiner Ansicht das obige Risiko nicht wert und ein Schritt in die verkehrte Richtung.

    • Peter Meier sagt:

      Die Herstellung eines gängigen E-Bike Akkus ist bezüglich CO2 äquivalent mit 100km Autofahrt. Das ist also nicht wirklich relevant und schnell kompensiert. Ich war dieses Jahr mit meinem Bike bereits an die 20 Mal auf einer beliebten Passhöhe in unserer Region und jedesmal ist der Parkplatz vor der Beiz voll mit Autos. Es ist lächerlich den E-Bikern nicht nachhaltiges Verhalten vorzuwerfen, während zeitgleich Hunderttausende mit Autos und Motorrädern auf ein Mittagessen in die Berge fahren.

  • Biit sagt:

    Alle Biker die schon technisch schwierigen Trails bergab gefahren sind, wissen wie anstrengen das ist. Darum, wer nicht selber hochkommt, ist selten fit genug um tech. Trails zu meistern. Dazu kommt dann noch das Gewicht vom E-Bike, dass das Handling erschwert. Das schleckt auch die neueste Technik nicht weg. Geht man dann über den Lenker, ist man froh nicht auf einem E-Bike zu sitzen.
    Wer behaupte die DH’er im Bikepark sind faul und nicht fit, ist noch nie eine DH-Strecke gefahren. Ich rede hier nicht von einer Flowtrail, sprich „Chügelibahn“.

  • Hans Hasler sagt:

    Das ist eine reichlich sinnlose Diskussion. Wir diskutieren ja auch (nicht mehr) darüber ob Skifahren mit Lift Betrug ist oder nicht. Tourenskifahren und Alpin – Skifahren sind einfach nicht die gleiche Disziplin. Gilt auch für Biken und E-Biken.

  • Jan sagt:

    Ich fordere lauwarmes Bier in der Bergbeiz für E- Biker.

  • JLog sagt:

    Im Bergsport hat sich der Begriff „by fair means“ etabliert. Man kann auf den Everest mit Sauerstoff …aber muss man wirklich? Zählt wirklich nur noch das Selfie vom abgelegensten Flowtrail und der Weg dorthin ist völlig egal. Klar „eMotoX“ macht Spass und die Industrie blendet die Konsequenzen gekonnt aus. Aber auf jeden Trend folgt eine Gegenbewegung…. „by fair means“ wird auch im MTB-Bereich seinen Stellenwert erlangen.

  • Aquila Chrysaetos sagt:

    Cool geht es mit dem Outdoorblog trotzdem irgendwie weiter!

  • Markus sagt:

    Für mich stellt sich die entscheidende Frage, ob das E-MTB nun zum Sportmachen oder zwecks Transport bzw. um gezielt von A nach B zu kommen eingesetzt wird. Der oben erwähnte Bergführer zähle ich zur zweiten Kategorie. Ich selbst bin in Sachen Sport überzeugter Anhänger der Human-powered-Philosophie und für mich macht ein Motor bei sportlicher Betätigung keinen Sinn. Sport ist für mich etwas, wo man seinen Körper einsetzt und herausfordert und auch die psychischen Widedstände nicht scheut. Meinen inneren Schweinehund habe ich inzwischen mit ein paar Knochen und einer kurzen Leine ganz gut im Griff, da erübrigt sich die Sache mit dem Motor.

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