Der Schauenberg? Was für eine Show!

Diese Woche zwischen der Eulach und der Töss (ZH)

  • Elgg, kurz nach dem Start bei der Bahnstation.

  • Seelein am unteren Ende des Farenbachtobels.

  • Im Farenbachtobel.

  • Ebenfalls im Farenbachtobel, Blick zurück.

  • Hier kehrt man gerne ein.

  • Später auf dem Schauenberg, auf dessen Kuppe eine Burg stand.

  • Gleich gibts Zmittag: das Restaurant Gyrenbad.

  • Ohne Worte.

  • Abstieg.

  • Noch einmal bekommen wir nach dem Zmittag ein schönes Tobel serviert.

  • Zell voraus.

Jede Wanderung ist lohnend. Diese besonders. Sie beschenkte mein Grüppchen und mich mit einem aussichtsreichen Berg. Mit einem Zmittag an einem historischen Ort. Mit zwei Tobeln. Und mit abseitigen Giessen. So heissen im Tösstal und angrenzend die Wasserfälle im Nagelfluhgelände.

Wir starteten an der Bahnstation von Elgg und strebten dem Farenbachtobel zu. Die Karte verriet mir, dass aus dem Farenbach die Eulach entsteht, der Fluss von Winterthur. Elgg liessen wir im Folgenden links liegen, wir hatten es früher einmal besichtigt. Wer es nicht kennt: Der kleine Umweg in das alte Landstädtchen mit seinen Fachwerkhäusern ist sozusagen Pflicht.

Der Hund darf nicht

Im Farenbachtobel kamen wir zu einem Waldseelein. Und zu einer Kneippanlage. Eine Tafel informierte, dass Hunde keinen Zutritt haben. Ich stellte mir vor, wie Familie Meier oder so kneippt, und der Hund darf nicht und zerrt an der Leine und jault herzzerreissend.

Das Tobel selber erwies sich als Abenteuerschlitz zwischen hohen Fluhen. Lange Stege halfen über gefährliche Stellen. In der «Guhwilmühle» kehrten wir hernach für einen Kafi ein. Sie ist mit ihrer rustikalen Stube und dem währschaften Essen der Stoff von Wanderlegenden.

Schon die Aufschrift auf der Fassade mit den alten Lettern heimelt an. Seit fast 500 Jahren gibt es an diesem Platz eine Mühle. Mitte des 16. Jahrhunderts soll ihr Betreiber das Wasser so egoistisch für sich gestaut haben, dass ihn die Müller weiter unten hassten.

Rauchzeichen im Züribiet

Wir stiegen zum Scheunberg und noch höher zum Schauenberg, dessen Name Programm ist: Die Aussicht ist umfassend. Zu vorgeschichtlichen Zeiten gab es hier einen Verteidigungswall. Im Mittelalter entstand eine Holzburg. Später gehörte der Hügelgipfel zum Zürcher Hochwacht-System. Hohe Geländepunkte mit Sichtverbindung bildeten ein Netz von Signalstationen. Kam der Feind, zeigte man das mit Rauchzeichen oder nachts mit Feuer den benachbarten Hochwachten an. Mauerreste zeugen heute von der einstigen Burg.

Über Schwändi gelangten wir hinab zum Girenbad. In der Strassenkurve besuchten wir das Hoflädeli der Bauerfamilie Fuster, die Wasserbüffel hält. Wir alle kauften etwas, Tee, Rapsöl und Räucherfleisch.

Girenbad und Gyrenbad

Und dann gings zum Mittagessen, das uns hervorragend schmeckte. Das «Gyrenbad», mit Y geschrieben, ist auch ein Hotel und hat eine lange Geschichte als Kuranstalt. Die Herren und Damen Gäste – darunter anspruchsvolle Stadtzürcher Klientel – badeten einst heiss in Zubern. Zur Kur gehörten auch: Kartenspiele, Kegelturniere, Kaffee und Kuchen.

Nach dem Zmittag hätten wir in der Direttissima via Lettenberg in einer gut Dreiviertelstunde die Bahnstation Rämismühle-Zell an der Töss erreichen können. Doch wir wollten Kalorien verbrennen und schlugen einen weiten Bogen nach Norden zum Höchholz.

Wunderwerklein der Natur

Diese Wegvariante bescherte uns später im Haldenholz eine Trouvaille: einen besonders hohen, weitum bekannten Giessen – ein Wunderwerklein der Natur. Alsbald strebten wir dem Dorf Zell zu. Seine reformierte Kirche steht auf dem Platz einer Römervilla. Der Ortsname verdankt sich der Zelle eines frühen Einsiedlers.

Der Komponist Paul Burkhard lebte in Zell, ihm ist ein Themenweg gewidmet. Für die Kinder des Dorfes komponierte er die «Zäller Wienacht». 1960 erstmals aufgeführt, wurde sie zum wohl beliebtesten Krippenspiel der Schweiz. Während wir nun auf die Bahnstation Rämismühle-Zell zusteuerten, dachte ich: Wie einen doch eine einzige Wanderung bereichert.

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Route: Elgg, Bahn – Farenbachtobel – Guhwilmühle – Scheunberg – Schauenberg – Schwändi – Girenbad – Höchholz – Haldenholz – Zell – Rämismühle-Zell, Bahn.

Wanderzeit: 4 1/4 Stunden. 561 Meter aufwärts, 536 abwärts.

Höhendifferenz: 561 Meter aufwärts, 536 abwärts.

Wanderkarte: 216 T Frauenfeld, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Abseitig. Stille Tobel, aparte Giessen, Brücklein und Stege. Bei Nässe rutschig. Auf dem Schauenberg hat man Aussicht.

Höhepunkte: Das Farenbachtobel. Die Einkehr in der Guhwilmühle. Der Anblick der Ruinen auf dem Schauenberg. Der Giessen im Abstieg vor Zell.

Kinder: Gute, weil abwechslungsreiche Route. Vorsicht in den Tobeln ist angebracht!

Hund: Unbedingt!

Einkehr: Guhwilmühle. Mo/Di Ruhetag. Gyrenbad. Di Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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